KdiH

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38.3.5. Königseggwald, Gräfliches Schloß, Hs. XIX, 17-3

Bearbeitet von Rainer Leng

KdiH-Band 4/2

Datierung:

Mitte 15. Jahrhundert (zwischen 1446 und 1459 Hils [1985a] S. 73).

Lokalisierung:

Südwestdeutsch.

Besitzgeschichte:

Angefertigt von Hans Talhoffer für Junker Leutold von Königsegg (ca. 1446– 1473), vermutlich seither in Familienbesitz, Auftraggeberwappen (rote Rauten auf gelbem Grund, roter Helmbusch) S. 20, 45 47; weitere Vorbesitzer höchstens in unklaren Federproben auf der vorderen Einbandinnenseite zu vermuten: hochgeborn .V. Bichf. / Graff hochgeborner patron / Madh Kais Re Fe n DEI / mein GrAF A Dn / 1733 / en / DOBF (so Hils [1985a] S. 70 f., andere Lesungen sind möglich, ergeben aber nicht mehr Sinn).

Inhalt:
S. 1–121 Hans Talhoffer, Fechtbuch

S. 1–2 Johannes Liechtenauer, ›Kunst des langen Schwertes‹, Auszug

S. 3 Abbildung eines knieenden Gewappneten im Gebet vor Christus, im Vordergrund ein Katafalk, mit Spruchband ›hilf got du ewiges wort dem lib hie der sel dort‹, S. 4 leer

S. 5–17 Bildkatalog Kampf zu Fuß im vollen Harnisch mit dem langen Schwert, teilweise im Kampfring, S. 6 und 8 leer

S. 18–21 Bildkatalog Vorbereitung zum Kampfgericht, Einkleidung und Einführung der Kämpfer in die Schranken

S. 22–45 Bildkatalog Kampf zu Fuß im vollen Harnisch mit dem langen Schwert im Kampfring, mit tödlichem Ausgang, zuletzt Dankgebet des Siegers mit Spruchband ›Gottes Diener will ich sein Er haut behüt das leben mein Lwtold von Küngs egg‹, S. 46 leer

S. 47 Talhoffer übergibt Leutold das Schwert, mit Beischrift ›Hie stat Lwtold von Küngs egg vnd bwt im der talhoffer das schwert‹, S. 48 leer

S. 49–70 Bildkatalog Fechten mit dem als tegen bezeichneten Dolch, einschließlich Ringen, eröffnet S. 49 mit der Übergabe des Dolchs an Leutold, mit Beischrift ›Hie vachtt Lwtold von küngs egg an zelernen in dem tegen von maister hanssen talhoffer‹

S. 71–88 Bildkatalog Ringen, eröffnet mit der Überschrift ›Da will Lwtold von Küngs egg lernen ringen von dem talhoffer‹

S. 89–97 Fechten mit dem langen Spieß

S. 98 Kampf eines berittenen Gewappneten gegen einen Fußkämpfer mit dem Spieß

S. 99–121 Bildkatalog Kampf Gewappneter zu Pferd mit Spieß und langem Schwert einschließlich Ringen, zuletzt Abbildung von Talhoffer und Leu-told (unter einer Seilschlinge) mit Fechterwappen und Beitexten ›Da git Iunckher Lwtold dem talhofer das gelaytt. Da sitztt der talhoffer vff seinem haintzen vnd gaut vff den hyndern füssen‹

I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, 61 Bätter (ein nicht gezähltes Vorsatzblatt, dann durchgehend von einer Hand des 19. Jahrhunderts paginiert 1–121), 305 × 230 mm, durchgehend beschrieben nur S. 1 einspaltig mit 22 Zeilen, S. 2 teilweise zweispaltig mit 27 Zeilen, sonst nur kurze 1–3zeilige Beischriften, sämtlich in Bastarda (auch im Spruchband S. 45, Spruchband S. 3 dagegen Textura) von der Hand des Peter Will: 61r Peter will mit seiner hand haut geschriben end vnd anefang, nicht rubriziert.

Schreibsprache:

schwäbisch.

II. Bildausstattung:

111 kolorierte Federzeichnungen mit kurzen Beitexten (S. 3, 5, 7, 9–45, 47, 49–121), beteiligt insgesamt drei Hauptzeichner; I: S. 1–58, II: 59–98, III: 99–121, insbesondere bei III sind regelmäßig Anteile anderer Zeichner festzustellen, die teilweise auf I und II sowie auf möglicherweise weitere Gesellenhände verweisen; bei den Pferdedarstellungen sind offenkundig arbeitsteilige Prozesse zu beobachten; regelmäßig sind Bleistiftvorzeichnungen zu erkennen; insgesamt einem schwäbischen Buchmaleratelier unbekannter Lokalisierung zuzuschreiben, das mit den anderen Talhoffer-Arbeiten nicht in unmittelbarem Zusammenhang steht.

Format und Anordnung:

Überwiegend ganzseitig bis ca. 220 × 200 mm mit kürzeren, bis zu dreizeiligen Beischriften am oberen Rand, doppelseitig S. 14/15, 16/17 und 20/21; überwiegend aufrecht angeordnete Kämpferpaare, querformatig nur die Szenen zum Fechten mit dem langen Spieß und die Reiterkämpfe S. 89–121, die ohne erkennbare Systematik wechselnd auf den linken und rechten Rand gestellt sind.

Bildaufbau und -ausführung:

Durchgehend rahmenlos, Kämpferpaare durchgehend auf einen nur mit Ocker angedeuteten Rasengrund ohne Pflanzenbewuchs gestellt, der die gesamte Seitenbreite einnimmt; lediglich S. 10, 11, 16, 17 und 20–43 Begrenzungen durch einen aus rohen Brettern gebildeten Kampf-ring; sämtliche Kämpferpaare in statischen Posen mit gelegentlichen Proportionsschwächen; Zeichner I mit reichlichen Schraffuren und schattierender Kolorierung mit dünnerem Strich zur Andeutung beschatteter Körperteile, gelegentlichen gröberen Binnenzeichnungen von Rüstungsdetails, insbesondere mit auffällig weit nach unten hin ausladenden Brustharnischen, die gelegentlich nahezu eine umgedrehte Herzform annehmen; Zeichner II mit schlankeren Körpern und gröberen Gesichtszügen, nahezu ohne Schraffuren und nur wenigen einzelnen Strichen Gewandfalten andeutend, Kolorierung schattierend mit breitem Pinsel, aber meist nur in schwacher Lavierung; Zeichner III insgesamt enger an Zeichner I orientiert, mit ebenfalls reicheren Schraffuren und Rüstungsdetails, ebenso in Nachahmung der charakteristischen Brustharnischform des Zeichners I, jedoch mit kleineren Figuren und gröberer Gesichtszeichnung sowie sparsamem, nur lavierenden Farbeinsatz; intensiver in der zeichnerischen Ausformung sind lediglich die Gebets- sowie die Einkleidungs- und Einführungsszenen und die Aufbahrung des toten Gegners S. 3, 18–21, 43–45, 47; in expressiverer Farbgebung mit kräftigem Rot nur die Szenen, die schwere Verwundungen oder abgeschlagene Körperteile mit weit spritzendem Blutaustritt illustrieren (S. 40–43, 92).

Bildthemen:

Gegenüber den Abbildungsserien der weiteren Talhoffer-Handschriften liegt hier ein knappes Auswahlprogramm vor, das insbesondere gegenüber der Kopenhagener Handschrift (Nr. 38.3.4.) zahlreiche Elemente unterdrückt; so fehlen die Illustrationen zum Kampf mit dem Luzerner Hammer, zum gerichtlichen Zweikampf von Mann und Frau, sowie zum gerichtlichen Zweikampf nach schwäbischem (mit Stechschild und Schwert) und fränkischem Recht (mit Stechschild und Kolben) sowie zum Fechten mit Schwert und Buckler. Das verbleibende Bildprogramm gibt sich als reale Darstellung eines gerichtlichen Zweikampfs des von Talhoffer (Selbstbildnisse S. 18, 19, 47, 49, 121) vorbereiteten Junkers Leutold von Königsegg (explizit in Beischriften angesprochen S. 18, 20, 47, 49, 121, mit rot-weiß gerautetem Wappen S. 20, 45, 47, 49; vergleichbar der wohl nachträglich auf ähnliche Auftraggeberinteressen beruhenden Identifikation des Kämpfers mit den Brüdern David und Buppelin vom Stain zum Rechtenstein, vgl. Nr. 38.3.2.). Spätere Kopien mit expliziter Nennung des Junkers von Königsegg liegen vor in Augsburg, Universitätsbibliothek, 1.6.2°.1 (Nr. 38.3.1.) und Wien, KK 5342 (Nr. 38.3.8.).

Farben:

Braun, Ocker, Rot, Blau, Grau, Rosé.

Faksimile:

Der Königsegger Codex. Die Fechthandschrift des Hauses Königsegg. Text- und Kommentarband. Hrsg. von Johannes Graf zu Königsegg-Aulendorf und André Schulze. Darmstadt 2010.

Literatur:

Barack (1865) S. 583; Hils (1983) S. 97–121; Hils (1985a) S. 70–74 (Nr. 26); Müller (1992) S. 271–274; Keil (1995) Sp. 593; Schulze (2006), Abb. 23–26 (S. 2/3, S. 42/43, S. 40/41, S. 44/45); Schulze (2007) S. 6, Abb. S. 6 (S. 2/3).

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 21: S. 18. Hans Talhoffer, Fechtbuch: Hans Talhoffer rüstet Leutold von Königsegg.

Abb. 22: S. 121. Hans Talhoffer, Fechtbuch: Leutold von Königsegg und Hans Talhoffer zu Pferd.

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Abb. 21.
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Abb. 22.