KdiH

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51.18.3. Paris, Bibliothèque nationale de France, ms. allem. 34

Bearbeitet von Ulrike Bodemann

KdiH-Band 6

Datierung:

Zweites Viertel 15. Jahrhundert (Wasserzeichen der Gruppe Piccard Schlüssel III, 171–308).

Lokalisierung:

Oberrhein oder Elsass.

Inhalt:
1r–135r Leben der heiligen Katharina von Siena nach Raimund von Capua: ›Der geistliche Rosengarten‹

Williams-Krapp (1989) Sp. 984 (deutsche Fassung I)

1r–v Vorrede Es was ein man in der stat senensi in dem land tusie …

2v–132r Kapitel 1–100 Do sy nu beide waren zuͦ iren tagen kumen …

132v–135r Register

I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, Blatt 1 und 10 Pergament, 140 Blätter, dazu je ein älteres sowie ein neueres Vorsatzblatt vorn und hinten (Blatt 136–140 unbeschrieben), 290 × 210mm, einspaltig, Bastarda, ein Schreiber, rote Überschriften, Strichel, blaue Lombarden über zwei Zeilen.

Schreibsprache:

niederalemannisch.

II. Bildausstattung:

1r zwei historisierte Deckfarbeninitialen, dann 100 kolorierte Federzeichnungen: 2r, 3r, 4v, 5v, 6v, 7r, 8r, 9r, 10v, 13r, 15r, 17r, 18r, 19r, 20r, 21v, 22v, 23v, 26r, 26v, 27v, 28v, 30r, 31r, 31v, 32r, 33r, 33v, 35r, 36r, 36v, 38r, 39r, 40r, 43r, 43v, 45r, 46v, 47r, 49r, 51r, 52r, 52v, 54r, 55v, 56v, 57r, 59r, 59v, 60v, 61r, 63r, 65r, 68r, 69v, 71v, 73r, 74v, 76v, 77v, 79r, 80r, 81r, 82r, 82v, 84r, 85v, 87r, 88r, 94r, 96r, 96v, 97v, 99r, 100r, 101v, 105r, 107r, 110r, 110v, 111r, 112r, 115r, 118v, 119v, 122v, 123r, 124r, 124v, 125r, 126r, 126v, 127r, 127v, 128r, 129r, 130r, 130v, 131v, 132r, zwei leere Bildräume 123v und 125v. Wohl von einer Hand.

Format und Anordnung:

Den beiden Deckfarbeninitialen 1r folgen zunächst vorwiegend ganzseitige (Ausnahme 7r halbseitig) kolorierte Federzeichnungen, danach (ab 15r) ⅓- bis ½-seitig in den Text eingefügte Zeichnungen; die nachträglich mit dem Pinsel nachgezogenen Einfassungslinien passen sich dem Bildmotiv wie dem zur Verfügung stehenden Raum an. – Bis auf zwei Ausnahmen ist jedem Kapitel eine Illustration zugeordnet: das Motiv zu Kapitel 80 aufgeteilt auf zwei Bildfelder 110v und 111r; das Bild zu Kapitel 90 ist nicht ausgeführt (Freiraum 125v). Der Bildraum 123v (zu Kapitel 87) wurde vom Zeichner vermutlich übersehen, daher kommt es zu einer versetzten Textzuordnung nach 123v, die bis zum Schluss bestehen bleibt: Ging zuvor das Bild dem zugehörigen Kapiteltext voraus, folgt es ihm nun nach. Das Schlussbild 132r ist daher in den zu kleinen Raum am unteren Bundsteg, außerhalb des Schriftspiegels gezwängt.

Bildaufbau und -ausführung:

Ob die beiden Initialen 1r – D über vier Zeilen (Jesuskind) und E über 14 Zeilen (Katharina mit Kreuzesvision) – (Hamburger 1998 und 2000–2001) oder die Bilder der gesamten ersten Lage (Hamburger 2004) von anderer Hand gemalt sind als der Rest der Handschrift, ist nicht ganz eindeutig; da aber Details der Initialen genau mit solchen z.B. des mit einem geringeren Anspruch ausgeführten Bildes 10v übereinstimmen (Schleier, Hand Jesu bzw. Katharinas, u. a.), welches seinerseits eher derselben Hand wie die übrigen kolorierten Zeichnungen zuzuweisen sein dürfte, wird man eventuell doch von einer einzigen (mindestens einer einzigen für Konzeption und Endgestaltung verantwortlichen) Hand ausgehen können (dafür spricht auch die ständige Wiederaufnahme des dreiblättrigen Schmuckelements, erstmals an der D-Initiale 1r). Der Zeichner – insgesamt eher skizzenhaft, dabei aber sehr geübt und zu spannungsreichen Kompositionen fähig (z. B. 51r wie sy der boeß geist von dem esel warf, oder 87r die ins Bild stürmenden Reiter, die den Dominikaner ergreifen wollen)– beschränkt sich auf gestisch bewegt konzipierte Figuren, Ortsangaben (Kloster) und notwendige Requisiten, nicht einmal ein Bodenstück wird zeichnerisch angegeben; dies alles ausgeführt in weicher Linienführung, ohne Schraffuren, Konturen z. T. nachträglich nachgezogen. Für die Gesichtszeichnung charakteristisch die Augenbildung lediglich aus kurzem Brauen-, längerem Lidbogen und darunter liegendem Punkt; zwei parallele Striche, der obere lang, der untere kurz, für den Mund; Haartrachten aus großen Kringellocken oder lockeren Flechten; sanft fließende Gewänder. Schwungvoll modelliert wird mit deckendem oder laviertem Farbauftrag. Der Nimbus Katharinas ist ein mit dem Pinsel ausgeführter Strahlenkranz im Gegensatz zu den »Kreisnimben« anderer Heiliger. Hintergrund stets anders ornamental gefüllt, wobei immer häufiger der Typus des Schlussbilds der ersten Lage gewählt wird: orangeroter Grund mit metallisch blauen Rankenornamenten oder umgekehrt blau mit rot.

Für die Existenz einer Vorlage könnte nicht allein der Zuordnungsfehler 123v sprechen, sondern auch der Konzeptionswechsel nach 10v; ab hier wird ein kleines, den Bildmotiven angemesseneres und eventuell der Vorlage entsprechendes Format gewählt: Die anfangs gewählten Großformate wirken leer, überdimensioniert für das Gezeichnete. Hier auch ein zeichnerischer Wechsel: Der anfangs weichen Zeichnung in wässrigem Schwarz mit breiterer Feder folgt ab 13r eine etwas härtere Linienführung in Schwarz mit dünner Feder. 10v endet ferner die Verwendung von Grün für Bodenstücke, diese stattdessen im Folgenden braun. Der Wechsel von Deckfarbenmalerei zu kolorierter Federzeichnung sowie der Konzeptionswechsel nach 10v deuten auch darauf hin, dass wir es mit drei Ausführungsniveaus ein und desselben Buchmalers zu tun haben könnten.

Bildthemen:

Als Eingangsbilder 1r oben Jesuskind, nackt, auf einem grünen Bodenstück sitzend, unten Kreuzvision der stigmatisierten Katharina; danach Szenen aus ihrem Leben; 122v–130v Mirakeldarstellungen; als Schlussbilder 131v Dominikanerinnen bitten Raimund von Capua um die Niederschrift von Katharinas Vita; 132v Jesus überträgt Katharina den Schlüssel des Gehorsams. Der Zeichner bemüht sich, die Textvorgaben sehr sprechend ins Bild zu setzen (vgl. Hamburger [1998] zu 43v): z. B. 38r und 39r (das sy der sel klorheit sach / sy sach die die selen worent vnd wie sy smacktent) die Seelen figürlich im Leib der Bittsteller sichtbar; 54r (wie ir der herre sin hercz gab) Katharina kniend vor dem Schmerzensmann, der sein Herz aus seiner Seitenwunde löst. Gelegentlich scheinen Vorgaben missverstanden worden zu sein: 99r zum Bericht über die Brotvermehrung während der Fahrt zum Papst erscheint die Darstellung Katharinas mit Begleiterin (als Pilgerinnen) mit Brot in der Hand vor Papst Gregorius. 100r eine Simultandarstellung (links eine Schwester auf dem Krankenlager, rechts Katharina füllt Wein ab), die das Weinwunder missversteht (Gerhardus lässt aus einem leeren Fass Wein für die kranke Katharina holen). Weitere Simultandarstellungen 94r (Katharina und zwei Bittsteller / Verus und ein Arzt), 101v (Gregor XI. gibt Katharina die Bulle / Katharina empfängt verklärt die Eucharistie). Dagegen ist 110v/111r ein Motiv auf zwei Bilder verteilt (Katharinas Verleumder / Katharina und der Gekreuzigte).

Farben:

Altrosa, Grün, blasses Grauviolett, Gelb, Blau, Rot, Ockerbraun.

Literatur:

Huet (1895) S. 32, Nr. 34. – Jungmayr (1992) S. 238 f.; Hamburger (1998) S.460–464, Abb. 9.20 (43v). 9.22 (4v), Taf. V (4v); Williams-Krapp (1998) S. 162; Hamburger (2000–2001) S. 149, Abb. 30 (4v); Jungmayr (2004a) S. lxxiv; Jeffrey F. Hamburger: Un jardin de roses spirituel: une vie enluminée de Catherine de Sienne. Art de l’enluminure 11 (2004), S. 2–75 (mit Abb. aller Illustrationen).

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 51.55: 51r. Leben der heiligen Katharina von Siena: Katharina, vom Satan bedrängt.

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Abb. 51.55.