KdiH

KdiH

_ (der Unterstrich) ist Platzhalter für genau ein Zeichen.
% (das Prozentzeichen) ist Platzhalter für kein, ein oder mehr als ein Zeichen.

Ganz am Anfang und ganz am Ende der Sucheingabe sind die Platzhalterzeichen überflüssig.

ß · © ª º « » × æ œ Ç ç č š Ł ł ́ ̀ ̃ ̈ ̄ ̊ ̇ ̋ ͣ ͤ ͥ ͦ ͧ ͮ Α Β Γ Δ Ε Ζ Η Θ Ι Κ Λ Μ Ν Ξ Ο Π Ρ Σ Τ Υ Φ Χ Ψ Ω α β γ δ ε ζ η θ ι κ λ μ ν ξ ο π ρ σ ς τ υ φ χ ψ ω ͅ ̕ ̔

38.3.6. München, Bayerische Staatsbibliothek, Cod. icon. 394ª (olim Gotha, Forschungsbibliothek)

Bearbeitet von Rainer Leng

KdiH-Band 4/2

Datierung:

1467 (16v).

Lokalisierung:

Südwestdeutsch.

Besitzgeschichte:

Nach dem Wappen 16v möglicherweise Auftragsarbeit Talhoffers (1r, 136v) für Graf Eberhard V. im Bart (1459–1496) von Württemberg, spätestens im 17. Jahrhundert Bestandteil der Münchener Hofbibliothek, deren Prommer-Katalog von 1582 Stat. II., No. 2 (2) Hanns Talhoffers Fechtbuch verzeichnet (Hartig [1917] S. 130; der Eintrag dürfte sich jedoch eher auf Gotha, Chart. A 558 beziehen, siehe 38.3.3.), Exlibris Maximilians I. im Vorderdeckel (Typ Dressler [1972] B 3ab, datiert 1623–1651, nach einem Eintrag im Vorderdeckel befand sich darunter ein Exlibris der Hofbibliothek aus dem Jahr 1618); bei der Eroberung Münchens 1632 durch schwedische Truppen von Wilhelm von Sachsen-Weimar aus der Hofbibliothek weggeführt und zunächst nach Weimar gelangt, durch den ersten Regenten von Sachsen-Gotha, Ernst I. (1640–1675), zwischen 1640 und 1647 nach Gotha überführt (Gothaer Signatur im Vorder- und Hinterdeckel, im Hinterdeckel noch das Gothaer Benutzerblatt eingeklebt, Bibliotheksstempel 2r und 136v), zusammen mit anderen Handschriften am 27. 3. 1943 nach Coburg verbracht (Hopf [1994] S. 11) und von dort aus 1951 aus dem Besitz von Herzogin Victoria Adelheid von Sachsen-Coburg-Gotha für die Staatsbibliothek erworben.

Inhalt:
2r–136v Hans Talhoffer, Fechtbuch

2r–35r Bloßfechten zu Fuß mit dem langen Schwert

35v–38r Fechten zu Fuß im vollen Harnisch mit der Lanze und dem langen Schwert im Kampfring, Bilderfolge beginnend mit dem Auftritt der Kämpfer, der tödliche Ausgang der Folge fehlt hier

38v–40v Bloßfechten mit dem langen Schwert, Entwinden der Schwerter und anschließendes Ringen, mit tödlichem Ausgang

41r–53r Bloßfechten mit dem Luzerner Hammer, Entwinden der Waffen und anschließendes Ringen, mit tödlichem Ausgang

53v–64v Kampffechten nach fränkischem Recht mit Stechschild und Kolben, mit mehreren Varianten des tödlichen Ausgangs

65v–86r Kampffechten nach schwäbischem Recht, zunächst mit Stechschild und Schwert, dann nur mit gekehlten Stechschilden, jeweils mit mehreren Varianten des tödlichen Ausgangs

86v–96r Bloßfechten mit dem als tegen bezeichneten Dolch, mit tödlichem Ausgang

96r–112r Ringen

113r–116v Bloßfechten mit dem langen Messer, mit tödlichem Ausgang

117r–122r Bloßfechten mit dem Buckler und dem kurzen Schwert

122v–126v Kampf zwischen Mann und Frau, er mit einem Kolben bewaffnet in der Grube, sie mit einem in ein Tuch gewickelten Stein

127r–136v Kampf zu Pferd mit dem langen Schwert, Spieß und Armbrust, einschließlich Ringen

136v Darstellung Talhoffers mit Schwert und Spruchband Das buch hatt angeben Hans talhoffer vnd gestanden zu Mallen

I. Kodikologische Beschreibung:

Pergament, 137 Blätter (neuere Foliierung, ältere Numerierung der Abbildungen), 333 × 215 mm, durchgehend kurze Beischriften in Bastarda von einer Hand, keine Initialen, Lombarden oder Rubrizierungen.

Schreibsprache:

schwäbisch.

II. Bildausstattung:

Insgesamt 331 aquarellierte und lavierte Federzeichnungen, 112r ein freier Raum für eine nicht ausgeführte Zeichnung; vier Zeichner (I und II schwer zu scheiden, eventuell gemeinsame Arbeit an zahlreichen Blättern); I: 2r–39v, 40v– 52r, II: 40r, 86v–109r, 110v, 111v–112r, III: 52v–53r, 109v–110r, 111r, 113r–122r, 127r–136v, IV: 53v–86r, 122v–126v. Regina Cermann (1991) hat einen der Zeichner mit demjenigen der Handschrift des ›Buchs der Beispiele der alten Weisen‹ in Chantilly (s. Nr. 20.0.1.) identifiziert; vgl. auch Cermann (1997).

Format und Anordnung:

sämtliche Zeichnungen 150–200 mm hoch, ganzseitig im Querformat; 2r–52r jeweils auf den linken Seitenrand gestellt, 52v–136v auf den rechten Seitenrand; zwei getrennte Zeichnungen bzw. je zwei Kämpferpaare 16v, 20r, 40rv, 86v–111v, 136v; alle Zeichnungen ungerahmt mit 1–4zeiligen Beischriften mit unmittelbarem Bildbezug über oder zwischen den Kämpferpaaren.

Bildaufbau und -ausführung, Bildthemen:

Kämpferpaare in unterschiedlicher Bekleidung und Bewaffnung, Figuren jeweils frei im Raum agierend ohne Horizontlinie, Rasengrund oder Schattenwurf, szenische Einbettung durch Kampfring oder beigestellte Katafalke nur 35v–38r; je nach Zeichner in statischeren oder dynamischeren Posen, sofern nicht gewappnet durchgehend mit enganliegender, meist geschnürter Kleidung und überlangen Schnabelschuhen; Zeichner I mit wechselnd gröberer Gesichtszeichnung mit kräftigem Federstrich und feinerer Gesichtszeichnung mit weicher Lavierung, ebenfalls wechselnd zwischen bloßer Lavierung für Kleidung und deutlichen Schraffuren, statischere Figuren mit starker Einschnürung der Körpermitte; Zeichner II ähnlich, aber kleinere, gedrungenere Figuren; Zeichner III: dynamische Figuren mit weicher, expressiver Gesichtszeichnung, keine Schraffuren, mit schönem Lichtspiel schattierend laviert; Zeichner IV gröbere Figuren mit stereotypen Gesichtern, gelegentliche Schwierigkeiten mit Haltungen und Proportionen, kräftiger laviert; Bildinhalte weitgehend mit den weiteren Talhoffer-Handschriften übereinstimmend; gegenüber der älteren Kopenhagener Fassung fehlen hier jedoch einige Varianten, insbesondere sind die narrativen Komponenten zurückgedrängt, z.B. das abschließende Dankgebet des Siegers oder das Wegtragen der Leiche des gefallenen Gegners.

Farben:

meistens nur einfache graue Lavierungen, Rot und Braun für Gesichter und Haare 11r–13r, 95r, Rot und Ocker für Wappen, Kleidung und Schilde nur 16v, 53v–63v, 65v–86r, Rot für Blut 87rv, 90r, 91v, 96rv.

Faksimile:

Hergsell (1887) mit allen Texten und Abbildungen der Handschrift (Nachdrucke und Übersetzungen der Ausgabe siehe Literaturverzeichnis); Teilfaksimile Schulze (2006) Taf. 1–67 (2r–35r) und Schulze (2007) Taf. 68–126 (35v–64v).

Literatur:

Jacobs/Ukert (1838) S. 115–119; Hopf (1994) S. 11. 17; Erwerbungen (1978) S. 39 f. – Schlichtegroll (1817) S. 17–20, Abb. Tafel I–VI (Lithographien von 35v, 36r, 53v, 65v, 122v, 136v); Jähns (1889) S. 372 f.; Wierschin (1965) S. 25 f. (Nr. 23), Abb. 23 (2r). 24 (2v). 25 (7v). 26 (12v). 27 (19r). 28 (24v). 29 (122v). 30 (123v). 31 (125r). 32 (124v). 33 (126v). 34 (38r); Hils (1983) S. 104–112; Hils (1985) S. 95–97 (Nr. 35), Abb. Anlage 2.2,5 (56v). 2.3,5 (88v). 2.4,5 (89r). 2.5,5 (105r); Regina Cermann: Der Bidpai Ms. 680 in Chantilly. Mag.arbeit (masch.) Berlin 1991, S. 75, 96–99, 102 f., 188; Müller (1992) S. 274–276; Müller (1994) S. 382; Keil (1995) Sp. 593; Regina Cermann: Die Bibliothek Herzog Eberhards im Bart von Württemberg (1445–1496). Scriptorium 51 (1997), S. 30–50, hier S. 45, Pl. 3a, 3b, 4a, 4b; Schulze (2006) S. 39–41, Abb. 1 (36r); Schulze (2007) S. 74–78, Abb. 4 (36r). 12 (136v).

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 23: 16r. Hans Talhoffer, Fechtbuch: Bloßfechten mit dem langen Schwert, mit württembergischem Wappen.

Abb. 24: 36r. Hans Talhoffer, Fechtbuch: Einführung der Kämpfer in den Kampfring.

38.3.6._Abb._23.jpg
Abb. 23.
38.3.6._Abb._24.jpg
Abb. 24.