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106.10.2. Berlin, Landesarchiv, A Rep. 500, Nr. 1

Bearbeitet von Gunhild Roth und Dagmar Hüpper

KdiH-Band 10

Datierung:

1397–1398, Ergänzungen bis 1489.

Lokalisierung:

Berlin.

Besitzgeschichte:

Berlin Ratsarchiv; vermutlich nach dem Tod des Gelehrten Martin Friedrich Seidel (1621–1693) oder seines Sohnes, des Bürgermeisters Andreas Erasmus von Seidel (1650–1707), in dessen Hinterlassenschaften verblieben; 1718/19 von Ludwig Otto Edler von Plotho auf Parey erworben (Halle, † 1731); um 1737 von Johann Peter von Ludewig (Halle, 1668–1743) gekauft; Gebauer (vermutlich Georg Christian G., Jurist in Göttingen, 1690–1773) erwarb sie 1749; ab 1806 im Besitz des Bremer Syndikus Johann Friedrich Gildemeister († 1812), ab 1815 im Besitz des Bremer Bibliothekars Heinrich Rump für die Bremische Senatsbibliothek. Die Handschrift wurde 1836 als Schenkung des Bremer Senats an Berlin übergeben und an das Stadtarchiv Berlin überwiesen. Kriegsbedingt 1945 nach Schloss Friedland (Frýdlant, »Wallensteinschloss«) verbracht und eingemauert, wurde sie nach dem Wiederauffinden 1955 an den Magistrat von Ostberlin bzw. dessen Bürgermeister Friedrich Ebert restituiert (im Stadtarchiv der Hauptstadt der DDR, o. Sign.).

Inhalt: Berliner Stadtbuch
1. 1ra–2rb Eidesformeln
Inc.: Oruedia dicitur votum sollempne vnd het dutz orueyde
2. 3va Verse über die Bedeutung des Eides
Inc.: Mensche wen du swerest So dan du dyne sele sere vorverest
3. 3vb–5vb Register
Inc.: Hyr heuet an dat registrū des na geschreūe bukes vnd het vele gesette. Dat irste bukeken bewiset der stadt Berlin rechticheit
4. 6ra–25va Einkünfte der Stadt Berlin
Inc.: Jncipiūt priuilegia In noīe dm̄ am̄e
5. 25va–59rb Stadt- und Gewerksprivilegien
Abschriften
6. 60va–104vb, 107v ›Berliner Schöffenrecht‹
in fünf Büchern zu 42, 26, 29, 19, 32 Paragrafen (nach Clauswitz [1883]); Inc.: Otgetogē recht steit hir Gy erliken lude nuͦ sijd bedacht na deme dage uolget di nacht
7. 108ra–122rb Verzeichnis peinlicher Prozesse (›liber excessum‹)
›Buyk der overtredunge‹
8. 122va–123vb zwei Vertragsabschriften
Erwerb des Dorfes Lichtenberg 1391; Erlaubnis zur Bienenzucht in Stadtheide 1419
9. 124ra–163vb Verzeichnis von Rechtsgeschäften und Pfandverträgen, Bürgerrolle
Inc.: Hy heven an die recongniciones, dat sint openbar bekentnissen dy man den luden gift up lifgud
I. Kodikologische Beschreibung:

128 (Pergament) + 35 (Papier) Blätter, 205 × 160 mm, Textualis, eine Haupt- und mehrere Nachtragshände (vgl. Clauswitz [1883] S. XIf.), zweispaltig, 22–31 Zeilen, Initialen (6ra mit Kopf, ohne Textbezug), blau und rot rubriziert.

Schreibsprache:

niederdeutsch mit hochdeutschen Formen, teilweise lateinisch.

II. Bildausstattung:

Zwei kolorierte Federzeichnungen (2v, 3r). – Christliche Ikonografie.

Format und Anordnung, Bildaufbau und -ausführung, Bildthemen:

Beide Federzeichnungen ganzseitig und ungerahmt. Sie sind von geübter Hand mit feiner Feder ausgeführt (Schraffuren, gezielter Farbauftrag) und zeigen einen sicheren Umgang im Bildaufbau.

2v: In der Mitte sitzt Christus (Stigmata) als Weltenrichter mit erhobenen Händen (Segensgestus) in der Mandorla, Schwert und Lilie weisen auf seinen Mund. Die Bildecken werden ausgefüllt von den Symbolwesen der vier Evangelisten, die ihnen zugewiesenen Schriftbänder sind leer.

3r: Die thronende Madonna (Krone) in weitem wallenden Mantel hat das stehende Jesuskind auf ihrem Schoß. Sie hält in der Hand eine Frucht, nach der das Kind greift. – Für beide Bilder ist ein direkter Text-Bild-Bezug nicht gegeben. Sie stehen zu Beginn der Handschrift und dienen der Vergewisserung des von Gott gegebenen Rechtes als impliziter Grundlage des Stadtbuches. Das göttliche Gericht steht über dem weltlichen, und Maria ist Vermittlerin und Fürbitterin zwischen Gott und den Menschen.

Farben:

Ocker, Rot, Grau.

Literatur:

Oppitz 2 (1990) Nr. 215. – Clauswitz (1883) mit Abb.; Beck/Unger (1979) S. 57 (Nr. 44), 260; Rousavy (1998) S. 7–26 mit Abb. 1 (6r) und 2 (2v–3r).

Weitere Materialien im Internet:

HandschriftencensusStadtbücher-Datenbank

Abb. 208: 2v. Christus als Weltenrichter.

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Abb. 208.