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KdiH

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26A.16.1. Freiburg i. Br., Universitätsbibliothek, Hs. 15

Bearbeitet von Ulrike Bodemann

KdiH-Band 3

Datierung:

Um 1505–1508 (Wasserzeichendatierung vgl. Hagenmeier [1988]).

Lokalisierung:

Reichenau.

Besitzgeschichte:

Seit 1819 (Ankauf von Joseph Anton Winterhalter, Pfarrer und Dekan in Oberwinden/ Elztal) in der Universitätsbibliothek Freiburg; 1825 Benutzung durch Joseph Maria Christoph Freiherr von Lassberg.

Inhalt:
1r–178v

Gallus Öhem, Chronik der Reichenau

1r–3r Bildseiten

4r–31v Wappenbuch

33r–34r Vorwort

35r Vorrede

35r–62r Von der Stiftung des Klosters und seiner Ausstattung

63r–178v Die Äbte der Reichenau

I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, 182 Blätter (neu foliiert; mehrere konkurrierende alte Foliierungen: von Texthand 1–51 [richtig 50: 11 ist übergangen], und 1[33]–36[70], von jüngerer Hand Paginierung 1–9, X–CXCVII, 198–290 mit mehreren Zählfehlern; Blatt 10 ist falsch herum eingebunden: die Versoseite gehört nach vorn. 179r–182v leer), 290 × 205 mm, Bastarda, Text: ein Schreiber, einspaltig, 26–31 Zeilen, rote Überschriften (öfters fehlend), Unterstreichungen, Lombarden über zwei Zeilen. Wohl Reinschrift nach dem Handexemplar Öhems. Bildseiten und Wappenbuch: Beschriftungen von einem Schreiber, wohl Gallus Öhem (Heinzer [1988], Drös [1994]), und mehreren Nachtragshänden.

Schreibsprache:

alemannisch.

II. Bildausstattung:

Vier ganzseitige Bilder (1r, 2r, 2v, 3r); 501 Wappenschilde, davon 406 vollständig ausgemalt (4r–31v; alt gezählt 1–503, 292 und 404 sind übersprungen), kolorierte Federzeichnung, ein Zeichner und mehrere Nachtragshände. Drös’ Vermutung, im ersten Zeichner Gallus Öhem selbst auszumachen, läßt sich nicht sicher belegen.

Format und Anordnung:

Die vier einleitenden Bilder ganzseitig, das erste und dritte ungerahmt, das zweite und vierte in linearer Stricheinfassung, die Bildräume entsprechen in etwa dem Schriftraum des folgenden Textes (ca. 200 × 130 mm). Die Bilder sind auf drei Einzelblätter gezeichnet, die dem Wappenfaszikel erst nachträglich vorgeschaltet wurden, das dritte Einzelblatt ist dabei auf das erste Blatt des Wappenfaszikels aufgeklebt worden. Die Wappenschilde sind stets zu neunt (drei Zeilen mit je drei vertikal aneinanderstoßenden Wappen) auf einer Seite kombiniert (Ausnahme: 10r mit nur sechs Wappenschilden). Als Überschrift von der Hand Öhems die Namen der Wappeninhaber.

Bildaufbau und -ausführung:

In den Eingangsbildern sind Personendarstellungen, heraldische Elemente und lateinische Spruchbänder (von Texthand) miteinander kombiniert. Vor allem in der Gestaltung der menschlichen Figuren zeigt sich der Zeichner routiniert, jedoch anspruchslos und für den Übergang zum 16. Jahrhundert altertümlich wirkend. Gedrungene Figuren in faltenreichen, durch Strichel und Farbschattierung plastisch modellierten Gewändern, stereotyp gebildete, mimisch ausdruckslose Gesichter. Auf den beiden ersten Bildern wird durch ein Bodenstück als Standfläche der Personen noch ein Handlungscharakter des Dargestellten angedeutet, in den beiden folgenden Bildern sind auch die Personen (Benediktinermönch, Abt) zeichenhaft eingesetzt. Erklärende Beischriften (lateinisch) auf den Schriftbändern von der Hand Öhems (und Nachtragshänden). In die Wappenschilde wurden bei der Vorzeichnung Farbangaben (abgekürzt zu Kleinbuchstaben) eingetragen. Die einzelnen Serien (siehe unten) ließen am Ende mit einer Reihe von leeren Schilden Raum für Ergänzungen. Auf der letzten Seite der Abtswappen erweist sich das Verhältnis von bei der Reinschrift bereits ausgeführten Wappenzeichnungen und den späteren Nachträgen: Bis zum Abt Martins von Weißenburg (1492–1508) Wappenschild vom Stammzeichner und Beschriftung von Gallus Öhem, die drei folgenden Abtswappen (bis Markus von Knöringen, 1508–1516/1523–1540) von zwei Nachtragszeichnern ausgeführt und von drei unterschiedlichen Händen beschriften.

Bildthemen:

(Details bei Drös S. 16–61): 1r Dedikationsbild (Gallus Öhem kniet vor Abt Martin von Weißenburg-Krenkingen und überreicht ihm sein Buch), darüber von jüngerer Hand Eintrag über das Jahr 1491; 2r Stiftungsbild (Bischof Pirmin kniet vor dem Thron Karl Martells und empfängt das Gründungsrecht; zwei weltliche Fürsten bestätigend gegenüber); 2v Symbole der geistlichen Herrschaft (ein Benediktiner kniet neben dem Reichenauer Klosterwappen mit den Abtsinsignien; darüber päpstlicher Ombrellino und mit Tiara bekröntes Papstwappen; ausgehend von diesem reichen Arme Krummstab und Richterstab als Amtszeichen herab); 3r Symbole der weltlichen Herrschaft (der Abt kniet neben dem Klosterwappen, darüber Helmzier mit Mitra tragendem Löwen, der das reichsfürstliche Schwert und die Lehnsfahne in den Pranken hält, darüber Reichswappen und -krone; Bezeichnung der vier reichsfürstlichen Erbhofämter durch die Wappen ihrer Inhaber). Der Aufbau der Wappensammlung kam sukzessive zustande (Drös S. 25–28): Öhem begann mit den Abtswappen (4r–7v: Nr. 1–63), ergänzt dann Wappen von Mönchen aus gräflichen und freiherrlichen Familien (8r–v: Nr. 64–84) und Wappen von Mönchen aus nicht freiherrlichen Familien (9r: Nr. 91–97), im folgenden Mönche ohne Herkunftsunterscheidung bis zur Zeit Gallus Öhems (9r–v: Nr. 90–102). Mit Nachträgen von Mönchen ohne ständische Differenzierung füllt er die zunächst leergebliebenen Schilde 8v (Nr. 85–90), und einige Schilde des Zusatzblattes 10 (Nr. 123, 109–113). Die anschließende Sammlung der Fürsten-, Vasallen- und Ministerialenwappen ist wie üblich im wesentlichen hierarchisch- ständisch gegliedert (11r–15v, 28r–31v: Nr. 124–213, 432–503), in zwei Anläufen nachträglich eingeschossene Blätter (1: 18r–20v, 23r–25v, 21r–22v. – 2: 16v–17v, 26r–27v) nehmen Ergänzungen hierzu auf.

Farben:

Grau, Schwarz, Grün, Orangerot, kräftiges Gelb (für Gold), Blau (abblätternd), Braun, Rotviolett, Weiß als freistehender Papiergrund, Rosa (Inkarnat und Weißschattierung). – Die Nachtragshände mit gedämpfteren Farben: z. B. Blaugrau, Senfgelb, Rotbraun.

Literatur:

Hagenmaier (1988) S. 8f. – Barack (1866) S. 183, Nr. 1; Brandi (1893) S. XXIII, 189 f., Taf. I–IV (Nachzeichnungen von 1r. 2r. 2v. 3r) Taf. 1–23 (Nachzeichnungen des Wappenteils); Felix Heinzer: Die Reichenauer Inkunabeln der Badischen Landesbibliothek. Ein unbekanntes Kapitel Reichenauer Bibliotheksgeschichte. Bibliothek und Wissenschaft 22 (1988), S. 1–132, hier S. 39f. 48; DRÖS (1994) passim, Abb. 1–4 (1r. 2r. 2v. 3r); Konrad (1997) S. 324 f., Nr. KO 88 mit Abb. (1r); Walther P. Liersching: Der Basilikaschirm in Wappenabbildungen des Klosters Reichenau im 16. Jahrhundert. Sein Ursprung und seine Bedeutung. Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung 117 (1999), S. 167–178. 190, Abb. 3 (2v). 4 (3r).

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 152: 1r. Dedikationsbild (Gallus Öhem überreicht Abt Martin von Weißenburg-Krenkingen sein Buch) mit den Wappen des Abts und Öhems.

Abb. 153: 7r. Abtswappen.

Abb. 152.
Abb. 153.