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97.1.5. Salzburg, Stiftsarchiv Nonnberg, 6 106 V (olim Stiftsbibliothek Nonnberg, 27 C 1)

Bearbeitet von Sarah Glenn DeMaris

KdiH-Band 9

Datierung:

Teil I: 1466 (2*r [=145r]), Teil II: erste Hälfte des 15. Jahrhunderts (Hayer/Schwembacher [2018] S. 403).

Lokalisierung:

Salzburg.

Besitzgeschichte:

Die Handschrift wurde für das Benediktinerinnenstift Nonnberg geschaffen. Thomas Aschringer von Eberspoint, Leiter der erzbischöflichen Kammer in Salzburg, ließ Teil I schreiben: Thomas magister camerae dictus de Eberspewnt natus Äschringerque cognominatus hunc fecit brevi sub stilo scribere librum V. 1466. S. (2*r [=145r]). Die beiden Teile wurden vermutlich um 1500 zusammengebunden (siehe unten II.).

Inhalt: Ausführlicher bei Hayer/Schwembacher (2018) S. 404f.
Teil I 1r–143v + 1*r–4*v (=144r–147v)
1. 1r–119v ›Martyrologium Romanum‹ mit Nonnberger Nekrolog, lateinisch
2. 119v–120v Anleitung zum Gebrauch des Nekrologs, deutsch
3. 121r–137v Homilien, lateinisch
4. 138r–143r Verzeichnis der Jahrtage (bis 1568), deutsch
5. 2*r (=145r) Nonnberger Professformel, deutsch
6. 2*v–3*r (=145v–146r) Erklärung der Fachbegriffe aus dem Martyrologium/Nekrologium, lateinisch
7. 3*v (=146v) Drei Gebetsformeln, lateinisch
Teil II 5*r–93*v (=148r– 236v)
8. 5*r–92*v (=148r–235v) Benediktinerregel
Nonnenfassung
9. 93*r (=236r) ›Formular ad sanitatem dandam‹
10. 93*v (=236v) Namen (Nachtrag)
I. Kodikologische Beschreibung:

Pergament, 238 Blätter (Teil I: I + 143; Teil II: 93 + I, wobei die neue Nummerierung die zwei Teile an falscher Stelle aufteilt: die ersten vier Blätter von Teil II [1*–4*] gehören eigentlich zur letzten Lage von Teil I [=144–147]), 225 × 150 mm, Textualis in beiden Teilen (mit Nachträgen in Bastarda und Kanzleikursive), mehrere Hände (Teil I: eine Haupthand im Auftrag von Thomas Aschringer von Eberspoint, 2*r [=145r], mit Nachträgen von mehreren Händen; Teil II: eine Haupthand mit Nachträgen und zeitgleichen Ergänzungen von anderen Händen), einspaltig, 20–31 Zeilen (Teil I) und 19 Zeilen (Teil II), Lombarden, teils mit Fleuronné und Profilfratzen (ohne Textbezug), Rubrizierung (Teil I: rote Überschriften, Namen, römische Ziffern, Strichelung, Majuskeln, Rubriken; im Nekrolog zwei- bis achtzeilige rote Kalender-Initialen; Teil II: rote Überschriften, Rubriken).

Schreibsprache:

bairisch-österreichisch mit ostmitteldeutschen Elementen in Teil II (Hayer/Schwembacher [2018] S. 404f.).

II. Bildausstattung:

Eine ganzseitige Deckfarbenminiatur (144v [=1*v]).

Format und Anordnung, Bildaufbau und -ausführung, Bildthemen:

Die Miniatur (165 × 105 mm) zeigt den hl. Benedikt mit eingraviertem Nimbus, der auf einem Holzpodest mit rotem Polster unter einem gotischen Steinbaldachin sitzt. Er trägt eine weiße Tunika mit schwarzem Skapulier, darüber einen lila Chormantel. In der linken Hand hält er auf dem Schoß ein aufgeschlagenes Buch, worin Sanctus Benedictus o[ra] p[ro] n[obis] zu lesen ist. In der rechten Hand ein langes verschlungenes Spruchband mit Inschriften: Despondi enim vos vni viro virginem castam exhibere Christo (2 Cor 11,2) und Maior est obedientia quam victima (1 Sm 15,22). Links knien sechs betende Nonnen und rechts fünf betende Mönche, wovon einer eine hohe schwarze Mütze trägt (Laienbruder?). Hinter Benedikt im mittleren Register hängt ein grünbrauner Teppich mit Palmettenmuster, im blauen Gewölbe des Baldachins prangen goldene Sterne, und über dem Baldachin am Blattgoldgrund gibt es Blumenornamente; vorne ist der Erdboden hellbraun mit Kachelmuster. Das Bild hat einen blauen Rahmen mit sich wiederholendem Blattmotiv und Eckrosetten. Eine grüne Ranke, die einem Kreuz auf dem Baldachin entspringt, umrahmt das Ganze. Oben, links und rechts vom Rankenstamm, stehen die Wörter Sanctus und Benedictus. Unten, links und rechts in Rankenmedaillons, werden Halbfiguren von den Heiligen Rupert (S. Rudbertus) und Virgil (S. Virgilius) dargestellt, Rupert im blaugefütterten, rosa Mantel mit gleichfarbiger Mitra und einem Krummstab, Virgil in blauem Mantel und Mitra. Dazwischen ist die Jahreszahl: 1466, diese darunter erneut von jüngerer Hand. Beide Heiligen waren Bischof in Salzburg und Abt des Salzburger Stifts Sankt Peter.

Schuller-Juckes (2009, S. 32) schreibt die Miniatur und die Fleuronné-Initialen dem Salzburger Buchkünstler Ulrich Schreier zu (siehe auch Nr. 97.1.3.). Die Buchstaben neben der Jahresangabe: V. 1466 S. (2*r [=145r]) dürften auch auf die Hand von V[lrich] S[chreier] hinweisen.

Frühere Beschreibungen ordneten die Benedikt-Miniatur dem Anfang von Teil II zu und erklärten dann die Miniatur zum Titelbild der Regel. Aber seitdem Hayer/Schwembacher (2018, S. 403) nachwiesen, dass Bl. 1*–4* (=144–147) – darunter auch die Benedikt-Miniatur – eigentlich zum Ende des ersten Teils gehörte, muss diese Vorstellung als falsch gelten. Es lässt sich aber fragen, ob Schreier die Miniatur vielleicht erst fertigstellte, als man endgültig entschied, die eine Handschrift mit der zweiten zusammenzubinden. Das nichtbeschriftete Blatt, das sich fast am Ende von Teil I befand, diente dann nachträglich als Titelblatt zum Regeltext, der ansonsten mit einer dreizeiligen Initiale mit floraler Füllung anfing. Diese Möglichkeit erklärt auch die rätselhafte Platzierung der Schreier-Miniatur am Ende einer Handschrift. Hayer/Schwembacher (2018, S. 403) vermuten, dass die Handschriften erst um 1500 zusammengebunden wurden, vermutlich nach Schreiers Tod, was nicht ausschließt, dass sie vorher anders zusammengehalten wurden, denn zusammen bilden die zwei Handschriften ein Kapiteloffizium.

Farben:

Grün, Blau, Lila, Schwarz, Blattgold, Rot, Rosa, Grau.

Literatur:

Tietze (1905) S. 85f.; Hayer/Schwembacher (2018) S. 403–405. – Neuwirth (1886) S. 197f.; Friess (1887) S. 12–17; Zirnbauer (1927b) S. 34f., Taf. 12 (1*v [=144v]); Holter (1996) Bd. 2, S. 632, Nr. 268; Schuller-Juckes (2009) Textbd. S. 32, 188f., Bildbd. Abb. 75 (1*v [=144v]).

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus; manuscripta.at

Abb. 186: 1*v (=144v). Hl. Benedikt mit Ordensmitgliedern.

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Abb. 186.