KdiH

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49a.5.1. Erlangen, Universitätsbibliothek, MS.B 200 (früher MS 1463)

Bearbeitet von Pia Rudolph

KdiH-Band 6

Datierung:

Um 1524.

Lokalisierung:

Passau (?).

Besitzgeschichte:

Im hinteren Spiegel: Segenswunsch eines Besitzers oder Benutzers für den Schreiber der Handschrift: SEIN SEL SOL GOT BEWARN ICH HAB IN WOL ERKENDT 1543 G SCHECK. Nachweisbar ist als Besitzer zuerst Johann Jakob Baier (Medizinprofessor der Universität Altdorf, † 1735): eingeklebtes Exlibris im vorderen Spiegel (JOH[ANN] JAC[OB] BAIERUS PH MED D, umkränztes Wappen mit Schild und Aufsatz, jeweils von einem Bären geziert). Er hinterließ seine Handschriftensammlung der Universitätsbibliothek Altdorf. Deren Bestand wurde nach der Auflösung 1809 in die Universitätsbibliothek Erlangen eingegliedert (Pültz [1973] S. 130). Hinterer Spiegel: 163, mit Bleistift: –40 x. Vorderdeckel: alte Nummer 37 und GLJ. Vorderer Spiegel: Signatur: Cim. P24.

›Bayerische Bild-Enzyklopädie‹, auch als ›Liber Quodlibetarius‹ bezeichnet

Soweit nicht anders vermerkt, Bildseiten mit deutschen Beischriften

Inhalt:
Vorderspiegel, Ar–Br Ganzseitige, kalligraphische Schriftproben
Br Textzierseite: Quodlibettarius
1. 1r–10r Das Schöpfungswerk und die besiedelten Erdteile
1rchaos (lateinische Beischrift); 1v Die iiii Element. 2res wert an liecht an de firmament; 2v Teilung von firmament und wasser; 3r Meer; 3v Lichter am Firmament, die tag undt nacht tailln; 4r Erschaffung der Tiere am fúnfften tag; 4v Erschaffung aller weiteren Tiere und des Menschen am segsten tag; 5r Das ganze Firmament mit göttlicher Sphäre; 5v Erschaffung Evas: aus adam hat er gemacht eúam; 6r Fabelwesen: manigerlay thiere auf dem ertreich; 6v–9r Fremde Erdteile (india, ethiopia, paradeis, libia, arabia …) und ihre Fabelwesen (cenorephali, Sirene, delphin …); 9v–10r Doppelseite: Arche Noah (archa noe)
2. 10v–13v Sieben Weltwunder
10v Hagia Sophia. kirchen zu Constantinopl; 11r Turm von Babylon. túern babilon; 11v Stadt Smigma; 12r Ein Bad von einer kertzen erhitzt; 12v Säule des clarelido70 ellpog hoch; 13r Ein Haus aus Stein gehauen in der stat eradia; 13v Ein großer Turm, der im Wasser auf iiii glesernen krebsen steht (zwei weitere Weltwunder werden nachgeschoben auf 113r und 114r)
3. 14r–53v Die Beziehung des Menschen zu seiner Umwelt; Tabellen und Schemata, darunter Doppelseiten (43v–44r, 44v–45r) und bewegliche Elemente (z. B. 21r, 31r)
Darunter: Erstellen eines Horoskops zur Geburt, Himmelssphäre, Kraft der Planeten, Sternzeichen, Sonnen- und Mondstand, Planeten- und Tagesverlauf, Mikro- und Makrokosmos, Temperamentenlehre, Winde, Wetterprognosen, Sonnen- und Mondfinsternis, Geographisches, Klimatisches, Horologien, Chiromantie, Maße etc.
4. 54r–57v Diverses
54reinen unsinigen oder ain besessen zu erkenen und helfen (mit lateinischer Beischrift); 54vzú messen wie vil pfúnt schmaltz in ain hefen sint; 55r Gezinkte Spielkarten; 55v Würfelbecher, Gaúcklerey; 56rmanigerlay kreyter (Naturselbstdrucke); 56v–57r Landkarte über eine Doppelseite von Flandern über Polen bis Italien; 57v Darstellung der Welt (? keine Beischrift, Seite eventuell unfertig)
5. 58r–62v Pferdemundstücke (58r fúr ain wilt roß …)
6. 63r–79r Medizinisches
63r Pulsmessen; 63v Blutschau; 64rwie vndt wo dy 12 zaichen an dem menschen ire wúrckúng haben; 64v–65r Aderlass; 65v Hilfe bei diversen Verletzungen; 66rúber welch tail des menschen die planeten am maisten herschen; 66v Aderlass; 67r Krankheiten der Frau Im kopf Im leyb; 67v–72ar Chirurgische Darstellungen, mögliche Schmerzen am Menschen, Amputationen; 72av Harn- und Blutschau; 73r–75r Medizinische Instrumente; 75v Zu erkennen, ob ein Mensch sterb oder genes; 76r Schema, wie all krankhaiten mit namme haissen; 76v Schema zur Harnschau; 77r Anatomie; 77v Zum weiblichen Körper; 78r–79r Kindslagenbilder, darunter auch Zwillinge und siamesische Zwillinge, sowie ein Geburtsstuhl
7. 79v–80v Physiognomik
8. 81r–85v Chiromantie
9. 86r–91v Musterbuch (kaum Text)
86r–v Hauben und Hüte; 87r–91v Tierdarstellungen (87rwie man vogl sol vahen vindest am 157 blat)
10. 92r–95r Alchemistische Instrumente, Destilliergeräte
11. 95v–100r Diverses
Darunter: 95vGeomantia ein kúnst der war sagúng …; 99r Ein Experiment (mit lateinischer Beischrift); 100rweter machen mit Hilfe von schwarzer Magie
12. 100v–102v Schieß- und Kriegskunst
100vDie iii Schúß zú lernenn ein teúflische kúnst am (Text bricht ab; Parallele zu Krakau, Przyb. 35/64: 57rdie iii schúss zú lernen an dem kharfreitág … Aberglaube); 101r Waffen, Kanonen; 101v–102r Doppelseite: Schlachtenordnung; 102v Angreifer, türkische Reiter und Soldaten
13. 103r–v Schlösser und Schlüssel
14. 104r–v Schachspiel
15. 105r–116v Diverse Schemata, (Zahlen-)Mystisches
105r Die sieben freien Künste; 105v Die sieben freien Handwerke; 106r Die sieben Wetter erkennen, anhand der Wolkenfarbe; 106v Die sieben Farben; (auf dem Kopf stehend eingebunden, alte Foliierung beibehalten, heutige Reihenfolge 114v–107r:) 114v Die zwölf Plagen im AT; 114r Drei übereinanderliegende Brücken (in Krakau, Przyb. 35/64, 17r: bei den Weltwundern); 113v Bergbau; 113r Das Kolosseum, Beischrift verweist auf Blatt 152 die wúnderpúrgk (in Krakau, Przyb. 35/64,16v bei den Weltwundern); 112v–111v Die zwölf Merkmale, die Regen ankündigen; Die zwölf Gesteine; Die zwölf edelsten Tiere; 111r Die vier größten Wälder; 110v–109v Labyrinthe; 109r Die sieben Wochentage und ihre Bedeutung für die sieben Lebensalter; 108v ›Vogelschau‹; 108r Die sieben Wochentage und ihre Bedeutung für den Geburtstag; 107v Die sieben Erdoberflächen; 107r Die sieben Wochentage und ihre Bedeutung für Geschäfte; 115r Die fünf von Gott vernichteten Städte; 115v Die vier höchsten Berge; 116r Die 15 Zeichen des Jüngsten Gerichts; 116v Weltansicht mit Meridianen
16. 117r–v Nützliche Tiere
117r Pferd. ein guet roß zu erkennen vndt mengl oder krankhaiten ains haben mag suech am blat165; 117v Fische. Welche visch gesunt od nútz sein
17. 118r–125r Fechter und Ringer
125r Ein Mann mit seinem bösen Weib als Abschluss des Ringerbuchs In warten In kreiteren in stainen leit vil krafft mit lateinischer Übertragung In verbis et in herbis [über der Zeile ergänzt: et in lapidus] multa jacet vis (Parallele zu Krakau, Przyb. 35/64, 95vwelcher man ain pós weib hat der praúch wort kreit vndt stain …)
18. 125v Werkzeuge
19. 126r Figurenalphabet
20. 126v–129v Musikinstrumente
21. 130r–147v Geometrie, geometrische Zeichnungen. Musterbuch (ohne Text)
135v–137vstainmetzischs kúnst; 138r–139v Glasfenster; 140r–144r Ornamente, Windungen; 144v–147v Schriftzüge, verschiedene Schriftarten
22. 150r–v Der gordische Knoten, Rätsel, Rezepte, Tricks, Jungfernbad
23. 151r–185r Erklärender deutscher Text zu den vorhergehenden Darstellungen
Aúslegúng der vormelten rotl und ander Geschicht …; Vom Paradies und seinen vier Flüssen, von den Weltwundern, von den Planeten, astrologisch-astronomische Themen, von allen Gewichten, Medizin, Namen der Kräuter, Aderlasstext, Alchemie, von den Edelsteinen, vom Wetter, wie man Vögel fangen soll, wie man fischen soll, von Pferden, zum Geburtshoroskop, von der Kunst, Chiromantie, Geometrie (darunter 184v mathematische Skizze des Schreibers)
24. 185v–192r Deutsche Gedichte, Priameln (angeführt bei Kiepe [1984] S. 373–375), Lügenmärchen
185v Zwei geistliche Strophen, dazwischen ein Rätselspruch: Der Mensch in allen Jamer felt wen er geboren wirdt In die welt; 186r Priameln. Wer Boden will Ein raben weis …, Priamel des Hans Rosenplüt. Wer vom pecken kauft korn …; 190v Lügenmärchen. Maniger will vil khunnen liegen, so will ich niembt betriegen …; 192rIch sach zu ainem ferrnen zil 3 auf ainem fues lauffen
25. 192v–199v Musterbuch (ohne Text). Labyrinthische Strukturen, v. a. Gewölbeformen

Schwesterhandschrift zu Krakau, Biblioteka Jagiellońska, Przyb. 35/64 (Nr. 49a.5.2.), die keinen erklärenden Textteil besitzt. Zusätzlich wurde in MS.B 200 als letzte, von der Bilderhandschrift unabhängige und womöglich früher entstandene Lage eine Priamel-Sammlung eingebunden. Da unter den Priameln auch diejenigen des Hans Rosenplüt zu finden sind, vermutete man zunächst Nürnberg als Entstehungsort (Kiepe, S. 374).

I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, noch 206 Blätter (gezählt A + 199 + B; 1–185 vom Schreiber foliert, dabei nach 38 12 Blätter übersprungen [=a–m], Blatttzahl 72 doppelt vergeben [72, 72a]; Schreiberzählung modern fortgesetzt 186–199; herausgerissen die Blätter 97, 98, 148, 149, 174, 175, 179, 180; auf dem Kopf stehend eingebunden Blatt 107–114), 290 × 210 mm. Text in der Regel einspaltig, Bastarda (übergeordnete Texte), Kursive (längere Textpassagen, Beischriften). Ein Schreiber: Benedictus Rughalm, nur im Priamelteil 185v–192r eine weitere Hand (Kiepe [1984] S. 374). Benedictus Rughalm nennt sich mehrfach: 164r in roter Schrift: 1524 Benedictus Rughalm patavius dahinter in schwarzer Tinte die Ergänzung pfaff. Hinterer Spiegel: BENEDICTUS RVGHALM, darunter: homo omnium horarum 1524. Die Familie Rughalm ist in Passau nachgewiesen, Benedictus und sein Verwandter Wolfgangus Rughalm waren 1500 an der Universität Wien immatrikuliert (Kiepe, S. 373f.).

Schreibsprache:

nord- bis mittelbairisch.

II. Bildausstattung:

Textierte Bildtafeln in kolorierten, getuschten Federzeichnungen mit anschließendem, erklärendem Textteil. Lutze (1971, S. 58f.) vermutet zwei Zeichner: Einen »sehr mäßigen Zeichner II« und einen Hauptzeichner, den er mit WR bezeichnet, nach einem Kolophon auf 86v (1524 WR), es handelt sich aber eher um ein Kürzel für Benedictus Rughalm. Wie bei der Schwesterhandschrift (Nr. 49a.5.2.) können Händescheidungen und Vermutungen zum Herstellungsprozess bzw. zur Anzahl beteiligter Maler, die nach stilistisch heterogenen Vorlagen arbeiteten, nur spekulativ bleiben.

Format und Anordnung, Bildaufbau und -ausführung:

Die Schwesterhandschriften wurden sehr ähnlich konzipiert und ausgeführt, so dass man davon ausgehen kann, dass es eine gemeinsame Vorlage gegeben hat. Der Bildteil der Erlanger Handschrift ist umfangreicher, zudem besitzt sie einen separierten Teil 151r–185r, der die Bildtafeln im Fließtext erklärt.

Das Werk besitzt eine visuell einheitliche Grundstruktur, trotz der denkbar unterschiedlichen Themen, die es zusammenführt.

An den unfertigen Bildseiten (116v) kann nachvollzogen werden, dass zunächst der rechteckige Bildraum angelegt wurde, der nahezu die gesamte Seite einnimmt und in unterschiedlichsten Farben koloriert und getuscht ist. Auf mehreren Seiten schimmert der Hintergrund kupferfarben (z. T. korrodiert): 1r, 2r, 3r (eventuell noch auf der Doppelseite 43v–44r, wegen der Anfälligkeit der Technik ist hier ein sehr verschwommener Hintergrund zu sehen). Der Auftrag von Kupferfarbe ist immer nur auf einer Seite möglich und offenbar so aufwändig, dass er schnell wieder aufgegeben wurde und nur noch einmal (112r) wieder auftaucht (vielleicht in Entsprechung zur Farbigkeit der Edelsteine, von denen hier die Rede ist). Nach dem Bildraum wurde das Grundgerüst der Binnendarstellung festgelegt, die sich immer zentral innerhalb des Bildraums befindet und häufig als Rundbild gestaltet ist. Viele Schemata auf den Blättern 14r–53v wurden mit beweglichen Elementen (Pfeile, Drehscheiben) ausgestattet (19r, 21r, 31r), z. T. sind mehrere Scheiben übereinander angebracht. Innerhalb der Rundbilder, Schemata, Tabellen finden sich häufig Beischriften in unterschiedlicher Farbe, dazu Goldapplikationen für Sterne und kleine, dekorative Punkte, auch Lackfarbe wurde verwendet (54v). Seiten unterschiedlichster Themen weisen Naturselbstdrucke von Kräutern und Pflanzen auf. Manchmal sind spätere Zusatzzeichnungen von anderer Hand zu sehen (z. B. Seeungeheuer 7v, unten 86v).

Der Text wurde immer zuletzt eingefügt, oft bleibt das Zeilengerüst im Bildraum auch einfach leer. Die Handschrift wurde für dieses Verweissystem von Anfang an foliiert. Um die Auffindbarkeit der gewünschten Textstellen zusätzlich zu erleichtern, sind im schwarzen Fließtext Stichworte oder ganze Zeilen in verschiedenfarbiger Auszeichnungsschrift hervorgehoben oder zumindest mit Rot unterstrichen. Bild- und Textteil müssen demnach gemeinsam konzipiert worden sein.

Die komplizierte Konzeption der Handschrift bereitete schon zur Zeit der Entstehung kleinere Schwierigkeiten: Die Foliierung war zum Teil fehlerhaft, so dass Rughalm sich mit Ersatzzählungen behelfen musste (38a–m); zwei Weltwunder fehlen in Abschnitt 10v–13v und kommen unvermittelt in einem späteren Bildabschnitt (113r, 114r) vor; es kam zu Abschreibfehlern (in der Temperamentenlehre 38v sind Sommer und Frühling vertauscht, der Text auf 100v bricht einfach ab); die Darstellung ›Mann mit seinem bösem Weib‹ (125r) ist (wohl durch mehrere Zwischenschritte in ihrer Überlieferung) so stark verunklärt, dass man nur anhand der Krakauer Handschrift (95v) auf das Bildthema schließen kann.

Die Bildvorlagen stammen häufig aus der Druckgraphik. Die Erlanger Handschrift hat etwas aktuellere Vorlagen verwendet als die Krakauer Schwesterhandschrift, was bestätigt, dass sie später als diese abgeschlossen wurde. Im Allgemeinen wurden die Holzschnitte nicht exakt kopiert, sondern variiert und häufig in Rundbilder umgeformt. Dabei orientiert sich Erlangen, MS.B 200 sehr viel genauer an den graphischen Vorlagen als die Krakauer Handschrift.

Identifizierbar sind v. a. folgende Vorlagen
– Hartmann Schedel, ›Liber chronicarum‹ (Nürnberg: Anton Koberger für Sebald Schreyer und Sebastian Kammermeister, 1493; GW M40784): für Schöpfungswerk und wundersame Erdbewohner (1r–7v), eventuell Arche Noah (9v–10r).
– Johannes Regiomontanus, ›Kalender‹ ([Nürnberg: Hans Sporer, ca. 1474–1476]; Blockbuch (vgl. München, Staatsbibliothek, Xylogr. 45): eventuell für 38bv–38cr, 38dv.
– Johannes Sacroboscos ›Sphaera mundi‹ und ›Opus sphaericum‹ (z. B. Leipzig: Konrad Kachelofen, [1489]; GW M14579): für astronomisch-astrologische Darstellungen und geometrische Elemente.
– Johannes Stabius, Horoskop für Kaiser Maximilian I. ›Horoscopion omni generaliter congruens climati‹ (Nürnberg: Hieronymus Höltzel, 1512; Einblattdruck; New Hollstein 75 [2010] Nr. 128–130): für 34v.
– Johannes Stabius, ›Figura Labyrinthi‹ ([Nürnberg: Wolfgang Huber, ca. 1504]; VD16 S 8415): für 109v–110v (der erklärende Text zu den Labyrinthen [172] ist nicht die deutsche Übersetzung des lateinischen Stabius-Textes).
– Bernhard von Breidenbach, ›Peregrinatio in terram sanctam‹ (Erstdruck Mainz: Erhard Reuwich, 1486 [GW 5075]), 132v: für Tiere auf 89v (hec animalia sunt veraciter depicta sicut vidibus in terra sancta).
– Hieronymus Brunschwig, ›Buch der Cirurgia‹ (Erstdruck: Straßburg: Johannes Grüninger, 1497 [GW 5593]), XIXr: für chirurgische Geräte, nun auf mehrere Seiten verteilt: 73v–75r.
– Petrus de Tossignano, ›Fasciculus medicinae‹ (Venedig: Johannes und Gregorius de Gregoriis, 1500 [GW M14181]): für Darstellungen zur Anatomie und Krankheiten bei einer Frau (77r und 77v), evtl. für 63v (Blutschau) und 76v (Urinschau), darüber hinaus vielleicht für 64r–65v (Aderlassmann, Krankheitsmann, Wundenmann).
– Eucharius Rößlin, ›Der schwangeren Frauen und Hebammen Rosengarten‹ (Erstdruck Straßburg: Martin Flach, 1513 [VD16 R 2848]): für Kindslagenbilder und Geburtsstuhl (78r–79r); vgl. Kiepe [1984] S. 373.
– Hans von Gerdorff, ›Feldbuch der Wundartzney‹ (Straßburg: Johannes Schott, 1517 [VD16 G 1618]): für den Text 158r–161r (Von dem feltbúech … Namen der kreitter …) und für die Darstellungen chirurgischer Instrumente und Behandlungen, Amputationen etc.
– Petrus Apian, ›Cosmographia‹ (Landshut: Peter Apian und Johann Weißenburger, 1524 [VD16 A 3080]): u. a. für 30r (nach Apians Titelblatt), 31v–32v (nach Apian, XIIIIr –XVv), 29r (IIIv), 32v (XVIv und XVIv).

Bildthemen:

Die Bilderhandschrift besteht aus einer Aneinanderreihung an Themen, die sich als enzyklopädisch (Weltwunder, medizinisches und astronomisches Wissen) gemischt mit ›alltäglichem‹ Inhalt (Pferdemundstücke, Fechten und Ringen) beschreiben lassen (siehe oben: Inhalt). Auffällig ist, dass die Darstellungen im Gegensatz zur Krakauer Handschrift immer stärker aus dem Grundschema der Rundbilder ausbrechen und zwar zugunsten von Aneinanderreihungen von Bildern auf einem Blatt. Es wird Vollständigkeit angestrebt, d. h. es werden möglichst vollständig und realistisch alle chirurgischen Instrumente gezeigt, alle chirurgischen Operationen, alle Musikinstrumente, alle Tiere etc., wo in der Krakauer Schwesternhandschrift noch ein Bild für viele weitere steht.

Die mit Hilfe von Zirkeln angebrachten Kreise verweisen auf eine kosmische, göttliche Weltordnung, die traditionell mit Hilfe von Rundbildern veranschaulicht wurde. Die Möglichkeit der Vermessung von Gesichtern oder geometrischen Körpern, das Beherrschen der Jahres- und Tageszeiten, das Ver-stehen eines mathematisch architektonischen Aufbaus sowie das Erkennen des kosmischen Einflusses auf den Menschen werden in dieser Handschrift verhandelt (64r wie vndt wo dy 12 zaichen an dem menschen ire wúrckúng haben). Bild und Text verweisen darauf, dass der Mensch dem Kosmos nicht ausgeliefert ist, sondern sein Handeln nach den erkannten Strukturen ausrichten und eventuell verändernd eingreifen kann (wenn nötig chirurgisches Eingreifen: 67v–72ar; oder: 54r einen unsinigen oder ain besessen zu erkenen und helfen, 117r ein guet roß zu erkennen vndt mengl oder krankhaiten ains haben mag).

Farben:

Weiß, Gelb, Rosa, Rot, Violett, Blau, Grün, Braun, Grau, Schwarz, selten goldene und kupferfarbene Elemente.

Literatur:

Johann Conrad Irmischer: Handschriften-Katalog der Königlichen Universitäts-Bibliothek zu Erlangen. Frankfurt am Main / Erlangen 1852, S. 270 (Nr. 1463); Eberhard Lutze: Die Bilderhandschriften der Universitätsbibliothek Erlangen. Wiesbaden 1936. Unveränderter Nachdruck 1971, S. 58–70, Abb. 34–39 (67r, 68v, 72v, 80v, 86v, 126v); Otto Pültz: Die deutschen Handschriften der Universitätsbibliothek Erlangen. Neu beschrieben von Otto Pültz. Hrsg. von Armin Dietzel und Günther Bauer. Wiesbaden 1973, S. 130. – Christoph Ferckel: Eine Bilderhandschrift vom Jahre 1524. Mitteilungen zur Geschichte der Medizin und Naturwissenschaften 12 (1913), S. 278–281; Hansjürgen Kiepe: Die Nürnberger Priameldichtung. Untersuchungen zu Hans Rosenplüt und zum Schreib- und Druckwesen im 15. Jahrhundert. München 1984 (Münchener Texte und Untersuchungen 74).

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Taf. 49a.IIIa: Erlangen, Universitätsbibliothek, MS.B 200 (olim Ms. 1463), 38v. Diagramm: Mensch in vier Farben laviert, entsprechend seiner aus den vier Elementen hervorgegangenen Beschaffenheit.

49a.5.1._Taf._49a.IIIa.jpg
Taf. 49a.IIIa.