KdiH

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65.2.4. Rein, Stiftsbibliothek, Cod. 204

Bearbeitet von Pia Rudolph

KdiH-Band 7

Datierung:

1372 (224r) / 1373 (12r).

Lokalisierung:

Wien (12r).

Besitzgeschichte:

Erstbesitzer und Verfasser des Kalenderteils: Wurmprecht (12r) aus Wien; es ist nicht bekannt, wann die Teile zusammengebunden wurden. Im 17. Jahrhundert neu gebunden: der Einband zeigt das Reiner Stiftswappen, wie die Handschrift nach Rein kam, ist ungeklärt. Die Handschrift wurde, wie einige wenige weitere Handschriften (z. B. Cod. 205 [mit einem Parzival-Fragment aus dem 13. Jahrhundert] und Cod. 206 [sog. Wolfgang-Missale]), direkt beim Abt in der Prälatur aufbewahrt. Im 19. Jahrhundert wurden diese Werke in den Handschriftenbestand der Stiftsbibliothek überführt (Auskünfte von Walter Steinmetz).

Inhalt:
1. 1r–13v Sog. Kalender Wurmprechts
1r–6v Kalender mit Angaben zur Tageslänge in Stunden und Minuten, der alten goldenen Zahl, Sonntagsbuchstaben, Heiligenfesten, der neuen goldenen Zahl, Neumond in Stunden und Minuten; 7r–13r Berechnung der Sonnen- und Mondfinsternisse von 1376 bis 1386, Tafeln zur Bestimmung des Mondstands und der Planetenstunden, Intervalltafel, Berechnung des Sonntagsbuchstabens und der goldenen Zahl, darunter auch (10r–13r): Mondwahrsagetext, deutsch sowie Reisemondbuch (13r), lateinisch und deutsch; 13v Einleitung des Kalenders mit Reise-Prognostik, Anweisungen zum Gebrauch, verworfenen Tagen
2. 14r–224r Österreichischer Bibelübersetzer, ›Psalmenkommentar‹
siehe Nr. 104.3.3.
3. 224v Nachtrag: Rezepte zum Wein, deutsch
I. Kodikologische Beschreibung:

Pergament, II + 224 + I Blätter, moderne Bleistiftfoliierungen, 300 × 225 mm, Textualis, ein Schreiber: Johannes von Hof aus dem Vogtland, Schreibervermerk am Ende des Psalmenkommentars (224r) »Johannes vom Hoff auz der Voyt Lant dem erbern Mann Ludweigen, Purger ze Eger« (Steinmetz [s. u. Literatur]), einspaltig, 41–43 Zeilen, rote und blaue Lombarden, rubriziert, Text 1 mit lateinischen und deutschen Nachträgen (8r, 12r–13v), moderne Hand: Foliierung von 1r–13v, die Einleitung des Kalenders (heute auf 13v) war ursprünglich 1r, der Kolophon auf 12r war ursprünglich das Ende des Kalenderteils, das Blatt 13 wurde falsch herum und an der falschen Position eingebunden, hier wird der heutige Zustand beschrieben.

Schreibsprache:

mittelbairisch.

II. Bildausstattung:

Text 1: Zwölf mit Deckfarben kolorierte Federzeichnungen (Tierkreiszeichen), ein Illustrator. 1r, 6r, 12r, 13r: Federzeichnungen (Stadtansichten, Strichzeichnungen), ein Nachtragszeichner. Text 2: Deckfarbenillustrationen, häufig auf Goldgrund, ein Illustrator. 14r: Miniatur sowie eine historisierte B-Initiale und eine weitere B-Initiale am Rand, ornamentale Rahmung; 54v, 77v, 101v, 122r, 146r, 166v, 182v: jeweils eine historisierte Initiale; 191v, 218r: jeweils eine Zierinitiale.

Format und Anordnung, Bildaufbau und -ausführung, Bildthemen:

Text 1: Kalender (1r–6v, eine Seite pro Monat) mit den entsprechenden Tierkreiszeichen in Medaillons mit Goldumrahmung am unteren Rand, nachträglich wurden kleine Stadtansichten (1r, 6r, 12r) und Strichzeichnungen (13r) mit schwarzer Tinte angebracht, wahrscheinlich von einem Nachtragsschreiber. Die Zeichnungen der Städte wurden in die freien Textfelder oberhalb der KL-Lombarden eingefügt (1r, 6r) sowie einmal unterhalb des Kolophons (und eines Nachtragstextes) auf 12r, in dem sich der Schreiber nennt und auch die Stadt, in der der Kalender entstanden ist. Wien bekam dabei sogar eine eigene kleine Stadt-Skizze direkt über dem Namen wyenn. Die Ansicht von Wien und die Stadt am unteren Blattrand werden visuell durch einen Turm miteinander verbunden.

Die Städte werden durch zahlreiche Türmchen und umgeben von einer Stadtmauer angedeutet sowie an einem Fluss verortet. Brücken führen über die Flüsse, in denen Fische schwimmen, durch die Stadttore. Menschen in Booten sind zu sehen. Die Stadtansichten verdeutlichen die Bedeutung der Kalenderrechnungen als Ausgangspunkt für eine Reise-Prognostik, wie sie auch im Text erklärt wird. Vor Reiseantritt orientierte man sich an den Sternen und Planeten (z. B. dem Stand des Monds im Tierkreiszeichen), um eine sichere und gesunde Fahrt bzw. Rückkehr zu gewährleisten.

Farben:

Text 1: Gold, Blau, Rot, Schwarz. Text 2: Gold, Blau, Rot, Grün, Rosa, Lila.

Literatur:

Walter Steinmetz: Handschriftenverzeichnis der Stifts-Bibliothek zu Rein auf der Grundlage des Handschriftenverzeichnisses in Xenia Bernardina II.I (1891) von P. Anton Weis. 1999–2001: http://sosa2.uni-graz.at/sosa/stift_rein/HsVerzeichnisRein.pdf. – Hans Kristof: Heinrich des Teichners (!) Reimkalender in einer Zwettler Handschrift und Wurmprechts Wiener Kalendarium 1373. Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich, N. F. 34 (1960), S. 232–286; Ute Müller: Deutsche Mondwahrsagetexte aus dem Spätmittelalter. Diss. Berlin 1971, S. 178–182; Christoph Weißer / Marianne Halbleib: Wurmprecht. In: 2VL 10 (1999), Sp. 1449f.; MeSch II (2002), Textbd. S. XVIII, S. 74f., S. 308 (Katharina Hranitzky), S. 188 (Andreas Fingernagel); Gerold Hayer: Hans Sachs in der Klosterbibliothek. Deutsche Handschriften in der Stiftsbibliothek Rein. In: Zisterziensisches Schreiben im Mittelalter – Das Skriptorium der Reiner Mönche. Hrsg. von Anton Schwob / Karin Kranich-Hofbauer. Bern 2005 (Jahrbuch für Internationale Germanistik, Reihe A, Kongressberichte 71), S. 193–205.

Anmerkungen:

Zu Text 2 siehe Stoffgruppe 104. Psalterien.

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 71: Rein, Stiftsbibliothek, Cod. 204, 12r. Wurmprechts Kalender: Stadtansichten.

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Abb. 71.