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KdiH

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38.8.1. Augsburg, Stadtarchiv, Reichsstadt, Schätze 82

Bearbeitet von Rainer Leng

KdiH-Band 4/2

Datierung:

1553 (107v).

Lokalisierung:

Augsburg.

Besitzgeschichte:

Hergestellt im Auftrag Paulus Hector Mairs nach einer 1552 von ihm erworbenen Vorlage des Nürnberger Schwertfegermeisters Anthonius Rast (nicht erhalten) 2r: Nachuolgt des Maister Anthony Rasts Schwertfegers von Nurmberg ain Maister des langen schwerts seiner kunsten des fechtenns zu fuess vnd Ross so er hinder im gelassen hat, so Ich hab lassen abschreiben vnd alle stuck abmalen wie es Inn seinen bücheren gestanden ist, also Stat es hier innen von wort vnd von stuck zu stuck allda er Ist Im 1549 Jar gestorben vnnd Ist vber 70 Jar alt worden, vnd Im 1552 Jar am 17 December hab Ichs Paulus Hector Mair vberkomen vnnd lassen abmachen wie gemalt stet. Bedennckh denn anfanng Recht thann vnuersucht Ist vnnerfaren. p. h. m.; nach Mairs Hinrichtung 1579 und dem Einzug seines Besitzes durch den Augsburger Rat (ADB 20, S. 121) vermutlich nicht wie die anderen verkauft (Roth [1917] S. XLVIII), sondern in städtischem Besitz verblieben.

Inhalt:
1. 1rv Paulus Hector Mair, Adhortatio

›Ermanung vnnd erzelung aines Fechters gemieth vnnd mit was aigenschafft Er sein sol. Wer sich inn die Ritherliche kunst der fechteri begeben wil

2. 2v–3r Register
3. 4r–23v Johannes Liechtenauer, ›Kunst des langen Schwerts‹, ohne Abbildungen

›Hie hebt sich an die zettel dar Inn geschriben ist die Ritterlich kunst des vechtens, die hat gemacht Johannes Littenawer, der ein hocher Maister in den künsten gewesen ist‹

4. 24r–83v Antonius Rast, Fechtbuch, in der Bearbeitung Mairs, mit Abbildungen

24r–35v Ringkunst

›Item so du mit ainem Ringest in langen armen so gedennck das dein rechter arm‹

36r–43v Bloßfechten zu Fuß mit dem Dolch

›Item halt dich ainer bey dem Goldir vnnd Sticht dir nach dem angesicht‹

44r–47v Bloßfechten zu Fuß mit dem langen Messer (von Mair fälschlich annotiert 5 stendt Im dussack)

›Item hawt dir ainer zu mit einem Messer nach dem Kopff‹

48r–59v Bloßfechten zu Fuß mit dem langen Schwert

›Item vichst du mit ainem in dem langen Schwert‹

60r–67v Kampf zu Fuß im Harnisch mit dem langen Schwert

›Item steet ainer gegen dir in dem kurtzen Schwert zu gewapjneter Hand‹

68r–71v Bloßfechten zu Fuß mit der Stange

›Item pindestu ainem mit der Stangen So bleib väst steen‹

72r–83v Kampf Gewappneter zu Pferd mit Lanzen, Schwertern, Dolchen, einschließlich Ringen

›Item Reit ainer auff dich mit ainem Spieß So senckh deinen Spieß‹

4. 84r–100r Anonymus, Bißbuch, mit Abbildungen

›Das piß ist für ein pferd dem wehe Im Maul ist vnd zäumt sich dennocht wol‹

5. 101r–107v Meister Albrant, ›Roßarznei‹
6. 109v/110r Gewappneter Kreuzritter auf Pferd, auf einem Sockel stehend, mit Beischrift ›Hie hat der frum bemat Cristenlich kinig die gestalt …‹
I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, I + 110 + I Blätter (von moderner Hand mit Blei foliiert, ältere Zählungen 4–23 von der Hand des Schreibers foliiert 1–20, von 24r–108r von der Hand des Schreibers paginiert 1–162), 310 × 210 mm, Kursive von der Hand Mairs 1rv, 2r, 107v und in zahlreichen weiteren Randnoten zum Text, Haupthand 2r–107v kalligraphische Bastarda mit kursiven Elementen, Beischrift 109v in Bastarda von einer weiteren Hand, 4r–23v einspaltig mit 32 Zeilen, sonst einspaltig mit 1–8zeiligen Bildunterschriften; keine Initialen und Lombarden, nur 4r–23v rote Zwischenüberschriften und rot abgehobene Hinweise auf Text und Glosa.

Schreibsprache:

bairisch.

II. Bildausstattung:

Im Fechtbuchteil 24r–83v 120 aquarellierte Federzeichnungen, dazu 84r– 100r 33 weitere nur blau kolorierte Federzeichnungen und eine doppelseitige Abbildung 109v/110r, sämtlich von der Hand Mairs für jeden Abschnitt mit laufenden Nummern versehen, mit Ausnahme von 109v/110r alle Zeichnungen von der Hand des laut Mairs eigenhändiger Notiz 110v von ihm beauftragten Malers Heinrich Vogtherr d. J. (1513–1568, vgl. Thieme/Becker [1907] XXXIV, S. 504–507): Vollenndt vnnd vonn vogthern gemalt zu enndt am 14 tagen des manats Janarj des 1553 Jar. Bedennkck denn anfang vnnd des enndt Recht thann vnuersucht ist vnnerfaren. p. h. m.

Format und Anordnung:

24r–83v weniger als halbseitige, ca. 150–170 mm hohe Abbildungen in der oberen Seitenhälfte ohne Rahmen oder Linien, Text jeweils mit unmittelbarem Bildbezug darunter (z. B. als da gemalet steet), 84r–100r jeweils 210–230 mm hohe Zeichnungen in der Seitenmitte mit 2–4zeiligen Beischriften mitten in der Zeichnung, 109v/110r doppelseitig mit 300 mm großer Figur; 26r, 56v, 57v, 60v, 77r, 81v auf ca 120–150 × 210 mm großen Papierstücken aufgeklebte Illustrationen (über mißlungene Stücke?).

Bildaufbau und -ausführung:

24r–83v einfache, umrißartige Zeichnungen stereotyper Kämpferpaare, detailarm und ohne Schraffuren, dennoch wohlproportioniert und dynamisch, frei im Raum stehend ohne Rasengrund oder Schattenwurf, keinerlei Hintergründe oder Szenen, Kämpferpaare individualisiert durch die in den einzelnen Blöcken durchgehend einheitliche Kolorierung der Figuren; Kolorierung in kräftigen und schattierend aufgetragenen Farben, abgesehen von Haut- und Haarpartien bzw. Rüstungen ist dabei in Kleidung oder Waffenrock (mit Ausnahme 60r–67v) der linke Kämpfer rotbraun, der rechte violett koloriert.

Bildthemen:

Für die diversen Fechtszenen 24r–83v nennt Paulus Hector Mair selbst eine (heute verlorene) Vorlage eines Nürnberger Meisters Anthonius Rast, dessen Vorlagen nicht präzise auszumachen sind, für einige Teile existieren entfernte Ähnlichkeiten mit Talhoffer, Kal und der ›Gladiatoria‹, jedoch ohne unmittelbare Benutzung von Texten und Bildern; 84r–100r diverse Pferdetrensen ohne Zaumzeug aus verschiedenen metallenen Bestandteilen.

Farben:

Braun, Rotbraun, Grau, Blau, Rot, Violett.

Literatur:

Roth (1917) S. LVII. CXLIII f.; Hils (1985a) S. 24 f. (Nr. 1). 190 f.

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 44: 36r. Antonius Rast, Fecht¬buch, in der Bearbeitung Mairs: Bloßfechten zu Fuß mit dem Dolch.

Abb. 45: 48r. Antonius Rast, Fechtbuch, in der Bearbeitung Mairs: Bloßfechten zu Fuß mit dem langen Schwert.

Abb. 44.
Abb. 45.