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Katalog der deutschsprachigen illustrierten Handschriften des Mittelalters (KdiH)

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Bilderwelten erschließen:

Interdisziplinäre Text-Bild-Forschung zum deutschsprachigen Mittelalter

Bücher wurden im Mittelalter zunächst hergestellt, damit man in ihnen Texte bewahren und weitergeben konnte. Sehr bald ergänzte eine weitere Ebene die Texte: die Ausstattung der Handschriften mit Buchschmuck. In deutschsprachigen Codices begann man ab der Mitte des 12. Jahrhunderts, Bilder zu Texten hinzuzufügen. Im 14. und 15. Jahrhundert findet sich dann eine Reihe von illustrierten Handschriften: In farbigen Initialen konnte beispielsweise der Autor des Textes dargestellt oder eine kleine Geschichte erzählt werden. Manche Texte sind mit einer Eingangsminiatur ausgestattet, andere mit regelrechten Bildprogrammen, es gibt flüchtige Zeichnungen oder repräsentative, manchmal auch mit Gold und anderen wertvollen Materialien gestaltete Buchmalereien.

Illustrierte Handschriften lieferten einen wichtigen Beitrag zu Bildung und Weiterentwicklung einer kultu­rellen Identität in der mittelalterlichen Gesellschaft. Unabhängig davon, ob sie im Kloster, am Hof oder, wie vermehrt im späten Mittelalter, in einer Werkstatt oder privaten Schreibstube in der Stadt entstanden sind – immer geben sie Mitteilung über die gesellschaftliche Bedingtheit ihres Entstehens und die Bedeutung der Inhalte. Ein wohlhabender Auftrag­geber will durch einen Prachtcodex seinen Wohlstand zeigen, eine Klosterfrau in einem illustrierten Gebetbuch die Wertigkeit ihres Glaubens dokumentieren, illustrierte Sachtexte geben dem Leser eine Anleitung: Text und Bild stehen in engem Verhältnis zueinander und vermitteln auch dem Leser von heute einen Eindruck von der mittelalterlichen Welt.

Einzigartige Schnittstelle in der Handschriftenforschung

Der Katalog der deutschsprachigen illustrierten Handschriften des Mittelalters (KdiH) befasst sich mit der Text-Bild-Forschung des deutschsprachigen Mittelalters. Er richtet in seiner Arbeit den Fokus auf das spezifische Wechselspiel und die vielschichtigen Interdependenzen von Text und Bild. Kunsthistoriker und Germanisten arbeiten Hand in Hand und bilden so eine einzigartige Schnittstelle in der Handschriftenwissenschaft. Sie macht es möglich, literarische, kulturwissenschaftliche und kunstgeschichtliche Aspekte in der Analyse zu vereinen. So entsteht mit der Dokumentation und Beschreibung dieser Handschriften im KdiH ein Arbeitsinstrument für Mediävisten aller Fachrichtungen, unter anderem auch für Historiker, Theologen, Medizin- und Rechtswissenschaftler. 

Der KdiH ist Teil des Projekts Deutsche Literatur des Mittelalters der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

Förderung

Der KdiH wird im Rahmen des Akademienprogramms von der Bundesrepublik Deutschland und vom Freistaat Bayern gefördert.

Daneben wurde die Bearbeitung des Katalogs in den vergangenen Jahren immer wieder durch großzügige Drittmittelfinanzierung unterschiedlicher Förderinstitutionen unterstützt.