KdiH

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38.8.3. Dresden, Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek, Mscr.Dresd.C.93/94

Bearbeitet von Rainer Leng

KdiH-Band 4/2

Datierung:

Nach 1542 (Bd. 2 196r Wie aber die bemellte Sannct Leonharts Kirch Anno 1542 von dem Rathe zu Augspurg abgebrochen).

Lokalisierung:

Augsburg.

Besitzgeschichte:

Hergestellt im Auftrag Paulus Hector Mairs (Bd. 1 16r, Bd. 2 328r) vermutlich für den sächsischen Kurfürsten August (1533–1586), jedenfalls verzeichnet im Bibliothekskatalog Augusts aus dem Jahr 1580 (Dresden, Landesbibliothek, Mscr. I Ba vol. 21, 55r: Erste teil des kunstlichenn fechtbuchs – 4, Das annder teil desselbenn 5), weiterhin verzeichnet im Catalogus manuscriptorum Bibliothecae electoralis von Car. Aug. Schereuck von 1755; das Wappen Bd. 2 238r ist nicht als Empfängerwappen anzusprechen, sondern stellt Mairs eigenes Wappen dar (Siebmacher [1856 ff.] Bg. V,6, 72, Taf. 75 f.).

Inhalt:
Bd. 1 (C 93)
1r Titel ›Der Erst Tail diß Fechtbuch‹
1. 2r–16r Paulus Hector Mair, Praefatio in Athleticam, dt.

›Vorred. Es were wol recht vnnd billich Vnnd hette mich auch fuer guet vnnd Ratsam angesehen, Das ich dises Ritterlich Lernbuch‹

2. 16v–18r Register über das ganze Buch
3. 18v–19v Paulus Hector Mair, Adhortatio

›Ermanung vnd Erzelung ainnes Fechters gemuet vnnd mit was aigenschafft er sein soll etc. folgt hernach. Wer sich Inn die Ritterliche kunstr der Fechterey begeben will‹

4. 20r–81v Bloßfechten mit dem langen Schwert, mit Abbildungen

20r–21v Register zum Langen Schwert 22r ›Der Zorenhaw gögen dem Ort. Item schickh dich Allso Mit dem Zorenhaw‹

5. 82r–113r Johannes Liechtenauer, ›Kunst des langen Schwerts‹, Bearbeitung ohne Abbildungen

82r Titel ›Das Buch so noch zum langen Schwert gehort‹ 83rv Register 84r ›Junng Ritter Leren Gott lieb habenn Frawen vnd Junckhfrawen Ern‹

6. 114r–135v Fechten mit dem Dussack, mit Abbildungen

114r Titel ›Die stend Im Duseggen‹ 115rv Register 116r ›Der Zornhaw gögen dem schattler. Item wann du mit zufechten In dem mann geest‹

7. 136r–180v Fechten mit dem Dussack, Text ohne Abbildungen

136r Titel ›Das Buch zum Duseggen gehorig‹ 137rv Register 138r ›Der Zetel des Duseggen Fechtens. Ob du Nimpst acht / das duseggen fechten recht betracht‹

8. 181r–191v Fechten mit der Stange, mit Abbildungen

181r Titel ›Die Stend Im Stenglin‹ 182r Register 183r ›Die ersten zway obern anpinden von der Rechten seitten. Item schick dich also‹

9. 192r–199v Fechten mit dem langen Spieß

192r Titel ›Die Stend Im langen spieß‹ 193r Register ›Die ersten zway anpinden vonn der Linnckhen seyten mit der schwech vnd sterckh. Item schickh dich also‹

10. 200r–211v Fechten mit der Hellebarde, mit Abbildungen

200r Titel ›Die stend In der Hellenparten‹ 201r Register 202r ›Die ersten zwen oberhew Inn der Hellenparten Vonn der linckhen seiten. Item schickh disem Stuckh dich also‹

11. 212r–218v Fechten mit der Sense, mit Abbildungen

212r Titel ›Die Stend In der Seges Trischel Baurnstangen vnd wor wieder wor‹ 213rv Register 214r ›Zwen ober schnit In des seges. Item schickh dich also‹

12. 219r–222v Fechten mit dem Dreschflegel, mit Abbildungen

›Zwen oberschleg Inn der Treischel. Item schickh dich also In Dises stuckh‹

13. 223r–226v Fechten mit der Keule, mit Abbildungen

›Zwen ober schleg Inn der Baurenstanngen. Item schickh dich also Inn Dises stuckh‹

14. 227r–232v Fechten mit ungleichen Waffen, mit Abbildungen

›Das schefftlin gogen dem schwert. Item schickh dich also In Dises stuckh‹

15. 233r–242v Fechten mit der Sichel, mit Abbildungen

233r Titel ›Die Stend Inn der Sichel‹ 234r Register 235r ›Ein ober schnitt In der Sichel von baiden seitten. Item schickh dich also In Disem stuckh‹

Bd. 2 (C 94)
1. 1r–24v Fechten mit dem Dolch, mit Abbildungen

1r Titel ›Die Stend In Dolchen‹ 2rv Register 3r ›Der erst anpund Im Dolchen. Item schickh Dich Inn dem zufechten‹

2. 25r–55v Fechten mit dem Dolch, ohne Abbildungen

25r Titel ›Das Buch so noch zu den stenden des Dolch gehort‹ 26rv Register 27r ›Ain leer des dolchen fechtens. Es ist furnemblich acht zu haben alle stich dermassen Zu erfaren‹

3. 56r–111v Ringen, mit Abbildungen

56r Titel ›Die Stend Im Ringen‹ 57r–58r Register 59r ›Der erst zuganng Im Ringen. Item hallt dich Allso Inn disem zuganng‹

4. 112r–136v Meister Ott, Ringkunst, ohne Abbildungen

112r Titel ›Das Buch so zun Stenden des Ringens gehort‹ 113r Register 114r ›Nachuolgt ain bericht so auf die vorbemeldten Rinngen gehoren ausserhalb des Kampfs. Die Rinngen. Item Inn allen Rinngen sollen sein drey dinng, das erst Kunnst das annder schnelligkait das drit ist recht anlegunng der sterckh‹

5. 137r–161v Fechten mit dem Rapier, mit Abbildungen

137r Titel ›Die Stend Im Rapir‹ 138rv Register 139r ›Einn oberer stich gogen ainem vndern Inn dem Rapir. Item schickh dich also Inn dises stuckh‹

6. 162r–171v Fechten mit dem Luzerner Hammer

162r Titel ›Die Stend In der Mordaxt‹ 163r Register 164r ›Ein abnemen In der Mordagst gögen ainem Mordschlag. Item schickh dich also In dises stuckh‹

7. 172r–181v Kampf im vollen Harnisch mit Lanze, Schwert, Stechschild, einschließlich Halten und Töten, mit Abbildungen

172r Titel ›Der Kampf Inn dem Spieß vnnd der schneidenden Tartschen‹ 173r Register 174r ›Einn stich gogen ainem absetzen. Item schickh dich also Inn dises stuckh‹

8. 182r–199v Kampfordnung zu Fuß und zu Pferd, Gericht und Kampf zu München 1370 und Augsburg 1409, mit Abbildungen

182r Titel ›die Vorred Im Notkampf zu Roß vnd zu fueß wie mans hallten soll auch wem das Kaiserlich Recht dz Kempffen zulasst‹ 183r ›Vorred In Nottkampff zu Roß vnnd fuoß. Wiewol im einganng dises Buochs‹

9. 200r–241v Jörg Wilhalm, Fechtbuch, bearbeitet von Paulus Hector Mair, mit Abbildungen

200r Titel ›Der Kampf Im Harnasch zu fueß‹ 201r–202r Register 203r Titelbild Einführung des unter einem Mantel verdeckten Kämpfers mit Spruchband ›Herr du ewige waaheit Hilff hie der Gerechtigkeit Vnd dort der Seel ewigclich‹ 203v ›Wie die zwen den Kampff anfahen. Allso kumen die zwen gewapnet In die Schrancken‹

10. 242r–266r Martin Hundfeld, Fechten mit dem kurzen Schwert, ohne Abbildungen

242r Titel ›Das Buch so noch zu dem Kampf zu Fuß gehort‹ 243rv Register 244r ›Die Kampffstuckh Zu fuoß Imm Schwert. Item nimb das schwert bey Der rechten hannd Bey dem pind‹

11. 267r–297v Jörg Wilhalm, Fechtbuch, Teilbearbeitung Mairs: Kampf zu Pferd im Harnisch gegen verschiedene Kämpfer zu Fuß, mit dem Pferd, gewappnet oder ungewappnet mit verschiedenen Waffen, mit Abbildungen

267r Titel ›Der Kampf zu Roß mit seinen stücken‹ 268rv Register 269r ›Ainn fueßgeender mit seinnem Lanngen spieß gogen ainem Raysigen der ainnen schurtzer braucht. Item schickh dich also‹

12. 298r–327r Roßfechten im Harnisch, ohne Abbildungen

298r Titel ›Die geschrift so noch zu dem Kampf zu Roß gehort‹ 299r– 300r Register 301r ›Die kampffstuckh zu Roß. Jagen von der Prust Zu seinner Rechten seitten‹

13. 328r Schlußwort Mairs, Wappen mit szeptertragendem Greif, Helmzier gekrönter Mohr zwischen federbesetzten Puffhörnern

›Hiemit sollem diese zway Kunst Fechtbücher so durch mich Paulsen Hector Mair Burger zu Augspurg‹

I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, Bd. 1 242 Blätter, Bd. 2 328 Blätter (in beiden Bänden neuere Foliierung, für die einzelnen Abschnitte häufig noch jeweils mit eins einsetzende ältere Tintenfoliierung zu erkennen, teilweise durch Beschnitt beseitigt), 408 × 274 mm, Textura und kalligraphische Textualis von einer Hand (nicht übereinstimmend mit Wien, Cod. 10825/10826 [38.8.4.]), einspaltig (zweispaltig nur die Register und Bd. 2 241v), Schriftseiten mit maximal 35 Zeilen, sonst Bildtitel und 10–14zeilige Bildunterschriften, durchgehend große Initialen mit floralem Schmuck in Federzeichnung, in Textura abgesetzte Satzanfänge, nicht rubriziert.

Schreibsprache:

bairisch.

II. Bildausstattung:

Bd. 1 264 und Bd. 2 377 aquarellierte Federzeichnungen; sämtliche Federzeichnungen von Jörg Breu d. J. (Zuschreibung Thieme/Becker [1907] IV, S. 597; Röttinger [1909/10] S. 77–79).

Format und Anordnung:

Kämpferpaare in beiden Bänden durchgehend im 185 × 245–250 mm hohen dreilinigem Kastenrahmen in der oberen Bildhälfte unter einer 1–2zeiligen Überschrift und mit Beschreibung der Techniken darunter, Bd. 1 194r–199v und Bd. 2 268r–270v Ausfalttafeln mit Illustrationen in 185 × 475 mm großen Kastenrahmen, Bd. 2 187v/188r, 191v/192r, 194v/195r doppelseitige Turnierszenen über die ganze Seitenbreite und -höhe, Bd. 2 203r ganzseitige Zeichnung mit zweizeiliger Bildunterschrift, für sämtliche Abschnitte mit 1 beginnenden eigene Numerierung der Zeichnungen, Bd. 2 194r, 196r, 199rv ein bis vier in den Text integrierte 65–85 × 50–80 mm große Wappenschilde.

Bildaufbau und -ausführung:

Kämpferpaare mit dünnem präzisen Federstrich, dynamische Posen, feine Zeichnungen von Gesichtern und Haartracht, sämtliche Kämpfer agieren vor einfacher Horizontlinie mit Schattenwurf, nur selten einfache Bretter angedeutet, Kämpferpaare teils mit feinstem Malgold und -silber; Bd. 2 187v/188r, 191v/192r, 194v/195r und 203r Szenen im Schmuckrahmen mit Zierwaffen.

Bildthemen:

Insgesamt enge Übereinstimmung der Kämpferpaare mit Wien, Cod. 10825/26 (38.8.4.), lediglich leichte Änderungen in Reihenfolge und Umfang (hier fehlt der Auszug aus Rüxners Turnierbuch); Verwendung derselben Vorlagen: Augsburg, Cod. I.6.2°4 (38.8.2.), ›Gladiatoria‹-Gruppe, bes. Kraków, Ms. germ. quart. 16 (38.2.2.), eventuell vermittelt durch die Handschriften Jörg Wilhalm, bes. Augsburg, Cod. I.6.4°5 (38.7.3.) und Cod. I.6.2°3 (38.7.2.) aus dem Besitz Mairs.

Farben:

Blau, Braun, Gelb, Grau, Orange, Rosa, Rot, Schwarz, Violett, Malgold und -silber.

Literatur:

Franz Schnorr von Carolsfeld: Katalog der Handschriften der Königlichen Öffentlichen Bibliothek zu Dresden. 1. Abtheilungen A–D und F–H. Leipzig 1882, S. 201 – Schmidt (1882) S. 201; Hergsell (1896) S. 411–445, Abb. Tafel XLIV (ohne Angabe). Tafel XLV (67r); Röttinger (1909/10) S. 77–79; Roth (1917) S. CXLI–CXLIII; Wierschin (1965) S. 15 (Nr. 4b); Hils (1985a) S. 50–54. 200; Hils (1985b) Sp. 815; Hils (1985d) Sp. 641.

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 48: Bd. 1, 214r. Paulus Hector Mair, Fechtbuch: Fechten mit der Sense.

Abb. 49: Bd. 1, 236r. Paulus Hector Mair, Fechtbuch: Fechten mit der Sichel.

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Abb. 48.
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Abb. 49.