KdiH

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106.10.11. Jihlava (Iglau), Státni okresní archiv (Staatliches Kreisarchiv), Městská správa Jihlava do r. 1848, odd. Úřední knihy a rukopisy, inv. č. 17

Bearbeitet von Dagmar Hüpper und Gunhild Roth

KdiH-Band 10

Datierung:

Um 1400 (Machilek [2006] S. 246).

Lokalisierung:

Iglau.

Besitzgeschichte:

Von Johannes von Gelnhausen (in Iglau nachweisbar 1397–1408) für den Rat der Stadt geschrieben, danach Stadtarchiv Iglau.

Inhalt: Iglauer Stadtrechtsbuch
1. 2ra–6rb Register zu Text 2 und 3
2. 8va–20va Königliche Privilegien für Iglau, lateinisch
3. 20vb–38vb ›Iglauer Privilegien‹, deutsch
Übersetzung von Text 2 durch Johannes von Gelnhausen: [H]ye hebt sich an dy furstliche hantfeste der duchlewchtigen fursten vnd herren
4. 39ra–46vb Register zu Text 5–8
5. 47va–66rb 21 Privilegien, 1269–1392, lateinisch und (wenig) deutsch
6. 68ra–155vb Schöffensprüche bis zum Jahr 1416, lateinisch
Edition: Tomaschek (1868) S. 56–166 (Nr. 1–264)
7. 156ra–161va Schöffensprüche, deutsch
Edition: Tomaschek (1868) S. 235–241 (Nr. 324–327)
8. 161va–184rb
Schöffensprüche, lateinisch, deutsch und tschechisch
Edition: Tomaschek (1868) S. 241–261 (Nr. 328–341)
I. Kodikologische Beschreibung:

Pergament, 187 Blätter, 485 × 335 mm, Textura (Textualis formata; »Gothica formata« laut Hoffmann [2001]), drei Hände, I: Johannes von Gelnhausen (8v–20v, 68r–155v), II: Michael von Iglau (20v, 22r–38v, 47v–66r, 156r–161v), III: Johannes de Wissnaw (?; 2r–6r, 39r–46v, 161v–184r), zweispaltig, 28–31 Zeilen, reicher Rankenschmuck in Deckfarben mit Initialen (68ra: Stadtwappen Iglau) und Lombarden mit Fleuronné-Schmuck, rubriziert.

Schreibsprache:

lateinisch, ostmitteldeutsch und tschechisch.

II. Bildausstattung:

Zahlreiche Deckfarbenminiaturen, drei davon zu Text 3 (21v, 22r, 22v). Als Illuminator wird ein Schüler oder Nachfolger des Meisters der Goldenen Bulle Wenzels IV. vermutet (Machilek [2006] S. 246; Krása [1990] Anm. 380). – Verfassungsrecht.

Format und Anordnung:

Zu Beginn von Text 3 eine ganzseitige gerahmte Deckfarbenminiatur (21v) sowie zwei hochrechteckige Bilder (22ra: 14 Zeilen hoch, wie eine Initiale in den Text eingefügt, 22va: elf Zeilen hoch, neben der linken Spalte am Rand positioniert). 22r und 22v sind mit üppigem farbenprächtigen Rankenwerk geschmückt (Akanthusblätter, Blüten und Goldpunkte), in das mehrere Wappen eingefügt sind: 22r oben Wappen mit weißem Löwen auf rotem Grund, in der Mitte gevierteltes Allianzwappen (Löwe und Adler), unten gevierteltes Allianzwappen (weißer Löwe auf rotem und roter Igel [Stadtwappen Iglau] auf weißem Grund), 22v rot-weißer Adler auf blauem Grund.

Bildaufbau und -ausführung, Bildthemen:

Alle dargestellten Figuren erscheinen vor einem aufwendig mit Muster ornamentierten Untergrund. Ihre Gewänder zeichnen sich durch kräftige Farbgebung und einen schwungvollen, weichen Faltenwurf aus, wodurch eine Bewegung im Bild entsteht. Auch mithilfe von Gesten und Blicken schafft der Maler den Eindruck von Bewegtheit (Johannes neigt sich leicht zu Christus nach vorne; ein Ratsmitglied blickt zum Betrachter, ein anderes nimmt gerade seine Kopfbedeckung zum Schwur ab; der Herrscher blickt aus dem Bild hinaus, als würde sich jemand nähern). Detailreich werden die verschiedenen Stoffe und zum Teil mit Pelz besetzten Kleidungsstücke der Ratsmitglieder gezeigt. Die unterschiedlichen Altersstufen drücken sich in der Darstellung der Haare und Bärte aus, sodass sie individualisiert erscheinen.

21v: Oberer Teil: Kreuzigung mit Johannes und Maria. Unter Christi Füßen eine Tafel mit goldener Inschrift: Juste iudicate filii hominum. Unterer Teil: Hier stehen zweimal sechs barhäuptige Männer mit erhobenen Schwurhänden, die zu Christus emporschauen. Alle sind modisch gekleidet (farbige Strümpfe und Mäntel, Riemenschuhe, Knopfstiefel), manche haben ein Werkzeug oder einen Beutel umgegürtet. Kleidung und Gesichtszüge, Bart- und Haartracht sind individuell gestaltet. Mittig über ihnen eine Tafel mit goldener Inschrift: Wir sweren gote vnd vnserm fursten vnd arm vnd reich eyn recht czu stercken vnd eyn vnrecht czu krenken. – Darstellung der Vereidigung des Rates in Nachahmung eines Altarbildes mit Predella. Die Miniatur steht in keinem unmittelbaren inhaltlichen Zusammenhang mit der auf der Rectoseite folgenden deutschen Übersetzung des Privilegs König Wenzels I. von Böhmen und seines Sohns, Ottokars II., aus dem Jahr 1249 (CDB IV,1, Nr. 177) sowie weiterer Privilegien, in denen, ebenso wie im Älteren Schöffenrecht (68ra, vgl. Tomaschek [1868] Kap. 1–2, S. 56), auch über den Eid der Ratmannen und Schöffen gehandelt (vgl. 27ra) wird. Nach Poeck (2003, S. 291, Anm. 16) imitiert die Miniatur ein im Iglauer Rathaus aufgehängtes Kreuzigungsbild, und die lateinische Inschrift habe sich später auch an der Tür, die vom Ratssaal in die städtische Kanzlei geführt hat, befunden.

22ra: Auf einem Schimmel mit grüner Schabracke sitzt ein Reiter mit üppiger bekrönter Helmzier, auf seinem Schild und der Lanzenfahne der weiße böhmische Löwe auf rotem Grund, auf der Pferdedecke der schwarze mährische Adler auf weißem bzw. blauem Grund. – Im zugehörigen Text wird auf Wenzel, von Gottes Gnaden König zu Böhmen und Mähren, und seinen gesetzgeberischen Akt für die Stadt und die Bürger von Iglau rekurriert. In gleicher Weise, wenn auch auf einem Falben und mit anderen Farben, ist König Wenzel bei der lateinischen Fassung des Privilegs auf 9ra dargestellt.

22va: Auf einem Kastenthron sitzt der Herrscher (Grafenhut, Standarte, Reichsapfel), in der Spaltenmitte erscheint ein Helm mit üppiger Helmzier und den gleichen Farben wie in der Standarte. – Das Thronbild zeigt den Markgrafen Přemysl Ottokar II., der im nebenstehenden Text genannt wird und dessen Bestätigung der Privilegien für die Bürger und Bergleute der Stadt Iglau hier folgt. In ähnlicher Weise, wenn auch auf einem Thron mit Baldachin, vor anderem Hintergrund und mit anderen Farben, wird Přemysl Ottokar II. bei der lateinischen Fassung des Privilegs auf 8va dargestellt.

Farben:

satte Rot-, Blau-, Grün-, Brauntöne, helles Grau, Orange, Gold.

Literatur:

Hoffmann (2001) S. 8–14. – Simboeck (1903) S. 8–14; Krása (1971) S. 279 (Anm. 380); Od gotiky k renesanci (1999) Nr. 239, S. 490f. [Pavol Černý]; Poeck (2003) S. 291–294; Machilek (2006) S. 246–248.

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 225: 21v. Vereidigung des Rates.

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Abb. 225.