KdiH

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67.2.3. Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Cod. 4142

Bearbeitet von Christine Stöllinger-Löser

KdiH-Band 7

Datierung:

1411.

Lokalisierung:

Innsbruck.

Besitzgeschichte:

Auftraggeber und Erstbesitzer unbekannt. Die Handschrift ist 1665 aus Schloss Ambras nach Wien gelangt (I*r: alte Signatur Ms. Ambras 135); alte Signatur der Wiener Hofbibliothek: Theol. CCCXI.

Inhalt:
1ra–196vb Bruder Berthold OP, ›Rechtssumme‹, B-Redaktion (Sigle W 6)
darin 187ra Priamel (Freidank-Variante) und Sprichwort, 187rb–196vb Register
I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, I + I* + 196 + II Blätter (I* = eingeklebtes Vorsatzblatt aus Pergament, I und II leer, römische Zählung des 15. Jahrhunderts I–CLXXXIII, diese geht bis 49 mit der neueren arabischen konform und weicht danach ab: 50 ist römisch nicht gezählt, 51= L, 52 wird auf der Rückseite als Li gezählt [falsch eingebunden?], 53 römisch nicht gezählt, 54 = Lii, ab da römische Zählung um zwei Nummern niedriger bis Blatt 186, danach keine römische Zählung mehr), 290 × 205 mm, zweispaltig, 31–41 Zeilen, sorgfältige Bastarda, Anfänge in Textura, drei Schreiber, I = Konrad Pegner (187ra: Explicit Summa Johannis alias Summa confessorum finita per Chonradum dictum Pegner notarium publicum clericum vxoratum Aystetensis diocesis tunc temporis rectorem scolarium in Inspruck. Completa […] millesimo quadringentesimo vndecimodecima octava die mensis juny hora vesperorum quasi [= 18.06. 1411]): 1ra–80rb, 82ra–187ra; II: 81ra–81vb; III: 187rb–196vb, Rubrizierungen (Lombarden, Überschriften, Unterstreichungen, Strichelungen), 1ra Eingangsinitiale U 45 × 40 mm, auf mit schwarzer und roter Tinte gezeichnetem Flechtwerkquadrat der Buchstabenkörper als rotes Flechtornament.

Schreibsprache:

bairisch-österreichisch.

II. Bildausstattung:

Auf dem vorgehefteten Pergament-Einzelblatt (I*) ganzseitige Darstellung eines Predigers, des Autors Berthold. Kräftige Deckfarbenmalerei in braun-schwarz-gelbem Rahmen mit Blumenmuster (der Rahmen ist zum Teil weggeschnitten), buntes lebhaftes Szenenbild mit klarer Raumperspektive: als Hintergrund ein Kirchenraum mit Deckengewölbe, bunt dekoriert mit Rauten, Streifen, Punkten, Rundbogenfenster, Seitenkapelle, Altäre mit Kerzenleuchtern und bunten Decken. Bei der Kanzel ist die Holzmaserung wiedergegeben, geschnitzte Kanten und Bögen, Stützbalken und die Treppe sind detailliert gemalt.

Im Mittelfeld links steht auf einer Kanzel ein dominikanischer Prediger (im schwarzen Mönchshabit, mit Kapuze, Tonsur, grauem Haarkranz), der gestenreich zu zahlreichen Zuhörern spricht, die unter ihm im Bildvordergrund auf dem Boden sitzen (die hinteren nur mit ihren Köpfen sichtbar): Laienpublikum, Männer und Frauen in zum Teil reicher zeitgenössischer Gewandung, verheiratete Frauen mit Kopfschleier, unverheiratete Mädchen mit offenem Haar und Schmuckbändern, Männer zum Teil mit aufwendigen Kappen oder Hüten. Alle blicken zum Prediger hoch, gestikulierend, mit lebhaftem, zum Teil betroffenem Gesichtsausdruck; die Gesichtszüge (Augen, Brauen, Nasen, Münder) bleiben jedoch einer schematischen Grundform verhaftet, Haare und Bärte sind nicht genau ausgeführt; Farbschattierungen markieren die Gewandfalten.

Das Bild wurde möglicherweise erst später (40er Jahre des 15. Jahrhunderts?) dem Text vorgebunden; dafür spricht der Gebrauch der Perspektive in der verschachtelten Raumdarstellung, die für Tirol zur Zeit der Niederschrift ungewöhnlich gewesen wäre. Die dargestellten Kopfbedeckungen entsprechen der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts (Weck [1982] S. 211).

Die postulierte Ähnlichkeit des Bildes mit einer Darstellung des berühmten Franziskanerpredigers Berthold von Regensburg in der Sammlung seiner Predigten in Wien, Nationalbibliothek, Cod. 2829, 1r, datiert 1447 (Heinrich Koller: Die Entstehungszeit der Summa des Berthold von Freiburg. MIÖG 67 [1959], S. 117–134; vgl. Weck [1982] S. 212), besteht vor allem in der thematischen Parallele eines Predigers vor seinem Publikum, die eine ähnliche Grundkonzeption bedingte: Berthold von Regensburg wird jedoch im Freien auf einer Kanzel, vor einer Kirche predigend dargestellt, er hat ein Buch vor sich, vom Himmel fliegt die Taube des Hl. Geistes auf ihn herab, im Hintergrund sprechen zwei Ordensbrüder mit einem in ein weißes Habit gekleideten Menschen. Eine direkte Abhängigkeit der beiden Darstellungen voneinander ist daraus nicht notwendig abzuleiten.

Farben:

Grün, Blau, Rot, Gelb, Braun, Schwarz, Violett, Inkarnat.

Literatur:

Menhardt 2 (1961) S. 1006–1008; Unterkircher (1971) Textbd. S. 82, Tafelbd. S. 64 (Abb. 82: 187r). – Weck (1982) S. 210–212, Taf. vor S. 1 (I*); Franz Unterkircher: Illuminierte Handschriften aus Tirol in der Österreichischen Nationalbibliothek. Das Fenster, Tiroler Kulturzeitschrift 34/35 (1984), S. 3372–3418, hier S. 3373, Farbabb. S. 3380 (1v); ›Rechtssumme‹ 1 (1987) S. 46*–48*, Abb. S. 47* (187r).

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Taf. XXXIVa: Wien, Cod. 4142, Vorsatzblatt IIv. Berthold bei der Predigt.

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Taf. XXXIVa.