KdiH

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38.5.4. Wien, Kunsthistorisches Museum, Hofjagd- und Rüstkammer, KK 5126 (bisher P 5126; olim Österreichische Nationalbibliothek, Ambras 57)

Bearbeitet von Rainer Leng

KdiH-Band 4/2

Datierung:

Ca. 1460–1480, Wasserzeichen Pfeil, nicht bei Briquet oder Piccard (Anfang 16. Jahrhundert Primisser [1972] S. 287, Ende 15. Jahrhundert Wierschin [1965] S. 37, nach 1400 Thomas / Gamber [1967] S. 67).

Lokalisierung:

Oberdeutsch.

Besitzgeschichte:

Auftraggeber und Erstbesitzer unbekannt, eventuell Herzog Ludwig IX. der Reiche (1445–1479), im Ambraser Verlassenschaftsinventar Ferdinands unter den Kriegs- und Fechtbüchern nicht eindeutig zu identifizieren (Boeheim [1888] S. CCLXXXIX), demnach wohl erst nach 1596 auf Schloß Ambras, beim Abtransport der Ambraser Handschriften nach Wien 1665 vom Ambraser Schloßhauptmann verheimlicht und deshalb erst 1806 vor den anrückenden französischen Truppen nach Wien verbracht, dort jedoch nicht in die Bibliothek, sondern in die Kunstsammlungen des Kaiserhauses gelangt.

Inhalt:
1. 9r–100r Paulus Kal, Fechtbuch

9r Widmung Kals an Ludwig IX. den Reichen (1445–1479)

›Myt hylf gotes vnnd des hochgepornnenn hern hertzog ludwigs pfalczgraffen bey rein herczog in nydern vnnd obernn bayrn hab ich maister pauls kal ain merer der chunst das buech geornyrt in aller ritterlicher wer auf das churczt das nachst‹

9r Paulus Kal, ›Gesellschaft Liechtenauers‹

›Hie hebt sich an die chunst die liechtnawer mit seiner geselschaft gemacht vnnd gepraucht hat‹

10r allegorische Fechterfigur mit Falkenkopf, Hirschfüßen und Löwenherz, nicht ausgeführte Spruchbänder

10v–23r Bildkatalog Kampf im vollen Harnisch zu Pferd mit Lanzen und Schwertern, einschließlich Ringen, zuletzt Fußkämpfer gegen Reiter

23v–40v Bildkatalog Kampf im vollen Harnisch mit Spießen und dem langen Schwert, mit angedeutetem tödlichem Ausgang, zuletzt Gebet des knieenden Siegers zu Maria mit Kind, mit nicht ausgeführtem Spruchband

41v–46v Bildkatalog Kampf im vollen Harnisch mit dem Luzerner Hammer, zuletzt Variante der Szene von 40v

47v–52v Bildkatalog Bloßfechten mit Kolben und Stechschilden mit tödlichem Ausgang, zuletzt Variante der Szene von 40v und 46v

53v–55v Bildkatalog Kampf Mann gegen Frau, er mit einem Stab in der Grube, sie mit einem Stein in einem Tuch, zuletzt Variante der Szene von 40v, 46v und 52v

56v–61r Bildkatalog Bloßfechten mit dem Buckler und dem langen Schwert

62r– 75v Bildkatalog Bloßfechten mit dem langen Schwert

76v–79v Bildkatalog Bloßfechten mit dem langen Messer

80v–85r Bildkatalog Bloßfechten mit dem Dolch

86r–100r Bildkatalog Ringen

2. 104v–122v Johannes Liechtenauer, ›Kunst des langen Schwerts‹, ohne Abbildungen, einschließlich Roßfechten, Fechten mit dem kurzen Schwert etc.

›Hie hebt sich an die zetl der ritterlichen chunst des fechtens die geticht vnd gemacht hat hanns liechtenauer der ein hocher maister in den künstn gewesen ist‹

3. 122v–124v Meister Ott, Ringkunst, ohne Abbildungen

›Die her nach geschriben ringen hat gemacht ein tauffter jud genant maister ott der herrnn vonn osterreich ringer. In allenn ringenn sullen sein drew ding, das erst ist chunst das ander schnellichait das dritt ist rechte anlegung der sterckh‹

4. 124v–126r Martin Hundfeld, Fechtkunst im Harnisch, ohne Abbildungen

›Das seind maister marteins hunczfeld fechtenn Im harnasch aus den vier huetten dy erst huett nymb das swert in paid hennt‹

5. 126r–128r Martin Hundfeld, Fechten zu Pferd mit der Glefe, ohne Abbildungen

›Das ist maister Martins Hunczfeltz chunst zu ross mit der glaffen vnd mit swertt. Zu ross streitten lern mit paiden seytenn‹

6. 128v–129r Verhaltensmaßregeln für Fechter, ohne Abbildungen

›Tont zw dem ersten sol im sein fursprech wandel dingenn vnd alle recht die ein chempfer von rechts wegenn habenn sol‹

I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, 130 Blätter (modern foliiert mit Blei, Foliierung von der Hand des Schreibers unten rechts meist durch Beschnitt weggefallen, Lagenzählungen noch vorhanden), 410 × 285 mm, Bastarda von einer Hand, einspaltig, 42–48 Zeilen, 104v–129r regelmäßig Freiräume für zweizeilige nicht ausgeführte Initialen, nicht rubriziert.

Schreibsprache:

bairisch.

II. Bildausstattung:

137 kolorierte Federzeichnungen, Aquarell, Lavierungen und Deckfarben von einem Zeichner; Zeichner übereinstimmend mit München, Cgm 1507 (38.5.3), hier jedoch etwas weniger sorgfältig und detailärmer.

Format und Anordnung:

180–300 mm große Kämpferpaare, ganzseitig ohne Beischriften, zentriert etwas unterhalb der Seitenmitte, meist ein Kämpferpaar je Seite, nur 10v/11r, 11v/12r, 12v/13r, 13v/14r, 14v/15r, 15v/16r doppelseitige Abbildungen von Lanzenkämpfen zu Pferd.

Bildaufbau und -ausführung, Bildthemen:

Statische Kämpferpaare frei im Raum ohne Hintergründe, Rasen oder Schattenwurf; Figuren mit gutem Sinn für die diversen Stellungen, aber gelegentlichen Proportionsschwächen; die Figuren umrißartig ohne Schraffuren, dafür schraffierende und schattierende Effekte bei der Kolorierung; teils laviert, teils deckend, gelegentlich bei deckenden Farben zusätzliche Effekte mit Linien und Knöpfen in Deckweiß; auffällig die durchgehende Individualisierung der Kämpfer innnerhalb der einzelnen Serien anhand typischer farblicher und zeichnerischer Ausgestaltung von Kleidung und Rüstung; Bildprogramm von Nr. 1 weitgehend übereinstimmend mit der Vorlage in München, Cgm 1507.

Farben:

Blau, Grau, Grün, Gelb, Rot, Rosé,

Literatur:

von Sacken (1855) S. 243 f.; Primisser (1972) S. 286 f. – Wierschin (1965) S. 37 (Nr. 37); Thomas / Gamber (1967) S. 67; Schmidtchen (1983) Sp. 964; Hils (1985a) S. 123 f. (Nr. 48); Hils (1989) Sp. 197 f. (W1).

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 33: 53v. Paulus Kal, Fechtbuch: Kampf Mann gegen Frau, er mit einem Stab in der Grube, sie mit einem Stein in einem Tuch.

Abb. 34: 47v + 48r. Paulus Kal, Fechtbuch: Bloßfechten mit Kolben und Stechschilden.

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Abb. 33.
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Abb. 34.