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Katalog der deutschsprachigen illustrierten Handschriften des Mittelalters (KdiH)

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Aktuelles

Tagung 2019: Maximilian I. und die Buchkultur – Bild und Text

11.–13. Juli 2019

Die Tagung „Maximilian I. und die Buchkultur – Bild und Text“ widmet sich Untersuchungen, die nach dem Umgang mit dem Buch, der Schrift, der Handschrift oder dem Druck sowie dem Aufeinandertreffen von neuen und alten Medien oder bildlichen und textlichen Darstellung im Umfeld des Kaisers Maximilian I. fragen.

Die Handschriften und Druckwerke, die in diesem Kontext entstanden sind, lassen sich durch ihre reichen Bild-Text-Bezüge charakterisieren und zeigen, dass Bild und Text stets zusammen gedacht wurden. Darüber hinaus wurden neue Medien, Bild- und Textkombinationen und Techniken erkundet und auf die Probe gestellt, ohne Kontinuitäten und handschriftliche Traditionen aus dem Auge zu verlieren. In diesem Zusammenhang sind Fragen an das Material, technische Aspekte sowie Fragen nach medialen Imitationen und Bezügen für die Tagung zentral. Zudem muss der Monarch aufgrund diplomatischer oder verwandtschaftlicher Kontakte ständig Büchersammler, Humanisten, Produzenten von Büchern etc. aus ganz Europa – von Portugal über Burgund und Italien bis Ungarn – vor Augen gehabt haben. Objekte, in denen der Kaiser eine zentrale Rolle spielt, die im Umfeld des Herrschers entstanden sind oder von ihm in Auftrag gegeben wurden, erfordern daher einen Dialog über die Fachgrenzen hinaus, zumal sich die Überlieferung heute zum Teil sehr verstreut darstellt.

 

Die Vielfalt an maximilianischen Buchaufträgen ist groß: Vom Zeugbuch über das Ambraser Heldenbuch, zum Theuerdank und der Übersetzung der Hieroglyphica des Horapollon spannt sich ein weiter Bogen. Seine Aufträge umfassen sowohl traditionelle Handschriften oder prächtig illustrierte Inventare, aber auch Erzeugnisse des Buchdrucks. Bekannt geworden sind vor allem die sogenannten „Gedechtnus-Werke“, die nach Maximilians Tod 1519 überwiegend unvollendet zurückblieben. Doch nutzte er die Druckerpresse auch für Reichspublizistik, Flugblätter und Großdrucke wie die Ehrenpforte oder der Triumphzug. Trotz des heterogenen Inhalts seiner Auftragswerke lässt sich ein Element bei allen beobachten: die Kombination aus Bild und Text, die auch im „Weißkunig“ thematisiert wird: „Und damit ich anfang meines [Cron] puechsainerklerung zu machen, so hab ich zu der geschrift gestellt figuren, gemalt, damit das der leser [so] mit [äugen] mund und äugen mag versten den grund dises gemelds meines puechs, welchen grund ich gestellt hab, gleichermassen die croniken geschriben und figurirt werden, wie ich dann solhes aus andern meinen vordem cronikisten gesehen hab.“ (zitiert nach Schultz 1888, S. XVI)

Besonders die „Gedechtnus-Werke“ waren in imperialer Größe angedacht: Ihre Bilder sollten sich nicht wiederholen, wie es für Drucke in dieser Zeit eigentlich üblich war. Gleichzeitig erweiterte Maximilian den Umfang der Werke kontinuierlich, was den Abschluss der Werke unmöglich machte. Penibel wurde jede einzelne Entwicklungsstufe korrigiert und Vertrauten zu weiteren Korrekturen übergeben: Bis in die Korrektur einzelner Schrifttypen, wie es für Maximilians „Neues Gebetbuch“ belegt ist, ging die kaiserliche Kontrolle.

Die Tagung „Maximilian I. und die Buchkultur – Bild und Text“ soll zur intermedialen und interdisziplinären Betrachtung der Werke von und um Maximilian I. einladen. Für den „Katalog der deutschsprachigen, illustrierten Handschriften des Mittelalters“ wurde der Bild-Text-Bezug der „Maximilianea“ erarbeitet, die Ergebnisse werden 2019 erscheinen und auf der Tagung präsentiert, die in München an der Bayerischen Akademie und am Zentralinstitut für Kunstgeschichte stattfinden wird. Außerdem sind einzelne Vorträge in Augsburg und ein gemeinsamer Besuch der Maximilianausstellung mit Kuratorenführung geplant.

Vortragszeit: 30 min. Diskussion: 30 min.

Die Tagung beginnt am 11. Juli um 14 Uhr und endet am 13. Juli um ca. 15 Uhr. Den Abendvortrag hält Martin Schubert (Universität Duisburg-Essen) zu den Netzwerken und Wissenssystemen Maximilians I. (voraussichtlich am 12. Juli um 18.30 Uhr am Zentralinstitut für Kunstgeschichte).

Kooperationspartner:
Katalog der deutschsprachigen illustrierten Handschriften des Mittelalters, Projekt an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München
Lehrstuhl für Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters in Zusammenarbeit mit dem Jakob-Fugger-Zentrum für Transnationale Studien, Universität Augsburg
Maximilianmuseum, Augsburg
Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München


Vergangenes

Mai-Juni 2018: Forschungsaufenthalt von Sarah DeMaris

Sarah DeMaris ist germanistische Mediävistin und Senior Research Professor an der Valparaiso University (Indiana, USA). Ihre Forschung konzentriert sich auf die dominikanische Reformbewegung im 15. Jahrhundert mit Schwerpunkt auf Texten für oder von Dominikanerinnen. Sie nimmt momentan einen Forschungsaufenthalt in München wahr und bearbeitet die Stoffgruppe „Ordensregeln“ für den KdiH.

Am 25.4. hielt sie einen Vortrag zur Gattungsbewussten Überlieferung dominikanischer Schwesternbücher in spätmittelalterlichen Frauenklöstern, moderiert von Wolfgang Augustyn (Zentralinstitut für Kunstgeschichte).


April 2018 - Abendvortrag

Prof. Dr. Sarah DeMaris, Valparaiso University (Indiana, USA)

Von vorbildlichen Frauen berichten. Gattungsbewusste Überlieferung dominikanischer Schwesternbücher in spätmittelalterlichen Frauenklöstern

25. April 2018 18.15 Uhr

Bayerische Akademie der Wissenschaften
Alfons-Goppel-Straße 11
80539 München
Sitzungssaal 1, 1. Stock

Johannes Meyer OP (1422–1485) war mehr als 30 Jahre lang Beichtvater in mehreren Dominikanerinnenklöstern im deutschen Südwesten. Er diente den Ordensschwestern auch durch seine zahlreichen Schriften, die die Schwestern zum Gehorsam anleiten sollten. Darunter waren Redaktionen sogenannter Schwesternbücher: Kurzbiographien vorbildlicher Schwestern, deren Taten und Frömmigkeit in den eigenen Klöstern festgehalten wurden. Fast gleichzeitig bearbeitete Elisabeth Kempf (1415–1485), Priorin des Dominikanerinnenklosters Unterlinden in Colmar, das Schwesternbuch ihres Klosters. Es gibt keinen urkundlichen Nachweis, dass die zwei Dominikaner sich je begegnet sind. Trotzdem stellt der Vortrag die Frage, ob Meyer und Kempf sich gegenseitig beeinflussten und inwieweit es ihnen bewusst war, dass sie mit einer literarischen Gattung arbeiteten, gegen deren Regeln sie nicht verstoßen durften.


2017

Erschienen: Band 7 des KdiH (59. Historienbibeln – 70. Kräuterbücher).


Sommer 2016 - Tagung

Bilderwelten erschließen: 30 Jahre KdiH

Im Jahr 1986 erschien die erste Lieferung des KdiH. Feiern Sie den 30. Geburtstag des Katalogs mit uns und kommen Sie zu unserer Tagung.

7.–9. September 2016
Bayerische Akademie der Wissenschaften // Alfons-Goppel-Straße 11 // 80539 München, Sitzungssaal 1, 1. Stock

Abendvortrag im Plenarsaal der Bayerischen Akademie der Wissenschaften:

Prof. Dr. Henrike Manuwald (Göttingen): Bilder und Bildung. 'Volkssprachigkeit' in der Frömmigkeitskultur des Spätmittelalters

PDF des Tagungs-Programms

Für alle Teilnehmenden an der Tagung ist auch ein Besuch der zeitgleich stattfindenden Ausstellung der Bayerischen Staatsbibliothek „Bilderwelten – Buchmalerei zwischen Mittelalter und Neuzeit“ geplant.

 

Thema

Literarische Stoffe (im Französischen: matières) können im Mittelalter nicht nur durch ihre Verarbeitung im Text, sondern auch durch ihre Illustration immer wieder neu interpretiert und aufgefasst werden. Bei der Deutung von Texttraditionen spiegeln sich unter anderem aktuelles Wissen, moralische Auslegungen oder neueste Reflexionen wider. Dieser Text- und Bilderschließung von literarischen Traditionen im deutschsprachigen Raum widmen sich die Vortragenden bei der Jubiläumstagung des KdiH. Dabei sind langfristig wirkende, ikonographische und literarische Traditionen oder kurzfristig auftauchende Einzelphänomene oder Experimente Gegenstand der Tagung. Die Übertragung von Bildern und deutschsprachigen Texten in den frühen Buchdruck wird ebenso betrachtet wie mittelalterliche Text-Bild-Kombinationen, die über das Medium der Handschrift hinaus auf andere Objekte oder Medien verweisen (Kleinplastiken, Kleidung, Wandmalerei, Einblattholzschnitte etc.). Ausgangspunkt der Überlegungen wird jedoch der in Handschriften überlieferte Text – von Gebrauchsliteratur über literarische Stoffe bis zu sakralen Texten – mit seinen möglichen Visualisierungs- und Erschließungsstrategien im deutschsprachigen Kontext bleiben.

Die Erarbeitung der Bezüge von Bild und Text stehen im KdiH im Mittelpunkt. Die Vorträge sind daher möglichst interdisziplinär angelegt, um den Dialog zwischen den Fachrichtungen stärker zu fördern. Die Diskussionsleitenden und die Referierenden sind so eingeteilt, dass sich die vertretenden Fachrichtungen (Buchwissenschaft, Germanistik, Geschichte, Kunstgeschichte stets) im Austausch befinden.

Flyer
Poster
Abendvortrag


2015

Erschienen: Band 6 des KdiH (44. Geistliche Lehren und Erbauungsbücher – 57. ‚Herzog Ernst‘)