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69.0.1. Hamburg, Staats- und Universitätsbibliothek, Cod. 12 in scrin.

Bearbeitet von Ulrike Bodemann

KdiH-Band 7

Vollständige Beschreibung siehe unter Nr. 116.0.1.

Datierung:

Wohl um 1455/56, jedenfalls vor 1472.

Lokalisierung:

Lothringisch-saarländischer Raum.

Inhalt:
1. 1ra-57vb Elisabeth von Nassau-Saarbrücken, ›Huge Scheppel‹
2. 58ra-76va Elisabeth von Nassau-Saarbrücken, ›Königin Sibille‹
I. Kodikologische Beschreibung:

Siehe Nr. 116.0.1. – Schreiber von Text 1 und Text 2 identisch (Gutachten Christoph Mackert, Leipzig, 7.12.2015), übereinstimmend mit dem (Haupt-)Schreiber auch der Handschriften Hamburg, Cod. 11 in scrin. (Nr. 79.0.1.) und Wolfenbüttel, Cod. Guelf. 46 Novissimi 2o (Nr. 55.0.3.). Varianten im Schriftbild wie auch in der Rubrizierung (rote Strichel und charakteristische, in Text 1 gegenüber Text 2 einheitlicher ausgeführte Initialen, deren Buchstabenkörper meist aus Trompetenformen gebildet sind, zuweilen mit Aussparungen, dazu Cadellenelemente, Fadenschleifen und -spiralen, Filigran) könnten auf unterschiedliche Zeitpunkte der Niederschrift von Text 1 und 2 deuten. Während aus Text 1 wohl gerade wegen seiner eingeklebten Illustrationen zahlreiche Blätter entfernt wurden, ist Text 2 ohne Blattverluste.

Schreibsprache:

rheinfränkisch.

II. Bildausstattung:

Freiräume für 24 nicht ausgeführte bzw. nicht eingeklebte Bilder: 58ra, 58rb, 59ra, 59va, 60rb, 61ra, 62ra, 62va, 63ra, 64ra, 64vb, 66ra, 67rb, 68ra, 68va, 69vb, 70rb, 71ra–b, 71va, 73ra, 73vb, 75va, 75vb, 76ra–b. Die Bildfreiräume gehen den absatzweise mit Eingangsinitialen versehenen Bezugstexten voraus, dabei ist nicht jedem Absatz ein Bildfreiraum zugeordnet.

Format und Anordnung, Bildaufbau und -ausführung:

Vorgesehen waren meist einspaltige Bilder in hochrechteckigen Freiräumen, in zwei Freiräumen querrechteckige Bilder über beide Spalten, somit über die volle Breite des Schriftspiegels, jeweils in der oberen Seitenhälfte (71ra–b, 76ra–b); ihnen und auch anderen Leerräumen zu Beginn einer Seite gehen freigebliebene Flächen am Ende der vorhergehenden Seite bzw. Spalte voraus, die jedoch nicht für die Aufnahme weiterer Bilder vorgesehen waren, sondern für das im Anschluss vorgesehene Bild einschließlich einer Überschrift zu klein waren. Wie in den anderen Werkabschriften (siehe unter I.), in denen Elisabeths Sohn Johann III. von Nassau-Saarbrücken die Werke seiner Mutter in einheitlicher Ausstattung zusammenstellen ließ, war auch für die ›Königin Sibille‹ ein Bildzyklus vorgesehen, der außerhalb der Handschrift selbst auf separaten Blättern angefertigt und dann eingeklebt werden sollte. Während im mitüberlieferten ›Huge Scheppel‹ die Federzeichnungen sorgfältig eingeklebt wurden, bevor die Handschrift mit Initialen und Überschriften versehen war, sprechen in der ›Königin Sibille‹ Indizien für einen anderen Arbeitsablauf: Die Initialen wurden offenbar ohne Rücksicht auf noch einzufügende Bilder ausgeführt; die Bilderfolge lag also bis zum Arbeitsabschluss an diesem Faszikel (noch) nicht vor. Die Vorbereitung der Freiräume ist jedoch ebenfalls planvoll, eine präzise Vorgabe ist vorauszusetzen.

Bildthemen:

Der vorgesehene Bildzyklus, soweit er sich aus den Themen der den Freiräumen jeweils folgenden Textpassagen erschließen lässt, begleitet den Erzählverlauf kontinuierlich; er beginnt mit dem Hoffest in Paris (58ra), drei Bildfreiräume sind für Darstellungen von Brautwerbung und Eheschließung vorgesehen, ebenfalls je drei Freiräume für Betrug und Verurteilung Sibilles und deren Bedrängnis in der Verbannung; mit Szenenwechsel zurück an den Hof Karls folgen weitere drei für die Darstellung der Entlarvung des Marschalls angelegte Freiräume, dann mit erneutem Szenenwechsel vier für die Darstellung der Abenteuer, an denen der heranwachsende Ludwig Anteil hat, bis hin zur Ankunft der Reisegesellschaft in Konstantinopel (70rb). Der Rückreise bis hin zur Wiederaufnahme Sibilles durch Karl ist mit sechs vorgesehenen Bildern die längste Sequenz gewidmet, wobei mit der Wahl eines übergroßen Bildformats am Anfang und Schluss dieser letzten Sequenz zwei Wendepunkte der Handlung besonders akzentuiert werden: 71ra-b der Zweikampf zwischen Ludwig und Emmerich, 76ra-b der Demutszug der Parteigänger Ludwigs zu Karl, mit Papst an der Spitze.

Faksimile:

Huge Scheppel / Königin Sibille. Übertragen aus dem Französischen von Elisabeth von Nassau-Saarbrücken. Hamburg, Staats- und Universitätsbibliothek, Cod. 12 in scrinio. Farbmikrofiche-Edition. Einführung zum Text und Beschreibung der Handschrift von Jan-Dirk Müller. München 1993 (Codices illuminati medii aevi 26).

Literatur:

Brandis (1972) S. 47–49. – Müller (1993 [siehe oben: Faksimile]) S. 7–13; Horváth/Stork (2002) S. 86f., 144, Nr. 33; Hans-Walter Stork: Die handschriftliche Überlieferung der Werke Elisabeths von Nassau-Saarbrücken und die malerische Ausstattung der Handschriften. In: Zwischen Deutschland und Frankreich. Elisabeth von Lothringen, Gräfin von Nassau-Saarbrücken. Hrsg. von Wolfgang Haubrichs und Hans-Walter Herrmann unter Mitarbeit von Gerhard Sauder. St. Ingbert 2002 (Veröffentlichungen der Kommission für Saarländische Landesgeschichte und Volksforschung e.V. 34), S. 591–606.

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus