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38.5.3. München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 1507

Bearbeitet von Rainer Leng

KdiH-Band 4/2

Datierung:

2. Hälfte des 15. Jahrhunderts, 1459–1479 (Hils [1985a] S. 87).

Lokalisierung:

Bayern.

Besitzgeschichte:

Widmungsempfänger (2r) Herzog Ludwig IX. der Reiche (1445–1479); die Handschrift ist in der Pfälzer Linie nachweisbar in Heidelberg und Neuburg, 1556 aufgeführt im Verzeichnis der Kammerbibliothek Ottheinrichs (Karl Schottenloher: Ottheinrich und das Buch. Münster 1927, S. 28, Nr. 21), vermutlich über Düsseldorf 1731 nach Mannheim verbracht (Provenienzvermerk im Vorderdeckel, vermerkt im Mannheimer Katalog Cbm Cat. 87, 57r), 1803 in die Münchener Hofbibliothek eingegangen.

Inhalt:
2r–95r Paulus Kal, Fechtbuch

1v Titel von späterer Hand

›Methodus et Exercitia varia … in hanc formam redactum est a Paulo Kal, huiusque artis peritissimo Magistro …‹

2r Widmung Kals an Ludwig IX. den Reichen (1445–1479)

›Mit hilf gottes und des hochgeporn hern herczog ludwigs pfalczgrawe pey rein herczog in nydern und obern bayren Hab ich maister pauls kal ain merer der kunst das püech geordenirt in aller Ritterlicher wer auf das kurczt und auf das nachst‹

2r Paulus Kal, ›Gesellschaft Liechtenauers‹

›Hye hebt sich an die kunst die liechtenawer mit seiner geselschafft gemacht und gepraucht hat in aller ritterlicher wer das im got genadig sey‹

4r Kal mit gewappnetem bayerischem Herzog zu Pferd, Spruchband ›Genediger herr ich gelob euch den dienst mein got und sein lieb ein [?] muter sullen vnser helfer sein‹

5r Kal reicht dem gewappneten halb knieenden bayerischem Herzog das Schwert ›Nemt hin genediger herr das schwert ir wert uon der mutter gots vnd ritter sant jorgen aller ritterschafft gewert‹

6r allegorische Fechterfigur mit Falkenkopf, Hirschfüßen und Löwenherz, Spruchband ›Ich hab augen als ein falk, das man mich nit beschalk …‹

6v–19r Bildkatalog Kampf im vollen Harnisch zu Pferd mit Lanzen und Schwertern, einschließlich Ringen, zuletzt Fußkämpfer gegen Reiter

19v–36v Bildkatalog Kampf im vollen Harnisch mit Spießen und dem langen Schwert, mit angedeutetem tödlichem Ausgang, zuletzt 36v Gebet des knieenden Siegers zu Maria mit Kind mit Spruchband ›Gelobt sey Maria und ir kint und alle die pey in wonhafft sind‹

37v–42v Bildkatalog Kampf im vollen Harnisch mit dem Luzerner Hammer, zuletzt Gebet des knieenden Siegers zu Maria mit Kind mit Spruchband wie 36v

43v–48v Bildkatalog gerichtlicher Zweikampf nach fränkischem Recht, Bloßfechten mit Kolben und Stechschilden mit tödlichem Ausgang, zuletzt Gebet des knieenden Siegers zu Maria mit Kind mit Spruchband wie 36v und 42v

49v–51v Bildkatalog Kampf Mann gegen Frau, er mit einem Stab in der Grube, sie mit einem Stein in einem Tuch, zuletzt Gebet des knieenden Siegers zu Maria mit Kind mit Spruchband wie 36v, 42v und 48v

52v–57r Bildkatalog Bloßfechten mit dem Buckler und dem langen Schwert

58r–70v Bildkatalog Bloßfechten mit dem langen Schwert

71v–74v Bildkatalog Bloßfechten mit dem langen Messer

85v–80r Bildkatalog Bloßfechten mit dem Dolch

81r–95r Bildkatalog Ringen

I. Kodikologische Beschreibung:

Pergament, I + 95 Blätter (moderne Foliierung), ca. 290 × 285 mm, Hand 1 nur Widmung, Bildbeischriften und Spruchbänder in Textura (2r, 4r, 5r, 6r, 36v, 42v, 43v, 48v, 51v), Hand 2 sämtliche sonstigen Beischriften in Bastarda, jüngerer Titel 1v von einer weiteren Hand, 2r 19 Zeilen, einspaltig, die eingeschobene Liste der Gesellschaft Liechtenauers zweispaltig, keine Lombarden, nicht rubriziert.

Schreibsprache:

Hand 1 mittelbairisch, Hand 2 bairisch mit westmitteldeutschem Einschlag.

II. Bildausstattung:

168 kolorierte Federzeichnungen (Aquarell und Deckfarben) von der Hand eines Zeichners; Zeichner übereinstimmend mit Wien, KK 5126 (Nr. 38.5.4.), hier jedoch etwas sorgfältiger und detailreicher.

Format und Anordnung:

sieben ca. 210 × 480 mm große doppelseitige rahmenlose Abbildungen (6v/7r, 7v/8r, 8v/9r, 9v/10r, 10v/11r, 11v/12r, 12v/13r), sonst ca. 200–220 × 200 mm große in der Seitenmitte plazierte und ungerahmte Abbildungen unter meist 1–2zeiligen Bildüberschriften.

Bildaufbau und -ausführung, Bildthemen:

Statische Kämpferpaare frei im Raum ohne Horizontlinien oder Rasengrund, Schattenwurf nur 4r und 5r angedeutet; Figuren mit gutem Sinn für die diversen Stellungen, aber gelegentlichen Proportionsschwächen; die Figuren umrißartig mit nur wenigen Schraffuren bei manchen Westen, dafür schraffierende und schattierende Effekte bei der Kolorierung; teils laviert, teils deckend, gelegentlich bei deckenden Farben zusätzliche Effekte mit Linien und Knöpfen in Deckweiß, Stechschilde nur 14v und 15r mit angedeutetem Rankenwerk verziert; auffällig die durchgehende Individualisierung der Kämpfer innnerhalb der einzelnen Serien anhand typischer farblicher und zeichnerischer Ausgestaltung von Kleidung und Rüstung; Bildprogramm weitgehend übereinstimmend mit Wien, KK 5126 (Nr. 38.5.4., Nr. 1), der diese Handschrift als Vorlage diente; von dieser Handschrift existiert eine Pauskopie in Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 2740 (Bd. 1 Bl. 1–58 fertiggestellte Zeichnungen, Bd. 2 Bl. 59–95 Pausen).

Farben:

Rot, Rosé, Blau, Gelb, Grün, Graubraun, Schwarz.

Literatur:

Schneider (1991) S. 190–192 – R. L. Pearsall: Some Observations on Judicial Duels, as practised in Germany. Archaelogia or Miscellaneous tracts relating to antiquity, published by the Society of Antiquaries in London 29 (1882) S. 348–361, 22 Nachzeichnungen auf Plate XXXI–XXXV; Jähns (1889) S. 368 f.; Wierschin (1965) S. 28 f. (Nr. 27), Abb. Nr. 11 (4r). 12 (5r). 13 (13v). 14 (16v). 15 (9v/10r). 16 (11v/12r). 17 (22r). 18 (28v). 19 (30r). 20 (45v). 21 (65v). 22 (66r); Walter Koschatzky: Das Aquarell 1400–1950. Ausstellungskatalog München 1972–73, Nr. 3 S. 17 f., Abb. S. 18 (18r); Schmidtchen (1983) Sp. 964 f.; Hils (1983) S. 116, Anm. 72 u. ö.; Hils (1985a) S. 87–90 (Nr. 32); Jörg Kastner: Mundus mirabilis fictus. Phantasie und Wirklichkeit in der Welt der Fabelwesen. Passau 1994, S. 41, Nr. 13; Müller (1994) S. 359 f.; Schulze (2007) S. 29, Abb. 14a (66v).

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Taf. VII: 6r. Paulus Kal, Fechtbuch: Allegorische Fechterfigur.

Abb. 31: 36v. Paulus Kal, Fechtbuch: Gebet des knieenden Siegers zu Maria.

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Taf. VII.
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Abb. 31.