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KdiH

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18.1.4. Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Cod. 13567

Bearbeitet von Ulrike Bodemann

KdiH-Band 2

Datierung:

Mitte 15. Jahrhundert.

Lokalisierung:

Österreich.

Besitzgeschichte:

Herkunft unbekannt, alte Wiener Signatur: Suppl. 1168.

Inhalt:
1. 1ra–1v ›Goldene Kette St. Bernhards‹

Fassung 2

2. 1v Sprüche der Kirchenväter
3. 2r–177v Hans Vintler, ›Die pluemen der tugent‹

Hs. W (Zingerle) bzw. W1 (Schweitzer)

4. 178v–179v Tagzeitengedicht (Sieben Tagzeiten von unseres Herrn Leiden)
5. 180r–181v Sprüche der Kirchenväter (Fortsetzung)
6. 184ra–215vb Reinbot von Durne, Der heilige Georg
I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, II + 215 + II Blätter (vor Blatt 2 sind 10 Blätter, nach Blatt 179 ein Blatt, nach Blatt 215 vier Blätter herausgerissen, weitere fünf Blattverluste nach Blatt 14, 37, 78, 126, 141; Blatt 1 gehört vor Blatt 180, Blatt 38 hinter Blatt 44), 280 × 195 mm, gotische Buchschrift, einspaltig (nur 1r und 184ra–215vb zweispaltig), drei Schreiber (I: 1r–1v, 178v–181v; II: 2r–177v; III: 184r–215v); mehrere weitere Hände kommentieren Bilder und bringen Textkorrekturen an; Text 3 (Schreiber II): 28–35 Zeilen, Verse abgesetzt, Versanfänge und Eigennamen rot gestrichelt, rote Lombarden über zwei Zeilen. Die Handschrift ist stark beschädigt und alt ausgebessert.

Schreibsprache:

bairisch-österreichisch.

II. Bildausstattung:

Zu Text 1 eine lavierte Federzeichnung (1r), zu Text 3 171 von ursprünglich ca. 188 linearen Federzeichnungen (Blattverluste s. o.), die meisten laviert: 4v, 5r (2), 6r, 6v, 7v, 8v, 9r, 9v, 10v, 11r, 12r, 13v, 15r, 16r, 17v, 20r, 21r, 21v, 23r, 24r, 26r, 27r, 28r (2), 28v, 29r, 29v (2), 31v, 32v, 34r, 34v, 35r, 35v, 36r, 37r (2), 37v, 38v, 41r, 42r, 43r, 45r, 47r, 49v, 50r, 52r, 53v, 54r, 55r, 55v, 59r, 59v (2), 60r (4), 61v, 62r, 64r, 66r, 67r, 68r, 70v, 71r, 73v, 75v, 76r, 76v, 77v, 79r, 79v, 80r, 81r, 82r, 83r, 83v, 84r, 85r, 86r, 87r, 88r (2), 88v, 89r, 90r, 92v, 93v, 94r, 94v, 96v, 97v (2), 100r, 100v, 102v, 106r, 106v, 108r, 108v, 109v, 111r, 111v, 112r, 112v, 113v, 115r, 117v (2), 118r, 119v, 123v, 124r, 124v, 126v (2), 130r, 130v, 132r, 132v, 134v, 135r, 135v (2), 136r, 137r (2), 137v, 140r, 140v (2), 141r (2), 141v (3), 142r (2), 142v (4), 143r (2), 143v (4), 144r (3), 145v, 146r, 147r, 148r (2), 148v (2), 149v, 150r, 151r (2), 151v (2), 152r, 152v, 153r, 159v,166v. Bildfreiraum 165r. Zu Text 6 eine lineare Zeichnung (183r). Eine Hand. – In Text 3 sind zahlreiche Zeichnungen von Beschädigungen der Handschrift in Mitleidenschaft gezogen, in etlichen sind als anstößig empfundene Bildelemente (v. a. Beischlafszenen) durch nachträgliche Überkritzelungen unkenntlich gemacht. Einige Illustrationen haben in Texturaschrift nachgetragene Vätersprüche aus der Sammlung 1v/180r–181v als Kommentare, von dieser Hand auch gelegentliche Kapiteltitel, ferner der Bildnachtrag 115v (Spinnennetz mit Fliegen, die sieben Spannfäden mit den Todsünden bezeichnet) und die Tugenden- und Laster-Waage 65v.

Format und Anordnung:

1r Zeichnung über die gesamte Seite, den Text einbeziehend; 183r ganzseitig, dem Text vorangestellt; zu Text 3 meist ungefähr halbseitige, rahmenlose Zeichnungen unterschiedlichen Formats in vorgesehenen Bildlücken oder am Blattrand, oft die gesamte Blattbreite einnehmend und daher manchmal leicht beschnitten. Widersprüche der Text-Bild-Zuordnung sind auf Abschreibfehler zurückzuführen, z. B. haben die Blätter 24–37 die Versfolge 1665–1704, 1852–1906, 1705–1851, 1946–2131, 1907–1945, 2132–2257, unabhängig von der falschen Textzusammensetzung ist die Bildfolge korrekt.

Bildaufbau und -ausführung:

Zu Text 3 oft mehrere Szenen miteinander zu Bildstreifen ohne strenge Motivtrennung kombiniert. Dabei wird über den vorgesehenen Bildfreiraum hinaus gelegentlich auf den gesamten, nicht mit Schrift bedeckten Raum ausgegriffen. Kein Hintergrund, Landschaftselemente (v. a. Felsen) und Architekturen dienen der Ortsbestimmung. Sicher skizzierte Figuren stehen meist im Halb- oder Viertelprofil auf angedeuteten, nur gelegentlich bewachsenen Bodenstücken oder frei. Schlanke Körper, oft in geschwungener Linie, gut proportioniert, in fließenden Gewändern mit weichen Faltungen, die weltlichen Personen in modischer Kleidung (sehr weite Ärmel, Zaddeln, Gugeln, Kruseler); in wenigen Strichen werden ausgeprägte Physiognomien entworfen, besonders im Vollprofil mit Hakennasen, wulstigen Lippen, vorspringendem Kinn. Ansätze perspektivischer Gestaltung führen zum Nebeneinander von Figurenstaffelung und manchmal gelungener Verkürzung (11r Abel, 142v Pferd). Gelegentlich ausgefallene Blickwinkel, wie die Rückenansicht 81r (Pfau). Lavierung in großzügigen Pinselstrichen folgt dem Lineament und dient vornehmlich der Körpermodellierung, selten, vor allem bei der Kleidung, sind Farben flächig aufgetragen; ca. ein Drittel der Zeichnungen verzichten auf jegliche Farbgestaltung.

Bildthemen:

1r Himmlisches Jerusalem: über einem Mauerrand, der den Textraum vom Bildraum darüber abgrenzt (die Mauer mit Türe im Spaltenzwischenraum des Textes) im Rund Jesus und Maria thronend, umgeben von Heiligen in Dreiviertelrund, in den Ecken die Evangelistensymbole, an unteren Blattrand Büste eines bärtigen Heiligen mit Palmzweig und Textura-Beischrift s. mathias – vnd das ebig leben amen. 183r Georg im Kampf mit dem Drachen. – Zu Text 3 (Bildthemenliste siehe Schweitzer [1993] Anhang II): Darstellungen von Tieren, Szenen und Szenenfolgen zu Historien, Vergleichen und Aberglaubensformen. Zum Albertanus-von-Brescia-Kapitel nur zwei Bilder bzw. Bildlücken (159v Macarius und die friedlebenden Frauen, 165r Freiraum für Römische Boten in Tarent), zum Torheiten-Kapitel nur eine Illustration (166v Teufel auf Schleppe).

Die Handschrift stimmt in Bildauswahl und in der Motivkonzeption im einzelnen bis ins Detail überein mit der Schwesterhandschrift Wien, Cod. Ser. nov. 12819. Vgl. Nr. 18.1.5.

Farben:

Rot, Karmin, Rosa, Violett, Blau, Gelb, Hellgrün, Dunkelgrün, Ocker, Dunkelbraun, Grau, Schwarz.

Literatur:

Menhardt 3 (1961) S. 1319f. – Zingerle (1874) S. XXXI; Unterkircher 1 (1957) S. 157; Gotik in Österreich (1967) S. 444f., Nr. 449; Schweitzer (1993) S. 186f. 200–212 und passim, Abb. 3 (9v). 7 (106r). 9 (84r). 14 (144r).

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 172: 31v. Titus Quintus übergibt Philippus eine Fahne. Abb. 173: 143v. Aberglauben vom Schuh, von der Katzen-Hexe und der Hexe ›Unholle‹, von Holzscheit und Kissen, vom Eichenwein.

Abb. 172.
Abb. 173.