KdiH

KdiH

_ (der Unterstrich) ist Platzhalter für genau ein Zeichen.
% (das Prozentzeichen) ist Platzhalter für kein, ein oder mehr als ein Zeichen.

Ganz am Anfang und ganz am Ende der Sucheingabe sind die Platzhalterzeichen überflüssig.

ß · © ª º « » × æ œ Ç ç č š Ł ł ́ ̀ ̃ ̈ ̄ ̊ ̇ ̋ ͣ ͤ ͥ ͦ ͧ ͮ Α Β Γ Δ Ε Ζ Η Θ Ι Κ Λ Μ Ν Ξ Ο Π Ρ Σ Τ Υ Φ Χ Ψ Ω α β γ δ ε ζ η θ ι κ λ μ ν ξ ο π ρ σ ς τ υ φ χ ψ ω ͅ ̕ ̔

106.5.2. Den Haag, Koninklijke Bibliotheek, MS 78 J 22

Bearbeitet von Gunhild Roth und Dagmar Hüpper

KdiH-Band 10

Datierung:

1. Hälfte 16. Jahrhundert (Wasserzeichen; Munzel-Everling [2019] S. 209).

Lokalisierung:

Nördliche Niederlande, östlicher Teil (Salland, Twente, Geldern/Kleve).

Besitzgeschichte:

Besitzereinträge: Siebertus Bolta 1547 (Vorsatzblatt); Matthias von Wicht (?, um 1746; er trennte die Handschrift vermutlich), Pieter Bondam (?, 1769 verkauft; † 1808); mit Teil der Sammlung des Joost Romswinckel aus Leiden (1745–1824) durch König Louis Napoleon 1807 erworben und der Bibliothek übergeben. Ursprünglich zusammengebunden mit MS 74 J 45 (›Chronik von Groningen‹ des Johann Lemmenge).

Inhalt:
1r–113v ›Kleines Kaiserrecht‹
mit Register (1r–7r)
I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, 113 Blätter, 203 × 145 mm, Bastarda, eine Hand, einspaltig, in der Regel 25 Zeilen, Zierinitialen am Beginn des Registers und der Bücher, häufig am unteren Blattrand Ranken mit Eichenlaub und Köpfen, rubriziert, Fleuronné.

Schreibsprache:

niederdeutsch.

II. Bildausstattung:

Zwei kolorierte Federzeichnungen als historisierte Initialen (86r, 104r). – Verfassungsrecht.

Format und Anordnung:

Die neun- bzw. siebenzeiligen Initialen nehmen etwa ein Drittel der Schriftspiegelbreite ein. Die größere leitet die Überschrift zum dritten Buch ein, die kleinere das erste Kapitel des vierten Buches.

Bildaufbau und -ausführung:

Beide Zeichnungen sowie auch das Fleuronné sind mit Liebe zum Detail gezeichnet und koloriert, die herrscherlichen Insignien, die Falten der Kleidung, Bart- und Haartracht gut erkennbar. Die Herrscher sind verschieden gekleidet, tragen abweichende Kronen und variieren ebenfalls in Physiognomie und Haartracht.

Bildthemen:

Die Darstellungen spiegeln nicht den direkten Textbezug wider, sondern greifen lediglich die Funktion des Herrschers als oberster Dienstherr auf, der seine besonders getreuen Gefolgsleute auszeichnet.

86r: Der Kaiser (Bügelkrone, Reichsapfel) in modisch kurzem Mantel mit breitem Pelzkragen steht auf grün schraffiertem Untergrund, der Querbalken der E-Initiale trennt die Figur auf Brust- und Leistenhöhe. – Die Initiale markiert die Überschrift des dritten Buches, in dem es darum geht, wie der Kaiser Dienstleute ernennt und sie und ihre Nachkommen in den Adelsstand erhebt: edelde die Ende ore kindere (zu Text und Bild siehe auch Nr. 106.5.5.).

104r: Der Kaiser (Reifkrone) als Halbfigur in weißem Mantel mit rotem Kragen steht auf einem braun schraffierten Untergrund mit grünen Flecken. Beide Hände, die unverhältnismäßig groß gezeichnet sind, hat er nach vorne ausgestreckt; die Rechte mit überlangem Zeigefinger (Zeigegestus) scheint auf den Text hinzuweisen, bei der Linken sind die Finger stark gespreizt. – Das vierte Buch behandelt die rechtliche Stellung derjenigen Gefolgsleute, die der Kaiser als besonders Getreue zu freien Bürgern des Reiches (des riches burger; Munzel-Everling [2019] S. 526) erhoben hat.

Farben:

schwach braun, rot und grün koloriert.

Literatur:

Oppitz 2 (1990) Nr. 402. – Munzel-Everling (2019) S. 209–212 mit Abb. S. 213 (86r) und 214 (104r).

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus; Signatursuche über http://www.mmdc.nl/static/site/ (= Medieval Manuscripts in Dutch Collections), dort mit Kurzbeschreibung und Abbildungen 1r, 8r, 86r. https://manuscripts.kb.nl/show/images/78+J+22 (Abb. 86r, 104r).

Abb. 173: 104r. Der Kaiser als oberster Dienstherr.

106.5.2._Abb._173.jpg
Abb. 173.