106.11.6. Stuttgart, Württembergische Landesbibliothek, HB VI 110
Bearbeitet von Dagmar Hüpper und Gunhild Roth
KdiH-Band 10
Um 1435.
Rottweil.
Die Handschrift kam »vermutlich zwischen 1810 und 1828 an die Königliche Hofbibliothek« (
| 1. | Iar–LXXXVIIr |
Jos von Pfullendorf, ›Rottweiler Hofgerichtsordnung‹
mit Artikelverzeichnis (IVr–XXr)
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| 2. | 46r–51r |
Korrespondenz zwischen Marschall Guébriant und der Stadt Rottweil (1643)
1r–45v und 51v–53v leer
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Papier, I + LXXXVII + 53 + 1 Blätter (Vor- und Nachsatzbl. Pergament), 400 × 280 mm (Bl. 46–52: 310–320 × 190–200 mm), Bastarda, eine Haupthand (IVr–LXXXVIIr), Jos von Pfullendorf (?), einspaltig, variierende Zeilenzahl, Initialen, Rubrizierung.
schwäbisch.
Zwei Seiten mit Deckfarbenminiaturen (Iav und Ibr) zu Text 1. – Verfassungsrecht.
Die Doppelseite, die Text 1 einleitet, wurde als ein Bild mit mehreren Unterteilungen konzipiert (Iav ganzseitig; Ibr zweigeteilt, das obere Drittel durch einen roten Strich abgetrennt). Die Seiten sind doppelt (in zwei verschiedenen Rottönen) gerahmt.
Die Bilder sind bis zum Rand mit Details – dicht stehende Bäume, Häuser, Zelte und Berge – gefüllt. Die Elemente wirken eher gestapelt als perspektivisch gesetzt (kaum Größenunterschiede), eine gewisse Tiefe entsteht jedoch durch Verblauung. Die Liebe zum Detail ist auch an den differenziert gestalteten Häusern in der Stadt (Iav) und der Konstruktion des Rammbocks (Ibr) erkennbar. Die Figuren sind in unterschiedlichen Positionen dargestellt; die Gestaltung der Gesichter war dem Maler nicht so wichtig wie die der Gebärden (nicht nur der juristisch relevanten).
Iav: Stadtansicht mit bewaffneter Verteidigung (Armbrustschützen, Speere und Lanzen), in der Stadt steht der Herrscher (Reifkrone) mit einem Fahnenträger. Die lateinische Inschrift am Mauerrand weist ihn als Konrad III. aus. Vor der Stadtmauer befindet sich ein kleines Zeltlager, hinter der Stadt eine Landschaft mit Ortschaften und Bergen. Über der Stadt erhebt sich die Burg Hoemberg (Oberhohenberg).
Ibr, oben: Der Herrscher (Reifkrone) sitzt auf einem Thron, er hält einen roten Codex und übergibt eine in seinem Namen ausgestellte und mit Reichsadler gesiegelte Urkunde an den ersten der vier vor ihm knienden Männer (Herrscher als Gesetzgeber). Die hinteren haben ihre rechte Hand aufs Herz gelegt.
Ibr, unten: Feldlager in Hügellandschaft, Einblicke in die Zelte mit Trink- und Tafelszenen, detaillierte Kriegstechnik, ein Rammbock (Trebuchet) wird aufgebaut. Vor einem Zelt steht der Herrscher (Bügelkrone) mit Gefolge, auf dem Zeltdach unter einem leeren Wappenschild wird seine Identität genannt: Lotharius iijus IMPERATOR.
Hintergrund der Darstellungen ist die »Gründungssage des Hofgerichts« (
breite Palette von Rot, Blau, Grün, Braun, Ocker, Gelb, Schwarz, Weiß.
Handschriftencensus, https://archivalia.hypotheses.org/164654
Abb. 234: Iav–Ibr. Stadtansicht mit bewaffneter Verteidigung, Herrscher als Gesetzgeber und im Feldlager.