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98. ›Ortnit‹ und ›Wolfdietrich‹

Bearbeitet von Lena Strittmatter

KdiH-Band 9

Die Geschichte des Drachenkämpfers Ortnit stellt nicht nur durch ihre inhaltliche Wendung vom erfolgreichen Brautwerber hin zum scheiternden Helden eine Besonderheit innerhalb der Gruppe der Brautwerbungserzählungen dar, sondern auch durch die stoffliche Ungebundenheit, da es sich um die Neubearbeitung eines heroischen Stoffes im 13. Jahrhundert handelt, entstanden durch die Kompilation verschiedener Elemente. Auch wenn der ›Ortnit‹ stets zusammen mit dem ›Wolfdietrich‹ überliefert ist, muss die Frage nach einer gemeinsamen oder separaten Autorschaft weiter ungeklärt bleiben (Millet [2008]). Gemeinsam ergeben die beiden Texte ein zyklisches Gesamtbild, bei dem Wolfdietrich als Ortnits Rächer auftritt und eine Ahnenreihe initiiert, der Ortnit, obwohl nicht in direkter Verwandtschaft stehend, symbolisch durch die Weitergabe seiner Rüstung angegliedert wird.

Es sind 17 Handschriften und Fragmente sowie sieben gedruckte Ausgaben auf uns gekommen. Kofler unterscheidet fünf Textversionen, die zwischen 2.573 und 2.893,5 Strophen variieren, von denen aber nur Version D vollständig überliefert ist (zehn Handschriften, sechs Drucke), zu der auch die beiden Handschriften Nr. 98.0.1. und Nr. 98.0.2. gehören, die nach Kofler beide Fassung a zuzuordnen sind (Kofler [2001] S. 7). Ein weiterer Überlieferungszusammenhang ergibt sich innerhalb der Heldenbücher, der an anderer Stelle ausführlich dargestellt wurde (Stoffgruppe 53.) und in dessen Rahmen ›Ortnit‹ und ›Wolfdietrich‹ mit anderen Texten der Dietrich-Epik zusammengestellt wurden.

Als Charakteristikum der Handschriftenillustrationen gerade bei heldenepischen Texten lässt sich ihre Serialität feststellen, die stereotyp die immer gleichen Kampf-, Gesprächs- und Begegnungsszenen abbildet. Diese Formelhaftigkeit ermöglichte Werkstätten wie der des Diebold Lauber oder der elsässischen Werkstatt von 1418, der die hier besprochenen Handschriften zuzuordnen sind (vgl. etwa auch Nr. 4.0.23.; Nr. 31.0.2.; Nr. 29.4A.2.), ein leichteres Abändern und somit die Nutzbarkeit für eine größere Anzahl von Texten (Ott [1995] S. 74).

Auffällig ist, dass viele heldenepische Texte, die ebenfalls der Gruppe der Brautwerbungserzählungen zugeordnet werden können, wie ›Herzog Ernst‹, ›Oswald‹, ›Orendel‹ oder ›König Rother‹, nicht illustriert überliefert sind. Eine Ausnahme stellt in diesem Zusammenhang neben ›Ortnit‹ und ›Wolfdietrich‹ auch ›Salman und Morolf‹ dar, welcher in vier bebilderten Handschriften überliefert ist (Ott [1995] S. 72; siehe künftig Stoffgruppe 112.).

Während sich in den vollständig überlieferten Heldenbuchhandschriften Nr. 53.0.2. (Illustration verloren) und Nr. 53.0.3. (kein figürlicher Buchschmuck) ebenso wie in denjenigen Handschriften, die einzig den ›Ortnit/Wolfdietrich‹ enthalten, ausschließlich Titelillustrationen finden, sind die späteren Drucke weitaus detaillierter illustriert. Erschienen ist das gedruckte Heldenbuch (Nr. 98.0.a.) in sechs Auflagen, die sich in zwei Redaktionen unterteilen lassen, bei der die jüngere (Weigand Han und Sigmund Feierabend 1560, Nr. 29.4A.e.; Sigmund Feierabend 1590, Nr. 29.4A.f.) eine andere Version des Drachenkampfes bietet (Miklautsch [2005] S. 69).

Literatur zu den Illustrationen:

Haymes (1984); Ott (1987a).

Siehe auch:
  • Nr. 53. Heldenbücher (dort auch Verweise auf weitere Heldenepik-Stoffgruppen)
  • Nr. 112. Salomon und Markolf