Project icon

KdiH

_ (der Unterstrich) ist Platzhalter für genau ein Zeichen.
% (das Prozentzeichen) ist Platzhalter für kein, ein oder mehr als ein Zeichen.

Ganz am Anfang und ganz am Ende der Sucheingabe sind die Platzhalterzeichen überflüssig.

ß · © ª º « » × æ œ Ç ç č š Ł ł ́ ̀ ̃ ̈ ̄ ̊ ̇ ̋ ͣ ͤ ͥ ͦ ͧ ͮ Α Β Γ Δ Ε Ζ Η Θ Ι Κ Λ Μ Ν Ξ Ο Π Ρ Σ Τ Υ Φ Χ Ψ Ω α β γ δ ε ζ η θ ι κ λ μ ν ξ ο π ρ σ ς τ υ φ χ ψ ω ͅ ̕ ̔

51.1.1. Colmar, Bibliothèque municipale, Ms. 717II

Bearbeitet von Ulrike Bodemann

KdiH-Band 6

Datierung:

Nach 1516 (Blatt 194v).

Lokalisierung:

Colmar, Dominikanerinnenkloster Unterlinden.

Besitzgeschichte:

Nach der Entstehung im Kloster Unterlinden ist der Verbleib unbekannt. Neu erworben am 28. 2. 1888 von M. Stükelberger libraire de Mulhouse (Eintrag Vorsatzblatt); hinten eingeklebt ein Ausschnitt aus den »Affiches alsaciennes« (5. février 1888) über »Deux manuscrits retrouvés du couvent d’Unterlinden« (X. M[assmann].; bezieht sich auf cod. 717I und 717II).

Inhalt:
1. 1r–60v Predigten zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten, deutsch, Augustinus und Bernhard von Clairvaux zugeschrieben

darin ferner: 28v–49v Osterhomilien nach Gregorius

2. 61r–64v Humbertus de Romanis, Epistel

Uniuersis famulabus Christi et gloriosissime matris sue marie. Allen dienerin Christi vnd siner Aller erlichsten muͦtter Die do leben sint vnder der vetterlichen beschirmvng …

3. 65r–88v Zwei Marienmeditationen, Bernhard von Clairvaux zugeschrieben

Qvis dabit capiti meo […] Wer wirt geben minem houbt dz waßer vnd minen ougen den regen […] O jr töchteren ierusalem gesponßen des geminten gotes ir geliepten gemahelen …, (78r) Ave Maria gratia plena […] Gegrüßet sygest du Maria vol gnoden der herr ist mit dir diße buochstaben sint vol von himelschen bezeichnungen

4. 88v–101v Zehn Marien- und andere Exempel
5. 102r–162r Leben des heiligen Sebastian und seiner Gefährten

Williams-Krapp (1986): Sebastian (3), einzige Überlieferung; vgl. André Schnyder: ›Sebastianus‹. VL 8 (1992), Sp. 973–975

102r–148r Vita Sebastianus der hochwirdig aller Cristenliche man ist geweßen Ein burger Narbonensis vnd ist gelert vnd vnderwisen in der geschrifft …

148r–162r Martyrium Es wz in der Stat Rom Ein bopst mit dem namen Gaius Ein man großer wißheit vnd großer tugenden …

6. 163r–183r Leben der heiligen Afra und ihrer Gefährtinnen

Williams-Krapp (1986): Afra (6), einzige Überlieferung; Übersetzung nach dem Druck ›Gloriosorum‹ Augsburg: Sylvan Otmar, 1516

163r–164r Vorrede Cyprus ist ein stat vnd eine von den aller schönsten vnd namhafftigesten ynßelen des landes gegen dem vffgang …

164r–176r Vita und Martyrium By dem land Reciam vnd jn die stat Augspurg wz kummende Narcissus der heilig bischoff …

176r–177v Elevatio Noch dem jor der götlichen mönschwerdung Tusent vier vnd sechtzig Embrico der bischoff der stat augspurg …

177v–181r Mirakelsammlung Do vergangen wz ein kurtze zit noch dem alß die aller seligeste martrin […] Es ist geschehen zu einer zit dz einer der rittern einen Groffen mit nammen Ruͦdolffo sündet …

181v–183r Elevatio Dignas, Eunonias und Eutropias Ouch in der zit vnd jn der vorgeseiten gebuwde der kilchen

7. 184r–203r Leben der Heiligen Vitus und Modestus

Williams-Krapp (1986): Vitus und Modestus (2), einzige Überlieferung, vgl. Karl-Ernst Geith: ›Veit‹. VL 10 (1999), Sp. 199–202

8. 203r–208r Leben und Martyrium des heiligen Gordianus

Williams-Krapp (1986): Gordianus und Epimachus (1), einzige Überlieferung

9. 208r–211r Leben und Martyrium des heiligen Pankratius

Williams-Krapp (1986): Pankratius von Rom (3, richtig: 2), einzige Überlieferung

10. 212r–220v Predigt vom heiligen Kreuz, Bernhard von Clairvaux zugeschrieben

De virga iesse devenimus ad virgam crucis. Von der ruͦten jesse kummen wir zuͦ der ruͦten des crutzes …

11. 221r–294v Leben des heiligen Ulrich nach Bern von Reichenau

Geith (1995) Sp. 1244

221r–222v Vorrede Die tugent vnd die krafft der wunderbaren götlichen minn vßfließende vß dem honig …

222v–260v Vita Der Edel wirdig verjeher Christi

260v–269v Grabwunder, Kanonisatio, Inventio und Translatio Noch dem alß der aller seligeste bischoff Vͦdalricus wz entbunden vnd vffgelößet …

269v–293v Mirakelsammlung Es ist ouch billich in zuͦ scließen vnd in zuͦ setzen in diß buͦch …

294r–v Leseranrede Vil heyl vnd gruͦß syg dem bescheidenen wisen leßer

12. 295r–312r Geistliche Tugendlehre

Deus caritas est. Got ist die minn vnd wz ist kospers vnd der do blijbet …

13. 313r–316v Leben des heiligen Arbogast

nicht bei Williams-Krapp (1986)

313r–v Vorrede Iustus ut palma florebit […] Der wiß man sprichet vnd der prophet Der gerecht wirt blügen alß ein palmbovm …

313v–316v Vita Zuͦ den ziten Dagoberti des künges von Franckenrich Do der gloub vnd dz wort gotes …

14. 317r–324v Predigt von eigener Erkenntnis

Loquar ad dominum meum. Ich will reden zuͦ minem herren so ich bin stoub vnd esch. Diße wort sind geweßen Abrahe des patriarchen des bekennden drij ding …

I. Kodikologische Beschreibung:

Papier (Blatt 1 Pergament), 339 Blätter, gezählt 1–328 (dazu fünf ungezählte Blätter nach 31 [31a–d, 31 bis], zwei ungezählte Blätter nach 183 [183a–b], je eins nach 101, 211, 220 und 316; entfernt wurden nach dem Binden [sicher unbeschriebene] Blätter nach 26 [zwei], nach 64, nach 294; unbeschrieben: 26v, 31r–31dv, 77r, 162v, 183v, 220 bisr–v, 312v, 316 bisr–v), dazu zwei neue Vorsatzblätter, 212 × 155 mm. Einspaltig, 26–33 Zeilen, Bastarda, eine Schreiberin: Dorothea von Kippenheim (324v: Ich swester Dorothea uon Kippenheim ein conuent Swester deß wirdigen loͤblichen gotzhuß Sancti Johannis baptiste in vnderlinden zuͦ Colmar hab diß buͦch vß dem latin zuͦ tútzsch geschriben got zu lob vnd och zuͦ eren Sancto Sebastiano vnd den anderen lieben heilgen die doran stond vnd ich beger bemuͤticlich dz die alle got wellen fúr mich bitten die do werden leßen an dißem buͦch Amen); das ist nicht die in VL 2 (1980) Sp. 218 genannten Dorothea von Kippenheim OP (zu ihr die biographischen Notizen von moderner Hand 325r), sondern eine gleichnamige Schwester, die Anfang des 16. Jahrhunderts im Kloster Unterlinden lebte (VL 11 [2004] Sp. 380); rote Strichel und Überschriften, Lombarden rot, z. T. mit blauem Federwerk, blau, z. T. mit rotem Federwerk.

Schreibsprache:

elsässisch.

II. Bildausstattung:

1r D-Rankeninitiale in Deckfarbenmalerei über fünf Zeilen mit dreiseitiger Ranken- und Blütenleiste: Violett, Blau, Grün, Ocker in Abtönungen, Goldpunkte. Im Folgenden Initialen, meist über zwei bis fünf Zeilen, rot, blau oder rot-blau mit Fleuronnée in der Gegenfarbe; besonders herausragend die Initialen 31 bisr (über sieben Zeilen), 102r mit vierseitiger rot-blauer Randleiste, 222v (über sieben Zeilen), ferner 7v, 12v, 20v, 27r, 49v (61r ohne Fleuronnée), 65r, (78r ohne Fleuronnée), 148r, 159r, 163r, 174v, 184r, 203r, 208r, 212r, 295r, 313r, (317r ohne Fleuronnée). Laut Hamburger (2000–2001) verweist der Dekorationsstil nicht notwendig auf die Entstehung des Buchschmucks im Kloster Unterlinden, sondern eher auf eine auswärtige Werkstatt, wenn auch möglicherweise in Colmar selbst angesiedelt und einem gemeinsamen »style alsacien des années 1500« verpflichtet.

Zu Text 3 (siehe auch Nr. 85.1.1.) Zusatzblatt 77 außerhalb des Lagenverbands mit Bild 77v Mariae Verkündigung: Engel mit Schriftband Aue maria Gratia plena; Ausführung vergleichbar mit 162r, jedoch nicht so fein (Marias Physiognomie ist ähnlich der des Narcissus, Bodenstück ebenfalls ähnlich, Details sind liebevoller und genauer ausgeführt: Textildekor, Blumen etc.), 77r leer.

In Text 5: 147v aufgeklebtes kleines Andachtsbildchen mit Federzeichnung; Jesuskind mit Wundmalen (ohne Textbezug).

Zu Text 6 (Leben Afras) 162r aufgeklebtes Blatt mit kolorierter Federzeichnung.

Format und Anordnung:

(Text 6): Das Blatt über einem Textanfang aufgeklebt, der nicht zu erschließen ist; es fungiert als ganzseitiges Titelbild (ca. 160 × 115 mm) zum nachfolgenden Text (162v unbeschrieben). Offenbar dem Augsburger Holzschnitt Afra und Ulrich nachempfunden (Schreiber, Handbuch 3 [1927/69] Nr. 1706; Abb. u. a. bei Schmid: Augsburger Einzelformschnitt [1958/1971] Taf. 1), hier jedoch durch Beischriften S. Affra S. Narcissus eindeutig uminterpretiert. – Zeichnung mit spitzer, harter Feder; grünes Bodenstück, gelbe und dunkelgrüne Gräser und Blumen mit roten und weißen Blüten. Hintergrund matschig grau-braun, Himmel mit waagerechten blauen Pinselstrichen angedeutet. Oben blaues Wolkenband, gelb-weiß gehöht. Rechts Narcissus im Bischofsornat, rote Kasel über weißem Untergewand, Kaselkreuz rötlich durchschimmernd und glänzend (wie mit Eiweiß übermalt), rot-blaue Mitra, grüner(!) Nimbus. Hinter ihm am Himmel ein Engel, eine Krone haltend. Links Agnes als Märtyrerin an graubraune Säule gebunden und im Feuer stehend, grünes Kleid mit Blümchen (ähnlich Bodenstück), gelbliche Haare, Nimbus wie das Kaselkreuz glänzend. Bildrahmung aus mehreren Lagen rot-schwarzer Linien und Pinselstreifen. Als innere Einfassung ist um das Bild herum ein dünnes Drahtbündel gelegt und mit rotem Faden aufgeheftet.

Literatur:

Schmitt (1969) S. 98–100 (Nr. 212). – von Heusinger (1953) S. 109 f., 139 f. (Nr. 2); Claudia [Bartholemy-]Teusch: Das Leben des heiligen Ulrich. Ausgabe und Kommentar. [Lizentiatsschrift, masch.] Genf 1989; La Mémoire des siècles (1989) S. 217 f., Nr. 25; Karl-Ernst Geith: Eine deutsche Übersetzung der Vita Sancti Udalrici des Bern von Reichenau aus Unterlinden zu Colmar. In: Durch aubenteuer muess man wagen vil. Festschrift für Anton Schwob zum 60. Geburtstag. Hrsg. von Wernfried Hofmeister. Innsbruck 1997 (Innsbrucker Beitr. zur Kulturwissenschaft, Germ. R. 57), S. 109–118; Trésore des bibliothèques (1998) S. 42, Nr. 19; Hamburger (2000–2001) S. 125, Abb. 9 (147v), S. 135, Abb. 18 (162r), S. 138, Abb. 21 (1r); Les dominicaines d’Unterlinden 2 (2001) S. 89, Nr. 124 (Hamburger, mit irrtümlichen Angaben zur Schreiberin) mit Abb. (77v).

Abb. 51.3: 162r.

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 51.3: 162r. Leben der heiligen Afra: Titelbild: Ulrich und Afra.

Abb. 51.3.