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39.6.3. Heidelberg, Universitätsbibliothek, Cod. Pal. germ. 126

Bearbeitet von Rainer Leng

KdiH-Band 4/2

Datierung:

1496 (1v).

Lokalisierung:

Heidelberg.

Besitzgeschichte:

Zunächst vermutlich im Privatbesitz Philipp Mönchs (40r autobiographische Notizen Mönchs? zum Tod des Vaters am 28.9.1477 und Hochzeit mit Konnigott am 2./11.2.1478 im Alter von 21 Jahren); wahrscheinlich unter Kurfürst Philipp von der Pfalz (1476–1508) in die Palatina gelangt, 1623–1816 in der Bibliotheca Apostolica Vaticana, dann Universitätsbibliothek Heidelberg.

Inhalt:
1v–44r Philipp Mönch, ›büch der stryt vnd buͦchßen‹
I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, 11 + 47 Blätter (je fünf leere und nicht foliierte moderne Vor- und Nachsatzblätter, erstes altes Blatt modern mit Blei gezählt 1*, dann alte Tintenfoliierung 1–43, nach 33 drei modern mit Blei 33a–c foliierte eingeklebte Blätter, 34 mit Tinte in 36 korrigiert, Ausschnitt eines größeren alten Blattes auf ein neues Nachsatzblatt aufgeklebt, modern mit Blei foliiert 44), 410 × 285 mm, beschrieben nur 1v Textura im Spruchband, 5r Beischrift sowie 33ar, 33cr und 40r Kursive (Autograph Philipp Mönch?).

Schreibsprache:

westmitteldeutsch mit oberdeutschen Formen.

II. Bildausstattung:

65 Seiten mit teilweise mehreren kolorierten Federzeichnungen (nur 33a, 33b/c nicht kolorierte Skizzen); Zeichner nach Hartlaub (siehe unten Literatur) S. 100 in großer Nähe zu München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 598 (siehe 2.1.6.), Frater Ulmannus, ›Buch der Heiligen Dreifaltigkeit‹ und sogar verglichen mit dem Hausbuchmeister (nach Vorlagen aus dem Hausbuchmeister-Kreis Wegener [1927] S. 99f.); nach; Frommberger-Weber (siehe unten Literatur) S. 123–125 steht das Titelbild in Verbindung mit dem Widmungsbild der ›Kinder von Limburg‹ des Johann von Soest in Cod. Pal. germ. 87 (Nr. 84.0.1.); zu unterscheiden sind der Illustrator des Titelbildes 1v von einem Zeichner (mit vorlagenbedingten Stilwechseln) bzw. von mehreren Zeichnern technischer Geräte, dazu weitere Hände in den nachträglich eingefügten Skizzen 33a–c, 44r und einem 33v aufgeklebten Zettel mit Darstellung eines Quadranten.

Format und Anordnung:

Wechselnde Größen von 90 × 200 mm großen Einzelzeichnungen bis doppelseitig 37v/38r und 42v/43r, durchgehend rahmenlos auf eigener Seite ohne Beischriften.

Bildaufbau und -ausführung:

Meist einfache Seitenansichten von Waffen und Geräten, nur selten leichte Neigung zur erhöhten Perspektive, ohne Hintergründe oder Rasengrund; szenische Ausgestaltung mit Architektur- oder Landschaftselementen nur 2r, 21r, 32v, 35r, 36r, 37v/38r, 42v/43r, 44r; relativ grobe und meist frei gezeichnete Federvorzeichnungen, teilweise mit Schraffuren oder gemaserten Hölzern, überwiegend flächig und nur wenig abschattierend koloriert; auffällig die Neigung zu Einzelzeichnungen sonst verborgener Mechanismen (insbesondere bei Gewindeschneckenantrieben).

Bildthemen:

2v schematische Zugordnung, 3rv Pulverstampfen, 4v–10r Hebezeug und Transportgerät; 10v Brücke, 11r Schöpfräder, 11v großer Rammbock, 12r–15v Hebetechnik, Kräne; 16r große von Pferden betriebene Geschützbohrmaschine; 17v mit Gewindeschnecke betriebener Aufzug für Glocken; 21r Gliederbrücke nach Vaturio/Hohenwang vor einer Stadtmauer; 22v–31r mit Darstellungen von Tarras- und Karrenbüchsen in verschiedener Lafettierung und Elevation (möglicherweise aus seinem Arbeitsalltag); 26v–28v Hebetechnik für Geschütze, einzelne Geschosse, Kugeln, Totenorgeln und Handrohre; 30v–31r Bliden, 31v–32v Steigzeug nach Valturio/Hohenwang, 33r aufblasbarer Schwimmgürtel (ähnlich, aber nicht genau übereinstimmend mit dem Eröffnungsbild der Formschneider-Hss. z. B. Cgm 356 [siehe 39.5.3.], S. 187), 33r nachträglich eingebundene Darstellung einer nur schematisch angedeuteten Blide (?) in Aufsicht mit zahlreichen erläuternden Beischriften (übereinstimmend mit derselben Zeichnung und denselben Beischriften in Weimar, Fol 328, 169r), 33v Büchsenschirm, darüber nachträglich aufgeklebte Zeichnung eines Quadranten. 34r Büchsenschirm mit Schanzkörben, 35r–38r Bildfolge Aufbau eines Belagerungsrings um eine Burg (38r im Heer der Belagerer bayerische Wappen, nach Steinmetz [siehe unten Literatur] Belagerung der Schauenburg bei Dossenheim durch Friedrich I. den Siegreichen), 38v–39r ortsfeste Lafette und Räderlafette in Einzelteilen und mit Zubehör, 39v Blocklafette und Zirkel, 42v–43r doppelseitige Abbildung zweier sich gegenüberstehender Heere in Schlachtordnung mit Artillerie, 44r Ansicht einer befestigten Stadt; entgegen Berg/Friedrich (1994) S. 178 ist die in Wien, Liechtenstein Museum, Bibliothek, Hs. 8 (olim Ms. 5-3-46 [siehe 39.6.7.]) befindliche Handschrift keine parallele Überlieferung, sondern nur in einigen Abbildungen vor allem der Feuerwaffen übereinstimmend, orientiert sich aber eher an Martin Merz (München, Cgm 599); Anklänge an die Handschriften von Formschneider und Martin Merz; nahezu vollständig eingegangen in Weimar, Fol 328 (siehe 39.8.3.) und Erlangen, Ms. B 26 (siehe 38.9.4.).

Farben:

Blau, Grau, Braun, Rot, Rosé, Grün.

Literatur:

Bartsch (1887) S. 33; Zimmermann (2003) S. 294f. – Jähns (1889) S. 271; Wegener (1927) S. 99f.; Gustav Friedrich Hartlaub: Signa Hermetis. Zeitschrift des deutschen Vereins für Kunstwissenschaft 4 (1937), S. 100; Erich von Kürzel-Runtscheiner: Der Kanonenbohrturm in Augsburg. Zeitschrift des historischen Vereins für Schwaben 54 (1941), S. 392, Abb. 26 (16r); Egg (1969) S. 122; Hall (1979) S. 125; Ulrike Frommberger-Weber: Spätgotische Buchmalerei in den Städten Speyer, Worms und Heidelberg (1440 – 1510). Ein Beitrag zur Malerei des nördlichen Oberrheingebietes im ausgehenden Mittelalter. Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 121 (1973), S. 123–125; Thomas Steinmetz: Eine Burgansicht aus dem Kriegsbuch des Philip Mönch von 1496 – Die Schauenburg bei Dossenheim? Der Odenwald. Zeitschrift des Breuberg-Bundes 29 (1982), S. 22–26; Volker Schmidtchen: Mönch, Philipp. In: 2VL 6 (1987), Sp. 656f.; Mittler/Werner (1986) S. 138. Abb. S. 139 (21r); Martina Backes: Das literarische Leben am kurpfälzischen Hof zu Heidelberg im 15. Jahrhundert. Tübingen 1992, S. 159 mit Anm. 176; Berg/Friedrich (1994) S. 175. 178; Leng (2002) Bd. 1, S. 255–257, Abb. Taf. 18 (1v, 40r). Taf. 19 (22v, 23r, 25v, 26r). Taf. 20 (2r, 42v/43r). Taf. 21 (35r, 36r, 37v/38r). Taf. 22 (19r, 20r, 38v, 32r), Bd. 2, S. 151–154; Leng (2004a) S. 99. 101, Abb. 3.8 (19r, 20r); Leng (2004b) S. 75f., Abb. 2 (1v); Leng/Hentschel (2009) passim, Abb. 1 (1v). Abb. 4 (3v). Abb. 5 (7r). Abb. 6 (2r). Abb. 7 (11r). Abb. 8 (33r). Abb. 9 (44r). Abb. 13 (40r). Abb. 14 (37v/38r). Abb. 23 (28r). Abb. 28 (27r). Abb. 29 (25r). Abb. 30 (25v). Abb. 31 (16v). Abb. 33 (22v). Abb. 34 (22v). Abb. 35 (28v). Abb. 36 (33v). Abb. 38 (25r). Abb. 39 (39r). Abb. 40 (32v). Abb. 44 (6v). Abb. 45 (8r). Abb. 46 (2r). Abb. 47 (8r). Abb. 48 (3v). Abb. 49 (8v). Abb. 50 (7v). Abb. 51 (14v). Abb. 53 (26v). Abb. 55 (34r). Abb. 64 (33var). Abb. 66 (16r). Abb. 68 (39r). Abb. 69 (29r). Abb. 72 (18r). Abb. 75 (20r). Abb. 80 (16v). Abb. 88 (21r). Abb. 95 (9v). Abb. 96 (14r). Abb. 97 (17r). Abb. 98 (15r). Abb. 99 (17v). Abb. 100 (14v). Abb. 101 (13v). Abb. 113 (3v). Abb. 123 (16r). Abb. 127 (24v). Abb. 128 (29v). Abb. 129 (26r). Abb. 137, 138 und 140 (25r). Abb. 142 (4r). Abb. 153 (17r).

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 106: 29r. Philipp Mönch, ›büch der stryt vnd bůchßen‹: Oben Mörser mit einstellbarer Elevation mit Gewindeschnecke, unten Mehrfachgeschütz.

Abb. 106.