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KdiH

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23.0.3. München, Universitätsbibliothek, 4º Cod. ms. 485

Bearbeitet von Ulrike Bodemann

KdiH-Band 3

Datierung:

1478.

Lokalisierung:

Bayern.

Besitzgeschichte:

Aus dem Franziskanerkloster Landshut (Signatur Scriptus G am Buchrücken, Landshuter Urkunden beim Einbinden als Spiegel benutzt); seit 1802 in der Universitätsbibliothek Landshut, seit 1826 in der Universitätsbibliothek München.

Inhalt:
1. 1r–87r Konrads ›Büchlein von der geistlichen Gemahelschaft‹, Prosafassung
2. 88r–106v Ars moriendi, deutsch
3. 107r–159r Marquard von Lindau, Eucharistie-Traktat
4. 159v Neujahrspredigt, deutsch
I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, 159 Blätter (je ein Blatt fehlt vor 1, nach 10, 25, zwei Blätter fehlen nach 159), 215 × 157 mm, Bastarda, ein Schreiber (datiert 87r vierczechen hundert vnd in dem acht vnd sibenczigisten iar an sant margreden tag der heiligen junckfrawen), einspaltig, 21–26 Zeilen, rote Initialen, Überschriften, Unterstreichungen, Strichel. Die Handschrift ist vor allem im ersten Teil sehr angegriffen, auch die Illustrationen sind durch Kupferfraß stark in Mitleidenschaft gezogen.

Schreibsprache:

mittelbairisch.

II. Bildausstattung:

94 von ehemals 97 (Blattverluste siehe oben) kolorierten Federzeichnungen (1v, 2v, 3v, 4v, 6r, 6v, 7r, 8r, 9r, 9v, 10v, 11v, 12r, 14r, 15r, 16r, 16v, 17r, 17v, 18r, 18v, 19r, 20r, 20v, 21r, 22r, 23r, 23v, 24r, 25r, 26r, 26v, 27r, 29r, 30v, 31r, 31v, 32r, 32v, 37r, 38r, 39v, 40r, 41v, 42v, 43r, 43v, 44r, 45r, 45v, 46r, 46v, 47r, 47v, 48r [wie 31v], 51v, 52r, 53r, 54r, 55r, 55v, 56r, 56v, 57r, 57v, 58r, 58v, 59r, 59v, 60r, 60v, 63r, 64r [wie 31v], 65r, 65v, 66r, 67v [wie 66r], 68r, 68v, 69v, 70r, 70v, 71v, 72r, 73r, 74r, 76v, 77v, 78v, 79v, 81v, 82r, 85r), ein Zeichner. Gelegentlich mit grünem Pinsel angelegte Rankenornamente am Seitenrand (58r, 60r, 64r, 66v, 78v).

Format und Anordnung:

Ungefähr halbseitige Bilder in doppelt linierter, mit Blaßgelb gefüllter Einfassung, in der Breite ein wenig über die seitliche Schriftspiegelbegrenzung reichend (60–90 × 110–120 mm). Dem zu illustrierenden Textabsatz, der mit zweizeiliger Lombarde beginnt, stets unmittelbar vorausgehend.

Bildaufbau und -ausführung:

Sicher proportionierte, in festen Umrißlinien ausgeführte Figurenzeichnung im Vordergrund; die Protagonisten schlank, aber gedrungen, mit runden, großen Gesichtern, Augen aus zwei Bögen mit Punkt darunter, Nase aus einem umgekehrt gewölbten Bogen, Mund aus einem längeren und einem kürzeren Strich gebildet. Die Frauen mit langen Gewändern, deren Falten sich üppig am Boden bauschen. Die Gespräche und Handlungen zwischen Tugendallegorien und Braut finden in meist zentralperspektivisch aufgebauten Innenräumen statt, mit Fensterreihen an der Hinterwand und oft einem Torbogen links, durch den gelegentlich ein karg ausgestatteter Landschaftsausschnitt sichtbar wird. Auch in Landschaftsszenen agieren die Figuren im vordersten Vordergrund vor einer Hügelkulisse von geringer Raumtiefe. Der Sitz der Braut frontal oder schräg nach rechts versetzt. Modellierung und Schattierung durch parallele, selten auch kreuzweise (16r) Schraffuren, kaum jedoch bei menschlichen Figuren, mehr bei Architektur- und Landschaftselementen. Raumkonzeption oft flüchtig (19r: Balken, 9r: Bodenschattierung über das Fenster hinaus fortgeführt, 15r: Wandschraffen laufen quer über das Fenster). Die Kolorierung eventuell erst nachträglich (aber vor der Rubrizierung) angebracht (26v blieb unkoloriert), unsorgfältig, auf die zeichnerische Gestaltung wenig Rücksicht nehmend. Flächig sind Kleidungsstücke und Landschaftselemente laviert, weniger die zeichnerisch modellierten Architekturen; viel freistehender Papiergrund. Außer dem Gelb des Rahmens sind Violettrot und Kupfergrün oft die einzigen Farben. Inkarnat nur zu Beginn (bis 16r); die ersten Zeichnungen auch im Farbcharakter etwas anders: die Federzeichnung nicht schwarz, sondern braun, die Farbkolorierung wärmer.

Bildthemen:

(siehe Tabelle der Einleitung zur Stoffgruppe 23.): Detailgenaue, seitengleiche Kopien nach dem Druck Bämlers von 1477 (Nr. 23.0.a.); es fehlt die Sequenz zu den Sakramenten (in der Druckvorlage sechs Darstellungen: Bild 74–79); darüber hinaus gibt es lediglich geringfügige ikonographische Abweichungen zu den Holzschnitten: 18r ist die Verbrennung der Verdammten [21] abgewandelt durch die Ergänzung einzelner Standesvertreter (König, Geistliche) und Narren, dazu Varianten bei einigen biblischen Bildmotiven (55r Abendmahl [62]: Johannes im Schoß Jesu fehlt, 55v Jesus im Garten Gethsemane [63]: zusätzlich die nahenden Schergen, 56r Jesus an der Geißelsäule [64]: zusätzlich Pilatus im Fenster). Die im Druck irrtümlich vertauschten Bilder von Contritio (Bild 39: mit Handtuch) und Confessio (Bild 40: mit Schüssel) erscheinen hier in richtiger Folge (31r, 31v). Die Unsicherheiten des Drucks bei der Kennzeichnung der Braut durch deren Kopfschmuck setzen sich in der Handschrift fort. Ob das nicht zum ›Gemahelschaft‹-Zyklus gehörige Eingangsbild des Drucks auch in der Handschrift kopiert wurde, ist unklar, da das erste Blatt der Handschrift fehlt.

Vgl. Nr. 23.0.a.

Farben:

Kupfergrün (Kupferfraß!), Ocker, meist wäßriges, z. T. auch fast deckendes Blau und Violettrot, laviert sind Hellgrauviolett und Hellgelb; Inkarnat rot gestrichelt, Rot sonst nur selten benutzt.

Literatur:

Kornrumpf/Völker (1968) S. 149f. – Fischer/Fromm (1962) S. 119–121; Schülke (1970) S. 54f.

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 51: 11v. Drei Engel vor der sechsten Jungfrau mit Liebhaber.

Abb. 51.