KdiH

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3.3.3. München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 581

Bearbeitet von Norbert H. Ott

KdiH-Band 1

Datierung:

1455.

Lokalisierung:

Augsburg.

Besitzgeschichte:

Aus der Bibliothek Hektor Mülichs (Wappen und Eintrag 148v).

Inhalt:
1r–148v Johannes Hartlieb, ›Histori von dem großen Alexander‹
I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, I + 149 Blätter, 303 × 215 mm, Bastarda, zwei sehr ähnliche, einander abwechselnde Hände (Hektor und Georg Mülich [ross S. 131, Schneider S. 176]); (Lehmann-Haupt S. 58: eine Hand = Georg Mülich), einspaltig, 32 Zeilen, Rubrizierung.

Schreibsprache:

ostschwäbisch.

II. Bildausstattung:

33 kolorierte Federzeichnungen (4v, 9v, 12r, 13v, 17r, 19v, 29v, 32v, 41r, 46v, 49r, 53v, 58v, 62v, 68v, 69v, 72v, 80v, 83r, 88v, 89v, 98r, 104v, 112r, 113v, 117v, 119r, 122r, 124v, 129r, 133v, 134r, 140r), Zeichner: Hektor Mülich (Lehmann-Haupt). Achtzeilige S-Initiale (1r): Buchstabe in gepunztem Blattgold, grüne und purpurne zweiseitige Blatt- und Blütenranke.

Format und Anordnung:

Querrechteckige, schriftspiegelbreite Illustrationen (9v hochrechteckig) von wechselnder Höhe (1/2–2/3 des Schriftblocks); in der Regel am Beginn von Kapiteln, meist über oder unter einer roten Kapitelüberschrift (in der Funktion einer Bildbeischrift); Beischrift fehlt 129r, unvollständig 17r, 46v, 98r, 117v. Mülichsches Wappen 148v freistehend.

Bildaufbau und -ausführung:

Verschiedenfarbig gerahmt von einfacher Farblinie, einige Male auch von doppelter, farbig gefüllter Federlinie, Rahmenfarbe auf den Hauptton der jeweiligen Illustration abgestimmt. Nur 19v Rahmen oben von Architekturdarstellung durchbrochen. Ziemlich grobe, aber in der Bilderfindung oft phantasievolle Dilettantenarbeit; plumpe, untersetzte, flächig angelegte Gestalten mit relativ kleinen Köpfen, wenig Abwechslung in der Körperhaltung. Kleinteilige Gesichtszeichnung, Stirnfalten ausgeprägt. Außer Umrißlinien kaum Binnenzeichnung, die zudem mit Pinsel in Grau oder dunkleren Tönen der jeweiligen Farbe übermalt ist; Konturen mit Pinselstrichen nachgezogen. Modellierung durch dunklere Farben, keine Lichter durch Aussparung des Farbauftrags. Gewandfalten durch wenige Vertikalstriche angedeutet, weiche, runde Faltenbrüche an Knie- und Armgelenken.

Auffällige Vorliebe des Illustrators für erzählende Ausgestaltungen der Szene, vor allem in Landschaftshintergründen mit (perspektivisch richtig verkleinerten) Stadtansichten, Bergen und Baumgruppen. Zahlreiche Architekturdarstellungen, z. T. wohl in direkter Anspielung auf reale historische Bauwerke (19v Marktplatz in Augsburg, s. Bredt S. 27f.). Außer bei Landschaften auch in den zahlreichen Innenräumen Betonung von Perspektive und Raumtiefe; auffallend ist die Verbindung landschaftlicher Szenerien mit Innenraumdarstellungen in jeweils einem Bild (Fensterdurchblicke usw.). Im Vergleich zur stereotypen Personendarstellung überraschend gelungene Darstellung von Tieren, auch in perspektivischen Verkürzungen (z. B. viele Rückansichten von Pferden). Figurenreichtum, Schlachtenszenen oft als Massenszenen.

Bildthemen:

Außer Schlachten- und Dialogszenen auch Alexanders Himmelfahrt und Tauchfahrt (letztere nur noch in Darmstadt, Nr. 3.3.1.). Zahlreiche Übereinstimmungen mit Darmstadt Hs. 4256 (Nr. 3.3.1.) und New York M. 782 (Nr. 3.3.4.).

Farben:

Blau, Grün in verschiedenen Ausmischungen, Zinnober, Karmin, Rotviolett, viele Ausmischungen von Rottönen, Hell- und Dunkelbraun, Ocker, Gelb; insgesamt helle, bunte Palette.

Die Handschrift diente möglicherweise als Vorlage für Darmstadt Hs. 4256 (Vorderstemann); Beziehungen auch zu New York M. 782. Spiegelbildliche Entsprechungen zwischen New York 222r und München 69v, New York 245r und München 89v, New York 255r und München 98r.

Vgl. auch die Mülich-Handschrift Gießen Ms. fol. 813 (Nr. 4.0.21): Figurengruppe in München Cgm 581 49r direkt übernommen aus Gießen 193r.

Literatur:

Schneider (1978) S. 176f. – Riehl (1895) S. 40f.; Bredt (1900) S. 26–30. 40–45 u. Taf. I (19r); Lehmann-Haupt (1929) S. 49. 54–57, 198f. Nr. 18; Stange 8 (1957) S. 83; Ross (1963) S. 31. 49. 96; Ross (1971) S. 131–141 u. Abb. 178–211 (alle Miniaturen); Settis-Frugoni (1973) S. 257; Rudolf Lechner-Petri: Johann Hartliebs Alexanderroman. Edition des Cgm 581. Hildesheim/New York 1980 (Germ. Texte u. Studien 9) [Bildbeschreibungen]; Ott (1983b) S. 158f., Abb. 3 (69v); Dieter Weber: Geschichtsschreibung in Augsburg. Hektor Mülich und die reichsstädtische Chronistik des Spätmittelalters. Augsburg 1984 (Abh. zur Gesch. d. Stadt Augsburg 30), S. 58. 276–278, Abb. 39–72 (alle Miniaturen).

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 54: 19v. Alexander kniet am Denkmal des Nektanebus.

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Abb. 54.