KdiH

KdiH

_ (der Unterstrich) ist Platzhalter für genau ein Zeichen.
% (das Prozentzeichen) ist Platzhalter für kein, ein oder mehr als ein Zeichen.

Ganz am Anfang und ganz am Ende der Sucheingabe sind die Platzhalterzeichen überflüssig.

ß · © ª º « » × æ œ Ç ç č š Ł ł ́ ̀ ̃ ̈ ̄ ̊ ̇ ̋ ͣ ͤ ͥ ͦ ͧ ͮ Α Β Γ Δ Ε Ζ Η Θ Ι Κ Λ Μ Ν Ξ Ο Π Ρ Σ Τ Υ Φ Χ Ψ Ω α β γ δ ε ζ η θ ι κ λ μ ν ξ ο π ρ σ ς τ υ φ χ ψ ω ͅ ̕ ̔

86.5.2. Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Cod. 3072*; Cod. 3073; Cod. 3074; Cod. 3075; Cod. 3076; Cod. 3077

Bearbeitet von Anja Eisenbeiß

KdiH-Band 9

Datierung:

5.1.1518.

Lokalisierung:

Freiburg im Breisgau.

Besitzgeschichte: Jakob Mennel übergab alle Bände 1518 in Kaufbeuren an Maximilian I. (Vorrede Cod. 3077***, Nr. 86.5.4., 1r–v: ... dieselben fürstlichen Cronickh mit yeren funff buechern yetz newlich zu Kouffbeuren ... E. Kay. Mt. vnnderthäniglich vberantwert die och Eu. Kays. Mt. alsdann gnedigklich emphangen ...). Nach dem Tod des Kaisers über Ferdinand I. und die Grazer Schlossbibliothek Kaiser Ferdinands II. im 17. Jahrhundert in die Wiener Hofbibliothek gelangt (am rechten Buchschnitt oben Grazer Signaturen: 75, 67, 69, 70, 71, 68, in den Bänden 1, 2, 4 und 5/1 zudem auf den ersten Blättern teils mehrfach Besitzvermerk der Bibliothek Ferdinands II. (alte Signaturen der Wiener Hofbibliothek: Hist. prof. 379–384).
Inhalt: Jakob Mennel, ›Fürstliche Chronik, genannt Kaiser Maximilians Geburtsspiegel‹
Cod. 3072* (Bd. 1)
1r–12r Vorrede Jakob Mennels
13r–14r Titel und Textbeginn (Do got der herr die welt beschueff, vnnd ain yethlich element ...)
14v–67r Erstes Buch: Agnatischer Stammbaum der Habsburger in 81 Generationen von Hektor von Troja bis Karl V.
Cod. 3073 (Bd. 2)
2r–254v Zweites Buch: Generationenfolge von Chlodwig bis Karl V.
Cod. 3074 (Bd. 3)
1r–179v Drittes Buch: Seitenlinien
Cod. 3075 (Bd. 4)
2r–192v Viertes Buch: Verschwägerte Geschlechter
Cod. 3076 (Bd. 5/1)
IIIr–145r Fünftes Buch, Teil 1: Selige des Hauses Habsburg (47 Legenden in genealogischer Ordnung)
Cod. 3077 (Bd. 5/2)
1r–490r Fünftes Buch, Teil 2: Heilige des Hauses Habsburg (123 Legenden in der Ordnung des Festkalenders des Kirchenjahres)
494r–496r Schlussrede Jakob Mennels
I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, Bd. 1: IV + 101, Bd. 2: III + 340 (nach 330 ein Blatt [330a] ausgelassen, nach 31, 104 jeweils ein Blatt ohne Textverlust herausgelöst), Bd. 3: IV + 227 (nach 110, 162, 181 jeweils ein Blatt ohne Textverlust herausgelöst, nach 151 Doppelblatt, 220 × 160 mm, mit moderner Zählung 151a–b und an dieser Stelle nicht passendem Text zu Albrecht von Habsburg eingeklebt), Bd. 4: III + 209, Bd. 5/1: III + 225 (190a, 196a ausgelassen), Bd. 5/2: IV + 498 Blätter (nach 139 drei Blätter, nach 271 ein Blatt, nach 272 zwei Blätter, nach 273 ein Blatt und 274–281, nach 295 ein Blatt, nach 429 zwei Blätter, nach 436c ein Blatt ohne Textverlust herausgelöst, 285a, 436a–436l nachträglich eingebunden, 491r zwei Zettel mit Wappenskizzen und Text von anderer Hand aufgeklebt), Bde. 1–3: 302 × 210 mm, Bd. 4: 314 × 215 mm, Bd. 5/1: 304 × 213 mm, Bd. 5/2: 304 × 210 mm, Kanzleikursive, zwei Hauptschreiber und weitere Hände (zur Unterscheidung Menhardt 2 [1961] S. 862–866), einspaltig, Bd. 1: 19–25 Zeilen, Bd. 2: 19–28 Zeilen, Bd. 3: 19–26 Zeilen, Bd. 4: 20–26 Zeilen, Bd. 5/1: 18–24 Zeilen, Bd. 5/2: 20–27 Zeilen, zahlreiche Ausstreichungen, Korrekturen, Ergänzungen und eingeklebte Korrekturzettel, teils von Jakob Mennel, teils von Gregor Reisch, Prior der Freiburger Kartause, der die Bände jeweils am Text-, bei Bd. 1 auch am Bandende durch seine Subskription beglaubigt (Bd. 5/1 nach der Subskription [144v] ein Wappenbaum ergänzt), datiert in Mennels Schlussrede Bd. 5/2, 496r: datum Freyburg an der heyligen drey kinig abent als man von der geburt Cristi zelet tusent funffhundert vnnd achZehenn Iar, Kapitelüberschriften in Fraktur, erste Buchstaben am Absatzbeginn größer.

Schreibsprache:

oberdeutsch mit alemannischer Einfärbung.

II. Bildausstattung:

276 Wasser- und Deckfarbenminiaturen, davon 39 in Bd. 1 (IVr, 44r–62v), 14 in Bd. 2 (1r, 2v, 26r, 35r, 39r, 45v, 56v, 63r, 71v, 78r, 89v, 111v, 112r, 241v), 26 in Bd. 3 (IVr, 1v, 5v, 9r, 14r, 17r, 46v, 63r, 63v, 64r, 65r, 70v, 84r, 102v, 118v, 134v, 135r, 135v, 144r, 153r, 158r, 161v, 162r, 162v, 167v, 176r), 25 in Bd. 4 (1r, 12v–13r, 32v–33r, 57v, 69v, 76v, 85r, 94v, 101v, 108v, 115v–118v, 157v, 162v, 166v, 175v, 184v), 48 in Bd. 5/1 (IIr, 1r, 7v, 16r, 20r, 21r, 22v, 23v, 25v, 29v, 31v, 33r, 34v, 36r, 40v, 41v, 42v, 44r, 54v, 58v, 59v, 60v, 62v, 64v, 66v, 69v, 70v, 74v, 76v, 79r, 82r, 84r, 92r, 112v, 121r, 123v, 126r, 128r, 129v, 130v, 132r, 135r, 136v, 137v, 139v, 142r, 143v, 145r), 124 in Bd. 5/2 (IVr, 2r, 6r, 8r, 11r, 12v, 19r, 20v, 22v, 26r, 34v, 37r, 40r, 41v, 45v, 47v, 50r, 54v, 64v, 66v, 67v, 71r, 74r, 77r, 80v, 83r, 89r, 91v, 94v, 102r, 104v, 107r, 113r, 115r, 127r, 129r, 133r, 137v, 146v, 149v, 150v, 152r, 153v, 165v, 168v, 172v, 178r, 180v, 182r, 186r, 193r, 195v, 197r, 204v, 206r, 208v, 211v, 216v, 230r, 234v, 237v, 239r, 252r, 255v, 264v, 267v, 269r, 270v, 273v, 283v, 285r, 286r, 292r, 293v, 296v, 305r, 313v, 317r, 318r, 320v, 322r, 328v, 330r, 331v, 335r, 339r, 341v, 344v, 346r, 350r, 354r, 357r, 360v, 367v, 371r, 374v, 376v, 378v, 381v, 383v, 387r, 392v, 394r, 396v, 399v, 406v, 412r, 416r, 418v, 421r, 426v, 437r, 439v, 442r, 445v, 450r, 454r, 461v, 467v, 469r, 476v, 478r, 482r, 488v), Mennel-Meister.

Format und Anordnung:

Alle Bände eröffnen mit der Darstellung eines im Blattzentrum scheinbar mit einem Nagel fixierten Spiegels (Durchmesser ca. 160 mm), der ein jeweils anderes Wappen, das Signet des Mennel-Meisters aus gekreuztem Dreschflegel und Hirtenstab sowie die Jahreszahl 1518 zeigt. Die übrigen, überwiegend dreiviertel- bis ganzseitigen Miniaturen stehen als Eingangsbilder am Beginn einzelner Kapitel der Chronik. Eine Ausnahme bildet in Bd. 1 eine Folge von 39 ganzseitigen Kettenbildern, die mit den zwischen den Gliedern hängenden Medaillons das genealogische Argument der folgenden Bände vorbereiten. Am Anfang der Ketten (44r) im oberen Blattdrittel drei ungerahmte figürliche Darstellungen, auf sechs Seiten (44v, 46v, 47r, 47v, 48r, 60r) figürliche statt Textmedaillons, 47v an der linken Kette oben gerahmte Miniatur (66 × 73 mm), darunter zwei Wappen. In Bd. 2 ganzseitige, jeweils von einem Wappen bekrönte Stammbäume am Anfang der 13 Generationenfolgen, fortgesetzt in Bd. 3 mit 14 ganzseitigen Wappenbäumen, sieben ganzseitigen Stämmen mit daran aufgereihten Kronen, zwei davon von einem Wappen bekrönt (63r, 161v), sowie einem halbseitigen Kronenstamm mit Wappen (134v). Zum ersten und zweiten Teil von Bd. 4 doppelseitige Pfauendarstellungen mit Wappen (12v–13r, 32v–33r), die übrigen Teile durch jeweils andere Wappenkombinationen am Kapitelbeginn unterschieden: dreiviertelseitige Pfauenspiegel zum dritten Teil, halbseitige Spiegel zum vierten und halb- bis dreiviertelseitige Lerchenspiegel zum fünften Teil. Über den Miniaturen zwei- bis fünfzeilige Kapitelüberschriften, einzeilige Tituli oder – bei den Lerchenspiegeln – Nummerierung statt Text. In Bd. 5/1 und 5/2 jede Heiligenlegende von einem dreiviertelseitigen Wappenbaum mit figürlichem Medaillon am unteren Stammende eingeleitet, über den Bäumen zwei- bis sechszeilige Legendentitel, in Bd. 5/2 auch Monatsangaben des Heiligenkalenders.

Bildaufbau und -ausführung:

Summarisch angelegte Entwürfe auf vielen Blättern noch sichtbar (z. B. Bd. 5/1: 66v), darüber – oft abweichend – Zeichnung mit schwarzer Feder und Pinsel. Mit Wasserfarben, seltener Deckfarben, rasch koloriert. Figürliche Darstellungen nur in Bd. 1, 5/1 und 5/2, meist in Medaillons eingefügte Halbfigurenbildnisse im Dreiviertelprofil oder frontal, selten Körperdrehungen. Das Überschneiden des Medaillonrahmens, farbige Schatten, Schattierungen und die kontrastreiche Farbgebung lockern die sonst monotone Bildanlage auf. Wie bei den Miniaturen der ersten Redaktion des fünften Bandes der Chronik (Nr. 86.5.3.) interessieren sich die Maler für naturalistische Details. Blätter und Blüten der Wappenbäume sind musterbuchartig präzise wiedergegeben und erlauben es, die Baum- oder Pflanzenart zu bestimmen. Variationsfreude auch bei der Darstellung von Helmzieren und den darin sitzenden Tieren, Putten und Engeln. In Bd. 4, 5/1 und 5/2 zahlreiche Wappenfelder nicht gefüllt und Banderolen an den Stämmen nicht beschrieben.

Bildthemen:

In Bd. 1–4 dominieren genealogische Illustrationen und Wappenkombinationen. Die Kettenbilder in Bd. 1 schaffen eine visuelle Ordnungsform, die im Nebeneinander von goldener (linea hebreorum), eiserner (linea grecorum) und silberner Kette (linea latinorum) eine Zusammenschau der habsburgischen Genealogie von Hektor von Troja bis Karl V. in der Mitte – nur hier auch das Baummotiv – mit der Amtsgenealogie der Päpste links und derjenigen der Könige und Kaiser rechts erlaubt. Unter der Regentschaft Oktavians ist auf 47v als Teil der Papstlinie mit der Geburt Christi die einzige szenische Darstellung der Chronik eingefügt. Hervorzuheben sind ferner die doppelseitigen Pfauenbilder in Bd. 4 (12v–13r, 32v–33r), die die Ikonografie des Quaternionenadlers auf den habsburgischen Pfau übertragen. Das Pfauenmotiv, als Feder oder Pfauenauge, durchzieht auch die übrigen genealogischen Illustrationen. Die Reihe der in Bd. 5/1 und 5/2 vorgestellten Heiligen weicht von der Redaktion in Cod. 3070*–3070** (Nr. 86.5.3.) ab. Neu ist vor allem die dem Kirchenjahr folgende Anordnung der Legenden in der Art eines habsburgischen Heiligenkalenders in Bd. 5/2. Eine vollständige Liste der Legendenüberschriften bei Reinhardt (2002) S. 227f. (Bd. 5/1), S. 228–232 (Bd. 5/2) sowie S. 146–160 zum Vergleich der beiden Redaktionen.

Farben:

kräftiges Rot, Blau, Grün und Gelb, vor allem für die Wappen auch Schwarz, Weiß und verschiedene Grautöne, Braun und Grünbraun für die Wappenbäume.

Literatur:

Chmel 1 (1840) S. 1–4; Menhardt 2 (1961) S. 862–866; Unterkircher 4 (1976) S. 28. – Laschitzer 1 (1886) S. 74–76; Laschitzer (1888) S. 11–14; Maximilian I. 1459–1519 (1959) S. 57, Nr. 183–188; Maximilian I. (1969) S. 143, Nr. 530; Unterkircher (1983) S. 22–24, Taf. 24–28 (Bd. 1: 44r, 48r, Bd. 2: 39r, Bd. 3: 70v); Die Zähringer 2 (1986) S. 311, Nr. 272f., Abb. S. 310 (Bd. 2: 63r) [Dieter Mertens]; Mertens (1988); Irblich (1996) S. 142–148, Nr. 29 (Bd. 4), 30 (Bd. 5/1); Kathol (1998); Kathol (1999); Pollheimer (2006); Kellner/Webers (2007) Abb. S. 136 (Bd. 1: 62v); Zimmermann (2011); Kaiser Maximilian I. und die Kunst der Dürerzeit (2012) S. 165, Nr. 19 [Thomas Schauerte]; Theisen (2015b) S. 118, 121–123; Webers (2015) S. 78–229.

Abb. 35: Bd. 1, IVr. Wappenspiegel (Habsburger Löwe) mit Signet des Mennel-Meisters.

Abb. 36: Bd. 1, 46v. Sechste genealogische Kette, hebräische, griechische und lateinische Linie, hier mit Vertretern der Römischen Republik.

86.5.2._Abb._35.jpg
Abb. 35.
86.5.2._Abb._36.jpg
Abb. 36.