KdiH

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55.0.2. Heidelberg, Universitätsbibliothek, Cod. Pal. germ. 152

Bearbeitet von Ute von Bloh

KdiH-Band 6

Datierung:

Um 1475.

Lokalisierung:

Schwaben.

Besitzgeschichte:

Erstbesitzerin: Margarete von Savoyen (vgl. das Wappen – rotes Kreuz auf weißem Grund – in den Cadellen 85v und 206v). Die Handschrift gelangte später, vermutlich über ihren Sohn, Kurfürst Philipp den Aufrichtigen (seit 1476), in die pfalzgräfliche Bibliothek in Heidelberg, in deren Katalog sie 1556/7 erstmals erwähnt ist.

Inhalt:
1r–332v Elisabeth von Nassau-Saarbrücken, ›Herzog Herpin‹
I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, 334 Blätter (neue Blattzählung), dazu drei leere Vorsatzblätter (1*–3*) und zwei leere Blätter am Schluss der Handschrift (333* und 334*). Auf dem Papiervorsatz des Vorderdeckels sind Inhaltsangaben geschrieben: Cod. Pal. Germ. 152. Pap. Saec. XV. Fol. 1*–3*. 1–332. 333*. 334*. Ornatus est codex imaginibus 260 pictis. Continet: Hystory von Herzog Herpin u. seinem Sohn. F[inke] (Hermann Finke, Kustos der Universitäsbibliothek Heidelberg 1877–1947). 295–297 × 197 mm, einspaltig, 29–36 Zeilen, Bastarda, ein Schreiber, rote Bildbeischriften, 1r große neunzeilige Zierinitiale auf dunkelbraunem Fleuronnégrund, Verzierungen des ersten Buchstabens einer Seite in dunkelbrauner und roter Tinte, gelegentlich auch rote, drei- bis vierzeilige Zierinitialen, bisweilen mit Masken (1r, 208v, 227r) und Fleuronné im Initialinnern (1r, 209r und v, 211r, 212r u. ö.), Weisehände 33r, 34r, 101v, 114v, 310v.

Schreibsprache:

niederalemannisch.

II. Bildausstattung:

260 kolorierte Federzeichnungen, mit teils deckend, teils lavierend aufgetragenen Farben; eine Malerhand (A); zu einer Gruppe von neun Handschriften aus der »Henfflin-Werkstatt« (Cod. Pal. germ. 16, 17, 18, 67, 76, 142, 345, 353) gehörend, die im Auftrag von Margarete von Savoyen entstanden ist.

Format und Anordnung:

Die Federzeichnungen nehmen jeweils die Hälfte oder zwei Drittel eines Blattes ein; sie sind durchgängig gerahmt, wobei ein Muster in hellen Gelbtönen Plastizität schafft, das den schlichten, roten Begrenzungslinien bisweilen aufgelegt ist. Nahezu alle Bilder sind von Beischriften (außer 207r) begleitet, die häufig über den Bildinhalt hinausgehen.

Bildaufbau und -ausführung:

In dichter Folge begleiten die mit Wasser- und Deckfarben kolorierten Federzeichnungen den Text. Die Bilder stammen wohl von einer Hand. Die Ausstattung orientiert sich zwar an derjenigen älterer Prachtcodices (Rahmung, weit ausschwingende Initialen, Masken usw.), doch präsentiert die Handschrift zugleich Lösungen, wie sie in spätmittelalterlichen Handschriften üblich sind: Bildhintergründe fehlen, stattdessen bemüht sich der Künstler um räumliche Weite, wenn durch Fenster und Türen Ausblicke in die Landschaft gewährt werden oder die Szenen von einem atmosphärisch gemalten blauen Himmel überwölbt sind. Doch bleibt die räumliche Anlage in die Fläche zurückgebunden. Innenräume sind stets von der Außenaufsicht ausgehend konzipiert, wobei zwei Rundpfeiler das von außen gesehene, quasi aufgeschnittene Gebäude stützen (z. B. 32r, 34v, 46r, 129r usw.). Sich wiederholende Bildmuster werden mit leichten Variationen für die Darstellung von Dialogszenen, Stadtbelagerungen oder Turnierszenen verwendet. Besondere Aufmerksamkeit bei der Ausgestaltung gilt der Schilderung der Umgebung und den Status demonstrierenden Details wie Kleidung, Pferdedecken usw. Charakteristisch für die kolorierten Federzeichnungen ist, dass die wichtigsten der am Romangeschehen beteiligten Personen an der Farbe und der Art ihrer Kleidung wiederzuerkennen sind. So ist Herpin stets in einer zur Hälfte grünen, zur anderen Hälfte hell lavierten karminroten Jacke dargestellt, kombiniert mit einer gleichfarbigen, pelzbesetzten spitzen Kopfbedeckung und einfarbig lavierten, karminroten engen Beinkleidern (z. B. 193v). Seine Gemahlin trägt demgegenüber ein bis auf den Boden reichendes Brokatkleid in hellem und dunklem Karminrot (z. B. 4r, 5v usw.). Die Farben der männlichen Protagonisten wiederholen sich in den Fahnen, Wimpeln und Schilden der zahlreichen Turnier-, Kampf- und Schlachtenszenen. Da die roten Tituli in der Nähe der Bilder nicht immer über das Bildgeschehen informieren, dienen die Farben maßgeblich der Identifizierung der Handlung.

Bildthemen:

Belagerungs-, Schlachten- und Kampfdarstellungen bilden neben Schilderungen höfischen Zeremoniells und höfischer Repräsentation (Hochzeits-, Krönungs-, Empfangs-, Turnierszenen, Aufzüge usw.) die thematischen Schwerpunkte des Bildprogramms. Zu den Charakteristika des Erzählens gehört, dass überwiegend nur ein einzelnes Erzählmoment verbildlicht ist. Mehrere Ereignisse innerhalb eines Bildes sind selten.

Farben:

Es dominieren Rot- und Grünklänge: Kaminrot; Zinnoberrot; hell lasierte und dunkle Grüntöne; daneben Ocker- und Brauntöne; ein helles Gelb, Grau und Blau.

Digitalisat:

http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg152/

Mikrofiche-Ausgabe: Ute von Bloh: Historie von Herzog Herpin. Übertragen aus dem Französischen von Elisabeth von Nassau-Saarbrücken. Heidelberg, Universitätsbibliothek, Cod. Pal. Germ. 152. München 1990 (Codices illuminati medii aevi 17).

Literatur:

Zimmermann (2003) S. 332f. – Wegener (1927) S. 71f., Abb. 81–83 (77v, 154v).

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Taf. 55.I: 25r. Die als Mann verkleidete Herzogin kämpft mit einem Riesen.

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Taf. 55.I.