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KdiH

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39.8.2. Frankfurt a. M., Universitätsbibliothek, Ms. germ. qu. 14

Bearbeitet von Rainer Leng

KdiH-Band 4/2

Datierung:

Um 1500.

Lokalisierung:

Rhein-Main-Gebiet.

Besitzgeschichte:

Erste Besitzer und Auftraggeber unbekannt; 1510/11 durch Karl von Hensberg für den Rat der Stadt Frankfurt von einem Fechtmeister namens Hartmann (?) gekauft (vgl. Weimann [1980] S. 35, Schilling [1929] S. 229 mit Anm. 1); gebunden in der Werkstatt des Frankfurter Dominikanerklosters und wahrscheinlich in der Ratsbibliothek als Liber catenatus aufbewahrt, auf dem Vorderdeckel gemaltes Supralibros (von Martin Caldenbach, genannt Hess, Sohn des Malers Hans Caldenbach, vgl. Schilling [1929] S. 229. 231) mit Frankfurter Wappen und Aufschrift: DIS BVCH GEHORT DEM RADE ZV FRANCFORT.

Inhalt:
17v–152v Anonymus, Rüst- und Feuerwerkbuch

Zu einzelnen Kapiteln und Textanfängen vgl. die Beschreibungen bei Schilling (1929) S. 229 f.; Weimann (1980) S. 36 f.; Leng (2002) Bd. 2, S. 108–110.

I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, 178 + 1 Blätter (ein nicht foliiertes Pergamentblatt nach 178 aus dem Spiegel herausgelöst, moderne Foliierung mit Blei, Reste von alten Foliierungen am oberen Rand in unterschiedlichen Formen: arabische Zahlen, Buchstaben, Zeichen, meist jedoch beschnitten), 284 × 210 mm, Bastarda von einer Hand, bis auf einzelne Kapiteleinleitungen zweispaltig, 32–36 Zeilen, einzelne Bildbeischriften in Nachahmung einer Drucktype (88r, 89v, 101r etc.), abwechselnd rote und blaue Lombarden, teilweise nicht ausgeführt.

Schreibsprache:

rheinfränkisch.

II. Bildausstattung:

Insgesamt 210 Seiten mit ein bis vier aquarellierten Federzeichnungen 17v, 20v, 21v, 23v, 24r, 27r, 33r, 35r, 38v, 44rv, 45r–128r, 133r–136v, 137v–143v, 145r, 146r, 148r–149v, 151r–152v; beteiligt waren zwei unbekannte, wohl mittelrheinische Hände, die sich regelmäßig auch innerhalb einzelner Seiten abwechseln (Schilling [1929] S. 229 f.).

Format und Anordnung:

Größe wechselnd, die kleineren Illustrationen von 20 × 20 mm bis 150 × 150 mm mit einfachen Tintenlinien abgetrennt im laufenden ein- oder zweispaltigen Text, halbseitig mit fortlaufendem Text unter der Illustration oder ganzseitig ohne Text bzw. mit kleiner Beischrift über der Zeichnung (17v, 20v, 52v–68v, 87v–128r, 138r–143v).

Bildaufbau und -ausführung:

Einfache und grobe Federzeichnungen mit deutlichen Schwächen bei Personendarstellungen, einfache Geräte meist in Seitenansicht oder leicht überhöhter Perspektive, ein Zeichner intensiv mit Kreuzschraffuren zur Abschattierung arbeitend, grob und flächig koloriert, gelegentlich Andeutung von Rasengrund, selten Landschaftshintergrund (17v, 20v, 145r).

Bildthemen:

Kriegstechnische Geräte; 20v–42r ›Feuerwerkbuch von 1420‹: mit nachträglich beigefügten Illustrationen 17v Kriegsrat (?), 20v und 21v Büchsenmeister und Krieger, Büchsenmeister bei verschiedenen Arbeitsgängen der Pulverherstellung ohne erkennbare Vorlagen; 44r–68v verschiedene Tarras-, Bock- und Karrenbüchsen in enger Verwandtschaft zu München, Cgm 356 (siehe 39.5.3.), S. 26–53, 134–140, 171–177, dazwischen 50r–51v eingeschoben vier Abbildungen von Geschützen nach Vorlage Valturio/Hohenwang; 69r–128r als rüst boch bezeichnetes Kapitel über Kriegsgerät, anfangs noch mit Texten, ab 87v höchstens Kurzbeischriften, anfangs Taucher, Tauchgerät, Brücken, Wassertechnik, Streitkarren, Katzen, Bliden und Steigzeug nach Vorlage ›Bellifortis‹ (Quarg [1967] 30r–62r), gefolgt ab 84v von Türmen, Ebenhöhen, Steigleitern, Hebezeug etc. nach Vorlage Valturio/Hohenwang (mit gelegentlichen Unterbrechungen durch Abbildungen aus dem ›Bellifortis‹ sowie mit Abbildungen von Hebezeug vermutlich ebenfalls nach München, Cgm 356); 133r–143v diverse Instrumente, Quadranten und Brechzeug in enger Verwandtschaft mit München, Cgm 356, S. 77–89, mit Einschüben aus Valturio/Hohenwang und unbekannten Vorlagen; 145r–150r Feuerwerkbuch und Feuerwerksrezepte mit zahlreichen kleineren eingeschobenen Illustrationen von Feuerkugeln, Feuerpfeilen etc; 151r–161r Schießlehre mit eingeschobenen Illustrationen von Türmen mit Geschützen, Winkeln und Visierlinien, ähnlich Heidelberg, Cod. Pal. germ. 787 (siehe 39.1.4.), 28r–30r; spätere Abschrift der gesamten Handschrift von Johann d. Ä. von Nassau in Berlin, Ms. germ. fol. 94 (siehe 39.19.4.), 103v–251r und Berlin, Ms. germ. quart. 128, laut Katalogeintrag evtl. eine weitere Abschrift in Berlin, Zeughausbibliohek, Nr. 30 (Band mit Nachzeichnungen, Anfang 18. Jahrhundert, verschollen).

Farben:

Gelb, Blau, Rot, Grün, Ocker, Violett, Rosé, Grau.

Literatur:

Schilling (1929) S. 229 f.; Weimann (1980) S. 34–37. – Jähns (1889) S. 271 f.; Franz Maria Feldhaus: Die Technik der Antike und des Mittelalters. Potsdam 1931, S. 151, Abb. 183 (21v); Hassenstein (1941) S. 88 (Nr. p); Volker Schmidtchen: ›Rüst- und Feuerwerkbuch‹. In: 2VL 8 (1992), Sp. 427–429; Schmidtchen (1980b) Sp. 731–733; Schmidtchen (1990) S. 310; Leng (2002) Bd. 1, S. 267–269, Abb. Taf. 23 (23v, 27r, 33r, 35r). Taf. 24 (136v [fälschlich 135r], 55v, 137v, 139v). Taf. 25 (151r, 152r [fälschlich 152v]), Bd. 2, S. 107–110; Leng/Hentschel (2009) Abb. 121 (55v).

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Taf. XXVIb: 38v. Anonymus, Rüst- und Feuerwerksbuch: Büchsenmeister mit Gehilfen beim Stampfen von Pulver, links über Nockenwelle betriebene mechanische Pulverstampfe.

Abb. 116: 135r. Anonymus, ›Rüst- und Feuerwerksbuch‹: Oben Brechzeug, unten Tannenzapfen zum Sprengen von Kettengliedern mit diversen ausklappbaren Kleinwerkzeugen und Dietrichen.

Taf. XXVIb.
Abb. 116.