Project icon

KdiH

_ (der Unterstrich) ist Platzhalter für genau ein Zeichen.
% (das Prozentzeichen) ist Platzhalter für kein, ein oder mehr als ein Zeichen.

Ganz am Anfang und ganz am Ende der Sucheingabe sind die Platzhalterzeichen überflüssig.

ß · © ª º « » × æ œ Ç ç č š Ł ł ́ ̀ ̃ ̈ ̄ ̊ ̇ ̋ ͣ ͤ ͥ ͦ ͧ ͮ Α Β Γ Δ Ε Ζ Η Θ Ι Κ Λ Μ Ν Ξ Ο Π Ρ Σ Τ Υ Φ Χ Ψ Ω α β γ δ ε ζ η θ ι κ λ μ ν ξ ο π ρ σ ς τ υ φ χ ψ ω ͅ ̕ ̔

18.1.2. Innsbruck, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Dip. 877

Bearbeitet von Ulrike Bodemann

KdiH-Band 2

Datierung:

1. Hälfte 15. Jahrhundert.

Lokalisierung:

Tirol?.

Besitzgeschichte:

Vorbesitzer: Baron Andreas von Dipauli (1761–1836), Bandzahl in der Sammlung Dipauli bis ins spätere 19. Jahrhundert: DCCCLXXI.

Inhalt:
1r–200v Hans Vintler, ›Die pluemen der tugent‹

Hs. F

I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, I + 199 + I Blätter, etliche Blattverluste und -vertauschungen; die richtige Blattfolge lautet: 5, (danach fehlende Blätter: vv. 49–168), 2, (fehlende Blätter: vv. 231–330), 1 (falsch herum eingebunden), (fehlende Blätter: vv. 385–672), 6–9, 23, (fehlendes Blatt: vv. 899–947), 10, 12–14, 3, 4, 15–17, 192, 18, 19, 11, 20, 22, 24, 25–55, 21, 56, 57 (fehlendes Blatt: vv. 3291–3347), 58, 59 (fehlendes Blatt: vv. 3442–3496), 61–102, (fehlendes Blatt: vv. 5269–5348), 103–127, 60, 128–185, (fehlendes Blatt: vv. 9124–9167), 186–191, 193–200; 202 × 295 mm, gotische Kursivschrift von mindestens zwei Händen, I: 1r–175v mit starken Duktusunterschieden, die Blätter 49v–50r sicher von einer anderen Hand, deutlicher Duktuswechsel auch Blatt 109r, 18–28 Zeilen; II: 175v–200v, 34–38 Zeilen; einspaltig, abgesetzte Verse, rote Strichel; Lombarden und nachgetragene Überschriften von anderer Hand. Die Handschrift ist stark beschädigt, Risse und Durchbrechungen sind mit Papier und Japanpapier gesichert.

Schreibsprache:

bairisch-österreichisch.

II. Bildausstattung:

121 von ursprünglich ca. 130 (Blattverluste s. o.) kolorierten Federzeichnungen: 1r, 5r, 7v, 8r (2), 9r, 9v, 10v, 11r (2), 11v, 12v, 13v, 14v, 15v, 16r, 17v, 19r, 20v, 21r, 23v, 24r, 25r, 26r, 26v, 27r, 27v, 28r, 29v, 32r, 32v, 34r, 34v, 35r, 36r, 36v, 37r, 38r, 39v, 41r, 42r, 45r, 45v, 48r, 50v, 51r, 53v, 54r, 54v, 55r, 56v (z. T. ausgeschnitten), 59v, 60v (z. T. ausgeschnitten), 61r, 62v, 65r, 67v, 68v, 69v, 72r, 73v, 74r, 75r, 78r, 79r, 80v, 81r, 82r, 83v, 84r, 85v, 86v, 87r, 87v, 88v, 89v, 90v, 91v, 92v, 93r, 93v, 94r, 94v, 97r, 98v, 99r, 99v, 102v, 104v, 105r, 107v, 113r, 114r, 114v, 115v, 116v, 118r, 120r, 121r, 121v, 122r, 125r, 128r, 130v, 136r, 137v, 139r, 140v, 141v, 147r, 154v, 155v, 164v (2), 165r, 165v, 170v, 176r, 182v, 187v, 189r; zwei (?) Hände.

Format und Anordnung:

Meist schriftspiegelbreit (110–111 mm) in unterschiedlicher Höhe (ca. 66–90 mm), vor die zugehörige Textstelle eingefügt; selten auch am unteren oder seitlichen Blattrand, dann in kleinerem Format (11r [2], 26r, 54r, 54v, 55r, 93v, 94r, 139r, 164v [1], 165v).

Bildaufbau und -ausführung:

Federzeichnung auf grasgrünem Grund in doppelter Linieneinfassung, die innere, dickere Einfassungslinie wird häufig von Bildelementen überschnitten; die Figuren zumeist auf gewölbten Bodenstücken, der Hintergrund steht frei, Himmel ist nur angegeben, wenn der Text es verlangt (Ägyptische Plagen 38v), als Raumfüller im Mittelgrund oft Bäume mit knorrigem Stamm und flacher, breiter Krone, vielfach mit Blüten, seltener Architekturen. Figurenzeichnung in weicher, oft unfester Linienführung, die mit manchmal nachgestrichelter Kontur wie eine gepauste Nachzeichnung wirkt (gelegentlich, v. a. bei fehlender Kolorierung wie 165r, wie eine Vorskizze); sparsame Binnenzeichnung, wenige modellierende Parallelstrichel; einfache Gestaltung der Gesichter: Augen als gebogter Strich mit Punkt darunter, Mund aus zwei unterschiedlich langen Strichen; Männer mit kinnlangen, seitwärts oft bauschig abstehenden Haarschöpfen, Frauen mit Kopftüchern oder das Gesicht umrahmenden Flechten; weich fallende Gewänder mit runden Faltenmulden. Tierzeichnungen sehr geschickt, auch perspektivisch gelungen (z. B. Pferde 91v). Sparsame Kolorierung, modelliert wird mit angetuschten dunkelgrünen Schatten, Lichter sind in Weiß aufgesetzt, Gesichter rosarot bemalt, charakteristisch die in verschiedenen Farben mit fast trockenem Pinsel aufgetupften Farbflecken auf Wiesen, Bäumen und Wolken, selten flächige Lavierungen für Gewänder, Architekturteile u. a.

Die Anfangszeichnungen stammen von einer zweiten Hand oder zumindest unter deren Mitwirkung (bis ca. 15v, wobei 11r falsch eingebunden ist und auch schon zu der Partie der Haupthand gehört); die Konzeption der Figuren ist hier anders, sie sind größer, in unmittelbarer Nahsicht aufgeführt, dabei im Detail viel sorgfältiger gezeichnet und mit dichten Pinselschraffen und differenzierten Weißhöhungen plastisch modelliert; die Proportionen mit großen Köpfen und Händen etwas unstimmig, Frauen mit eng anliegenden Oberteilen und runden Brüsten sehr körperbetont; voluminösere, kantige Gestaltung von Falten und Felsen; auch die Bildeinfassung ist anders: der Binnenrahmen umgibt nur den freistehenden Hintergrund im oberen Bildteil.

Vor allem aufgrund ihrer Farbgestaltung, die an die Terraverde der Wandmalerei anknüpft, werden die Innsbrucker Federzeichnungen in Verbindung gebracht mit den um 1400 in gleicher Technik ausgeführten Fresken im Sommerhaus der Burg Runkelstein bei Bozen (vgl. Nicolò Rasmo: Runkelstein. In: Trapp V [1981] S. 109–176; Runkelstein [1982]). Ein genauer Stilvergleich ist wegen der umfassenden Übermalungen der Fresken um 1500 nicht möglich.

Bildthemen:

Als Eingangsbild (5r) eine blumen- und kräuterbestandene Wiese; danach sind dem Text folgend Tiere sowie Szenen und Szenenfolgen zu Historien und Vergleichen dargestellt. Zur Aberglaubensliste nur sechs Illustrationen (164v[1] Hexe in Katzengestalt, Heilen mit Eichenscheit, Heilen mit Kissen; 164v[2] Eichenwein, Labtrunk für Erhängten; 165r Bischof Germanus: Bocksreiten; 165v Bischof Germanus: Mahl der Nachtfahrer, Germanus empfängt den Wirt; 170v Thomas von Aquin: Speisen und Spielen im trügerischen Himmel; 176r Gänse und Falken), zum Albertanus-von-Brescia-Anhang nur zwei Illustrationen (182v Gebet um Rache; 187v Römische Boten in Tarent), zum Torheiten-Kapitel nur eine Illustration (189r Teufel auf Schleppe).

Mehrfach sind zwei Szenen einer Historie in einer Illustration vereinigt (zur Historie vom schweigenden Rittermönch 155v ausnahmsweise in zwei Registern: oben Abt mit Mönch am Totenbett, unten auf der Brücke), gelegentlich werden auch Darstellungen zu unterschiedlichen Historien kombiniert (28r: Tote auf Lebendigen / Jason und Medea; 73v: Jurina als Nonne / Octavians falscher Enkel ans Kreuz genagelt).

Farben:

unterschiedliche Grüntöne, Gelb, Rot, Rosa, Blau, Braun, Grau, Deckweiß.

Literatur:

Zingerle (1874) S. XXXIf.; Hermann Julius Hermann: Die illuminierten Handschriften in Tirol. Leipzig 1905 (= Beschreibendes Verzeichnis der illuminierten Handschriften in Österreich. Hrsg. von Franz Wickhoff. Bd. 1), S. 107, Nr. 116; Wolfgang Stammler: Bebilderte Epenhandschriften. In: Ders.: Wort und Bild. Studien zu den Wechselbeziehungen zwischen Schrifttum und Bildkunst im Mittelalter. Berlin 1962, S. 136–160, hier S. 156; Schweitzer (1993) S. 187. 218–233 und passim, Abb. 1 (5r). 8 (113r). 11 (38r). 15 (139r). 16 (140v). 19 (48r). 20 (118r). 21 (176r).

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 170: 9r. König Salomo und die Heidin beten an der Götzensäule. Abb. 171: 147r. Sokrates, gefolgt von zwei Kindern, auf Stecken reitend.

Abb. 170.
Abb. 171.