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KdiH

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26A.16.4. Stuttgart, Württembergische Landesbibliothek, Donaueschingen 622

Bearbeitet von Ulrike Bodemann

KdiH-Band 3

Datierung:

1538.

Lokalisierung:

Speyer(?).

Besitzgeschichte:

Aus dem Besitz der Grafen von Zimmern durch Erbe an die Grafen von Helfenstein und im 17. Jahrhundert an die Grafen von Fürstenberg übergegangen. Seit dem Ankauf der Fürstenberg’schen Hofbibliothek zu Donaueschingen durch das Land Baden-Württemberg 1993 in der Stuttgarter Landesbibliothek.

Inhalt:

1v–98r

Gallus Öhem, Chronik der Reichenau

1v–3r Bildseiten

3v–30v Wappenbuch

31v Vorwort

32r Vorrede

32r–47v Von der Stiftung des Klosters und seiner Ausstattung

47v–98r Die Äbte der Reichenau

I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, 167 Blätter (Foliierung von jüngerer Hand; 98v bis Schluß unbeschrieben), 315 × 200 mm, einspaltig, 54 Zeilen, Kurrentschrift, ein Schreiber: Wilhelm Werner von Zimmern (1485–1575, seit 1529 Richter am Reichskammergericht Speyer; Datierung 1538 im Bild 2v unterhalb des Reichenauer Wappens), Überschriften und Eigennamen rot unterstrichen, rote Caputzeichen und Strichel, keine Lombarden; Randnachtrag (79v–80r) von Schreiberhand, Korrekturen und Nachträge bei den Wappenbeschriftungen von etwas jüngerer Hand (wie Foliierung).

Schreibsprache:

alemannisch mit schwäbischen Elementen.

II. Bildausstattung:

Vier ganzseitige Bilder (1v, 2r, 2v, 3r); 474 Wappenschilde, davon 83 leer (4r–30v); bis 10r kolorierte Federzeichnung, danach lineare Zeichnung weitgehend ohne Ausmalung; ein Zeichner: Wilhelm Werner von Zimmern.

Format und Anordnung, Bildaufbau und -ausführung, Bildthemen:

Die vier Eingangstafeln entsprechen in Abfolge, Format und Motivik völlig der Freiburger Handschrift (26A.16.1.). Sie erhalten durch mit Lineal gezogene Linien eine nahezu das gesamte Seitenformat beanspruchende Einfassung (ca. 300–305 × 185–190 mm). Ausführung in flotter Zeichnung im Stil des 16. Jahrhunderts, durch lockere Linienführung »bewegte« Umrisse, modelliert wird durch gestrichelte Partien, Kringel, Häkchen etc. Figuren in der Zeitmode angepaßtem Äußeren. Dem Geschmack der Zeit ist insbesondere die Gestaltung von Thronschmuck, Kleidung, Haar- und Barttracht im Bild der Klosterübergabe durch Karl Martell angepaßt (2r): auf der Thronlehne ersetzen Delphine die Löwen als Wappenhalter, an die Stelle des gotischen Strebewerkaufsatzes des Thronsitzes tritt eine Rocaillenische.

Auch die Wappensammlung folgt in Anlage und Gliederung im Großen und Ganzen der Freiburger Handschrift, die Schilde sind mit Überschriften versehen, eine numerische Zählung unterhalb stammt von jüngerer Hand. Die Wappenschilde in weniger strengem Zeilenverbund als in der Vorlage, vielmehr wie die Einzelwappen in den Eingangstafeln durch Ausbuchtungen und Einrollungen voluminös-verspielt gestaltet, unverbunden nebeneinander gestellt, dabei wird die 3 × 3-Anordnung mehrfach aufgehoben. Die Tingierung ist in Kürzeln angegeben; ab 10v ist nur noch die Kolorierung in Rot ausgeführt, ab 11v (bis auf wenige Ausnahmen in Rot) bleiben die souverän und plastisch gezeichneten Wappenbilder unkoloriert. Zuvor Lavierung mit viel freibleibendem Papiergrund, Farbmischung durch übereinander aufgetragene Farben oder hellere/ dunklere Abtönung. In Umfang und Anordnung nimmt der Kopist jedoch eine Reihe von Neuerungen vor:

4r–7r Abtswappen (Freiburg Nr. 1–58; die letzten vier Abtswappen nur zu viert auf einer Seite arrangiert, es folgen keine leeren Wappenschilde);

7v–9v Mönchswappen (45 Wappenschilde in Auswahl aus der Freiburger Handschrift [vgl. dort Nr. 64–123] und in anderer Ordnung; die Freiburger Nachträge sind hier eingearbeitet);

9v Wappen des Stifters und der Erbämter: Individuell ist die separate Darstel- lung der Wappen des ersten styffters vnd der fier amptherren dises gotzhus, die somit aus der Reihe der folgenden Fürsten- und Vasallenwappen herausgehoben werden: Karl Martell (Nr. 124) umrahmt von Erbkämmerer von Rapperswil (Nr. 141), Erbtruchseß von Rohrdorf (Nr. 140), Erbmarschall von Kiburg (Nr. 139 ), Erbschenk von Hohenberg (Nr. 142);

10r–31v Fürsten-, Vasallen- und Ministerialenwappen (336 bezeichnete und meist ausgefüllte Wappenschilde, ab 28v folgen 30 leere Schilde ohne Beischriften; auch hier ordnet Wilhelm Werner von Zimmern gegenüber der Freiburger Vorlage um, nimmt vor allem deren Nachträge zu den ständischen Gruppen in eine erneut streng hierarchische Wappenordnung auf).

Farben:

Grau, blasses Blau, Rot, Gelb, stumpfes Grün, Oliv.

Literatur:

Barack (1865) S. 434. – Barack (1866) S. 183f., Nr. 2; Brandi (1893) S. XXIIIf.; Unberechenbare Zinsen (1993) Nr. 45, S. 148, Abb. S. 149 (1v); Drös (1994) S. 14.

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 151: 2r. Bischof Pirmin empfängt von Karl Martell das Gründungsrecht für ein Kloster auf der Reichenau.

Abb. 151.