KdiH

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106.7.6. Kraków, Biblioteka Jagiellońska, Rkp. 170a III

Bearbeitet von Gunhild Roth und Dagmar Hüpper

KdiH-Band 10

Datierung:

1. Hälfte 14. Jahrhundert.

Lokalisierung:

Schlesien.

Besitzgeschichte:

Der Arzt und Naturwissenschaftler Sigismund Bosniacki (1837–1921) verkaufte die Handschrift 1857 an die Bibliothek.

Inhalt:
1. 1ra–5vb Register
2. 6ra–47vb Eike von Repgow, ›Sachsenspiegel‹ Landrecht, lateinisch
Versio Vratislaviensis, 92 Artikel
3. 47vb–53vb ›Lübisches Recht‹, lateinisch
4. 54ra–78ra Eike von Repgow, ›Sachsenspiegel‹ Lehnrecht, lateinisch
Versio Vratislaviensis, 41 Artikel
5. 80ra–87ra ›Magdeburger Weichbildrecht‹
Art. VI–XVIII
6. 87ra–114ra Eike von Repgow, ›Sachsenspiegel‹ Landrecht
166 Artikel, mit Vorrede in Strophen, viele Defekte
7. 114ra–114vb Weichbildchronik
Auszug (bis Otto d. Gr.); Fortsetzung von Text 5
8.

114vb–133vb Konrad von Oppeln, ›Weichbildrecht‹
zwei Teile zu 59 und 42 Artikeln (jeweils mit Register 114vb–115rb; 126va–b, abweichende bzw. fehlerhafte Zählung zwischen Register und Artikeln); der in der Literatur als eigener Text angenommene Folgetext Von wegelage clage (126va–133vb) gehört zum ›Weichbildrecht‹, weist aber im Vergleich zur übrigen Überlieferung eine abweichende Artikelreihenfolge auf
9. 133vb–158v Eike von Repgow, ›Sachsenspiegel‹ Lehnrecht
82 Artikel, mit Register (133vb–134va)
I. Kodikologische Beschreibung:

Pergament, 158 + V Blätter, 325 × 240 mm, Textura, eine Hand (eine weitere Hand für den lateinischen Text?), zweispaltig, 24–27 Zeilen, acht fünf- bis achtzeilige prachtvoll verzierte mehrfarbige Fleuronné-Initialen (6ra, 54ra, 80ra, 87ra, 114ra, 115rb, 126vb, 134va), darunter vier mit Textbezug (siehe unten II.), zweizeilige rote und blaue Lombarden mit jeweils gegenfarbigem Fleuronné, rubriziert.

Schreibsprache:

ostmitteldeutsch und lateinisch.

II. Bildausstattung:

Eine nachträglich ergänzte Miniatur (79r) und zwei Initialen (80ra, 114ra) zu Text 5 bzw. 7 sowie eine Initiale (126vb) zu Text 8. Eine historisierte Initiale (Christus als Weltenrichter; 6ra) zum lateinischen Text 2. – Christliche Ikonografie und Strafrecht.

Format und Anordnung:

Die ganzseitige Deckfarbenminiatur (79r) ist mit einem Rahmen aus Efeublättern umgeben. Sie gehört nicht zum ursprünglichen Bildprogramm, sondern wurde nach 1500 angebracht.

Die annähernd quadratischen Initialen (ca. fünfzeilig) mit mehrfarbigen Buchstabenkörpern fügen sich mit ihrem sorgfältigen Fleuronné in die Gesamtgestaltung der Handschrift ein (nur 126vb vierzeilig und ohne Fleuronné).

Bildaufbau und -ausführung, Bildthemen:

Zu Text 5: Kreuzigung (79r) in sehr sorgfältiger Ausführung, die sich sowohl in der Gestaltung der Trauer von Maria und Johannes als auch in der Darstellung der Stadtkulisse im Hintergrund oder des aufziehenden Unwetters am vielfarbigen Himmel zeigt. – Die Miniatur, nach den lateinischen Rechtstexten vor dem deutschsprachigen ›Weichbildrecht‹-Teil, gemahnt die Menschen an ihre eigene Sterblichkeit und die Notwendigkeit eines guten bzw. gottgefälligen Lebens.

80ra: Figureninitiale (U) aus einem gebogenen Drachenkörper, auf dem ein Krieger steht. – Es beginnt der ›Weichbildrecht‹-Teil mit der Gründungslegende der Rechtsvergabe an Sachsen (zu Art. VI §§ 1–2). Es ist denkbar, dass die Szene des Drachentöters an die zurückliegenden rechtsunsicheren Zeiten Magdeburgs und deren Überwindung (besiegter Drache) erinnern soll.

114ra: Figureninitiale (U) aus einem Weinstock und Christus mit Segensgestus. – Es beginnt die Weichbildchronik mit der Zeitenrechnung seit Schaffung der Welt, sodass hier der Schöpfergott gemeint sein könnte (vgl. Daniels/von Gruben [1858] S. 14).

Zu Text 8, 126vb: Figureninitiale (H) aus zwei kämpfenden Männern. Die körperliche Unterlegenheit der rechten Figur im blauen Rock ist durch überkreuzte Hände (Unfähigkeitsgestus), gespreizte Beine und den weit geöffneten Mund gekennzeichnet. – Es handelt sich vermutlich um die Darstellung einer tätlichen Auseinandersetzung, von der im anschließenden Text unter der Überschrift Von wegelage hebit sich hi an als vermeintlich historischem Bericht über die Protagonisten Heinrich und Konrad berichtet wird. Die Auseinandersetzung ist im Bild ins bäuerliche Milieu verlegt (vgl. Art. XLI §§ 4–5).

Farben:

Blau, Grün, Rot, Brauntöne, Gelb, Rosé, Orange, Grautöne.

Literatur:

Włodek/Zathey/Zwiercan (1980) S. 159–162; Oppitz 2 (1990) Nr. 846.

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 194: 126vb. Tätlicher Angriff (Wegelagerei).

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Abb. 194.