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KdiH

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26A.2.4. Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4º Cod Aug 1

Bearbeitet von Norbert H. Ott

KdiH-Band 3

Datierung:

Um 1480 (Teil 2 datiert 1480).

Lokalisierung:

Augsburg.

Besitzgeschichte:

Vielleicht in St. Ulrich und Afra entstanden, 9r Besitzvermerk Monasterii S. Udalrici / Aug e X 169.

Inhalt:
1. 1r–263r Sigismund Meisterlin, ›Augsburger Chronik‹, deutsch
1r–5v Register, 9r–263r Text
2. 263v Lobgedicht auf die Stadt Augsburg, deutsch
O cristi dir sey lob vnnd er / In der küngclichen statt augspurg vil her ... – ... Vnder Octauianus / kam die statt an das reich alsus
3. 263v–278r Augsburger Bischofskatalog von Dionysius bis Friedrich von Zollern, deutsch
4. 284r–357r (S. 1–147) Anonyme Augsburger Chronik von 1368–1406, deutsch
Edition: Frensdorf (1865/1965) S. 21–110
I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, III + 358 Blätter (bis 283 foliiert, Text 4 paginiert 1–147; Iv–IIIv, 6r–8r, 12r, 16r, 29r, 35r, 39r, 52r, 103r, 179r, 278v–283r, 357v, 358v leer), 205 × 145 mm, Bastarda, drei Hände (I: 1r–262v, II: 263r–277v, III: 284r–357r [S. 1–147]), einspaltig, 264r–277v zweispaltig; Hand I: 20 Zeilen, keine Rubrizierung, zwei- bis vierzeilige rote Lombarden; Hand II: Seiten nur unvollständig beschrieben, rote Strichelung; Hand III: 21–23 Zeilen, rote Strichelung, vereinzelt zweizeilige rote Lombarden; 284r (S. 1) zum Textbeginn dreizeilige Fleuronnée-Initiale.

Schreibsprache:

ostschwäbisch.

II. Bildausstattung:

46 kolorierte Federzeichnungen zu Text 1 (8v, 12v, 16v, 20v, 23v, 29v, 35v, 39v, 44v, 47v, 52v, 57v, 61v, 66r, 70r, 75r, 79r, 85r, 91v, 99v, 103v, 111r, 115v, 126r, 133r, 138v, 144r, 149r, 155v, 162v, 168v, 175r, 179v, 184r, 191r, 197r, 202v, 208r, 213r, 217r, 222v, 226v, 233r, 245v, 250r, 255r), 29 zu Text 3 (264r, 264v, 265r, 265v, 266r, 266v, 267r, 267v, 268r, 268v, 269r, 269v, 270r, 270v, 271r, 271v, 272r, 272v, 273r, 273v, 274r, 274v, 275r, 275v, 276r, 276v, 277r, 277v, 278r), eine zu Text 4 (283v), ein Schlußbild ohne Textbezug (358r [S. 149]), zwei Hände (nur 283v von einer zweiten Hand).

Eine achtzeilige Deckfarbeninitiale mit Rankenwerk um den gesamten Schriftspiegel zum Textbeginn der Meisterlin-Chronik 9r: Quadratischer Kastenrahmen, darin auf Goldgrund ein zweifarbiges W, sehr regelmäßig kreisförmig eingerollte Blatt- und Blütenranken in Camaieu, am linken Rand um einen aus der unteren Ranke wachsenden Stab gewunden, Goldpunkte.

Format und Anordnung:

Die bis auf zwei (47v: quadratisch, ca. ¾ Texthöhe, darüber fünf Zeilen Text; 149r: querrechteckig, ca. ⅗ Texthöhe, darüber sieben Zeilen Text) ganzseitigen Illustrationen der Meisterlin-Chronik sind schriftspiegelgroß und von doppelter, an der Innenkante in blassen Farben lavierter Federlinie gerahmt. Sie stehen stets vor den auf der Folgeseite beginnenden Kapiteln, nach dem vorausgehenden Kapitel zuweilen eine Leerseite (7v, 12r, 16r, 29r, 35r, 39r, 103r, 179r).

Die Doppelbilder des Bischofskatalog querformatig, schriftspiegelbreit, ca. ½ des Spiegels hoch, stets am Kopf der Seite, darunter über dem zweispaltigen, ca. vier Zeilen langen Text in Rot Zählung der Bischöfe. Die Zeichnung zur anonymen Augsburger Chronik ungerahmt, bis an die Blattränder reichend.

Bildaufbau und -ausführung:

Meisterlin-Chronik: Die auf Fernsicht angelegte Bildkomposition der älteren Handschriften in Stuttgart (26A.2.9.) und München (26A.2.7.) verengt sich durchgängig auf Nahsicht und wird auf unmittelbare Handlung fokussiert, die nun nicht mehr innerhalb eines weiten Landschaftsraums stattfindet, sondern ausschnitthaft in den Vordergrund geholt wird. Vor allem Architekturen werden dabei meist durch den Bildrahmen angeschnitten: Wie durch einen Guckkasten schaut der Bildbetrachter auf die dargestellte Szene, die entweder in Innenräumen, zwischen engen, maßstäblich zu kleinen Architekturkulissen, oder in Landschaften von geringer Raumtiefe mit runden Hügelketten und Städteansichten unter flachem Himmel spielen. Zahlreiche figurenreiche, dicht gedrängte Kampfdarstellungen mit gekrümmten, z. T. grotesk verdrehten Körpern und häufig den Kopf nach rückwärts wendenden Pferden.

Durchgezogene, kräftige Umrißlinien, in den Schattenpartien der Gewandfalten kurze Parallelschraffen und wenige Kreuzlagen in dünnerer Feder; Schatten auf Gebäuden und Gegenständen durch diagonale Schraffen und lavierte Farbflächen angedeutet; Modellierung hauptsächlich durch den Kontrast von Farbstreifen und freistehendem Papiergrund erzielt. Betont eckiger, steifer Faltenbruch aus Haken und Zackenlinien. Die stämmigen, meist in weite Gewänder gehüllte, Kopftücher und Hauben tragenden oder mit detailliert gezeichneten Rüstungen bekleideten Figuren haben große, runde Köpfe mit breiten Gesichtern, mitunter spitzem Kinn und langer, spitzer Nase. Charakteristisch sind die seltsam »blicklosen« Knopfaugen, die aus gekrümmten Häkchen, an deren Unterkante ein kräftiger, schwarzer Punkt »hängt«, konstruiert sind. Anatomisch sicher gezeichnete Hände, oft in beredter Gestik. Trotz der mitunter manirierten Körperhaltungen wirken auch die Kampfszenen auf Grund der sehr akkuraten Zeichentechnik eher streng gebaut, mitunter »recht hölzern und nüchtern« (Lehmann-Haupt [1929] S. 160) und wie in der Bewegung eingefroren.

Bischofskatalog: In gemeinsamem Rahmen aus doppelten Federlinien, innen links und oben mit farbigem Pinselstreifen versehen, je zwei leicht einander zugewandte Bischöfe als Halbfiguren mit Mitra und Stab im Zeige- oder Redegestus vor durch waagrechten Farbstreifen angedeutetem Himmel. Auf dem Rahmen unten ihre einander zugeneigten Wappen.

Die Titelillustration zur anonymen Augsburger Chronik (283v) von anderer Hand: Ungerahmte, bis an die Blattränder reichende Zeichnung in lockerer, skizzenhafter, jedoch höchst souverän geführter Feder; mehrfach ansetzende Umrißlinien, sehr sparsame Schraffierung nur in wenigen Schattenpartien, Boden durch an- und abschwellende, horizontale Parallelschraffen gebildet. Viel freistehender Papiergrund, sparsame, modellierende Lavierung der Figuren mit Pinsellinien in Hellblau, Blaßrot und warmen Grün, lediglich das Dach des Gebäudes hinten flächig in hellem Ziegelrot koloriert. Langgestreckte, schlanke Figuren mit runden Köpfen und überlangen Beinen. Die Wappenhalterin 358r möglicherweise von einer dritten, der ersten sehr ähnlichen Hand.

Bildthemen:

Zur Meisterlin-Chronik s. Bildtabelle der Einleitung zur Untergruppe 26A.2. Die Handschrift erweitert wie der Codex discissus (26A.2.5.), dem sie sehr wahrscheinlich als Vorlage diente, den Bilderzyklus der übrigen Codices beträchtlich. Einige dieser Plusbilder, vor allem zu Buch I, haben wenig spezifischen Textbezug, so z. B. die Städte- und Landschaftsansichten 16v, 20v, 35v, andere nehmen gängige biblische Ikonographie auf (Arche Noah 44v, Geburt Christi 162v), zahlreiche weitere sind deutlich aus Kompositionen der Grundfolge abgeleitet, die sie variierend wiederholen, so die Reitergruppen vor Stadttoren (8r, 79r, 91v, 133r, 179v, 202v), den Bau einer Stadt (Bau Augsburgs [52v] in allen Handschriften, daraus abgeleitet die Gründung Triers oder Kölns 29v, der Wiederaufbau Augsburgs 66r und der Ausbau Roms 99v) und das Begräbnis des hl. Ulrich 213r, das dem Bildtyp der in allen Handschriften dargestellten Erhebung Ulrichs (250r) folgt, der auch das Modell zum Begräbnis der hl. Afra (191r) lieferte. Die Amazonenschlacht, in allen Handschriften auf freiem Feld stattfindend (57v), wird verdoppelt (Kampf an der Stadtmauer 61v), der Anbetung Cisas im Tempel (70r) ist noch eine weitere, im Bildtyp sehr ähnliche Darstellung Cisas als Ceres hinzugefügt (75r).

Die 29 Doppelbilder des Bischofskatalogs 264r–278r stellen insgesamt 58 Augsburger Bischöfe von Dionysius bis Friedrich von Zollern mit ihren Wappen vor.

Die Illustration zur anonymen Augsburger Chronik 283v zeigt bewaffnete Handwerker während der Augsburger Zunfterhebung von 1368.

358r Dame in langem Kleid mit Haube, zwei einander zugeneigte Wappen haltend (heraldisch rechts: unidentifiziert [Dentrich oder Ploss?], links: Frickinger), darüber langes, unbeschriftetes Spruchband.

Farben:

Graublau, Kobalt, warmes Grün, helles Ziegelrot, Braun, Grau, Ocker, Hellgelb in blassen Ausmischungen.

Literatur:

Frensdorf (1865/1965) S. 15; Joachimsohn (1895) S. 195 Anm. 6. Bredt (1900) S. 45–47; Lehmann-Haupt (1929) S. 43. 153–157. 183f., Tabelle im Anhang, Abb. 88 oben (39v). 88 unten (168v). 89 (184r); Haupt (1955) S. 113; Stange 8 (1957) S. 84; Augsburger Stadtrecht (1976) S. 146 Nr. 208; Bilddokumente Augsburg (1976) S. 46, Abb. 80; Staats- und Stadtbibliothek Augsburg (1987) S. 19f. Nr. 27, Abb. 13 (283v); Ott (1989) S. 79–84, Abb. 7 (168v); Augsburger Bibelhandschrift (1991) S. 194–196 mit Abb. (283v); Ott (1995) S. 89. 92; Ott (1997) S. 219. 223f.

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Taf. X: 8v + 9r. Kaiserpaar mit Gefolge reitet durchs Augsburger Stadttor / Initialseite. Taf. XIa: 85r. Sieg des Marius und Tod der deutschen Frauen. Taf. XIb: 91v. Reiterheer vor dem Augsburger Stadttor.

Abb. 76: 52v. Die Schwaben erbauen die Stadt Augsburg. Abb. 81: 168r. Predigt des Hl. Lucius in Augsburg. Abb. 85: 99v. Augustus läßt Rom ausbauen.

Taf. X.
Taf. XIa.
Taf. XIb.
Abb. 76.
Abb. 81.
Abb. 85.