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KdiH

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62.0.1. München, Universitätsbibliothek, 8º Cod. ms. 354

Bearbeitet von Ulrike Bodemann

KdiH-Band 7

Datierung:

Um 1450.

Lokalisierung:

Bairischer Sprachraum.

Besitzgeschichte:

Besitzeintrag des 16. oder frühen 17. Jahrhunderts 63r: Wolf A Schmidt zuͦe Ebersreit (Ebersreuth bei Regensburg), der Namenszug aufwendig gestaltet mit Eingangskadelle, Buchstabenschäfte mit blassroter Randung, insgesamt von dichter Ziselierung umgeben. 1659 im Besitz des Jesuitenkollegs St. Ignatii Martyris in Ingolstadt (Eintrag 1r). Seit 1776 in der Universitätsbibliothek Ingolstadt.

Inhalt:
1. 1r–30v ›Ältere deutsche Habichtslehre‹
Hs. N
2. 31r–33r Arzneien für Jagdvögel (Münchener Rezeptar I)
3. 33r–41v Arzneien für Jagdvögel (Münchener Rezeptar II)
4. 42r Von der Jagd mit dem Habicht
5. 42v–54v ›Lehre von den Zeichen des Hirsches‹
Hs. E
6. 54v–56v Waidsprüche und Reimsegen
7. 57r–67r ›Vogelfang und Hasensuche‹ I–III
darin 60v (Nachtrag 16. Jahrhundert) Arznei für ein Pferd
8. 67v–76v Segen, Arzneien, Hausmittel
I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, 85 Blätter (gezählt 1–76, dazu ein ungezähltes Blatt nach 63, acht ungezählte Blätter nach 56; entfernt wurden ein Blatt vor 1 und vier Blätter nach 67: sauber herausgeschnitten mit stehengebliebenen schmalen Falzstreifen; Ochsenkopf-Wasserzeichen im Falz derzeit nicht identifizierbar), 150 × 105 mm, ein Hauptschreiber (1r–41v, 42v–56v), Bastarda, einspaltig, um 19 Zeilen, rote Überschriften, Strichel, Lombarden über zwei Zeilen, Zeilenfüller; 1r Initiale: D als Hohlform, rot auf grünem Grund, doppelt gerahmt, von der linken unteren Ecke ausgehend Akanthusranken; ähnlich (ohne grünen Grund) 43r und 49v, dort zudem florales Federwerk als Initialdekor (Stechapfel in Lilie mündend, Weinblatt, Traube), einzelner floraler Buchstabendekor auch 53v (Eichel); 33r banderolenförmige Rahmung der Überschrift; zwei Nachtragschreiber (1: 42r, 57r–62r, 64r–67r, 2: 67v–76v), Kursivschriften, einspaltig, unterschiedliche Zeilenzahl.

Schreibsprache:

bairisch.

II. Bildausstattung:

Zwei kolorierte Federzeichnungen (26r, 42v), eine Hand. Da der Textbeginn 43r ähnlich gestaltet ist wie derjenige von 1r, liegt die Vermutung nahe, dass das verlorene Blatt vor 1 ebenfalls eine Federzeichnung (analog zu 42v) enthielt.

Format und Anordnung:

26r ungerahmt ca. 60 × 67 mm (Schriftspiegelbreite), zum vorausgehenden Text DAs ist von dem hundt vnd von dem habich, 42v ganzseitig in Querformat gegenüber dem Textbeginn 43r.

Bildaufbau und -ausführung, Bildthemen:

26r zeigt freistehend einen schlanken Jagdrüden im Sprung, mit vorgestreckten Vorderläufen, wehenden Ohren, Halsband mit Schelle(?). – Auf 42v bildet ein Flechtzaun den unteren Bildabschluss, links ein Jäger, ins Jagdhorn stoßend, mit Speer und angeleintem Hund, rechts versatzstückhaft und ohne Bezug zueinander im Bildraum verteilt ein Hirsch sowie (vermutlich) zwei wenig signifikant gekennzeichnete Hirschkühe in perspektivischer Verkürzung, dazwischen locker verstreut kantige Steinbrocken und diverse Pflanzen und Bäume. Oberhalb des Jägers ein Schriftband mit der Aufschrift KBROD(?). Über der Zeichnung die Textüberschrift Das Jed puech, dazu rote Weisehand.

Recht sichere Konturzeichnung, vermutlich von Schreiberhand (Zeichen- und Schreibtusche identisch), lockere Strichel zur Kennzeichnung des Tierfells, kaum zeichnerische Modellierung; insbesondere die Zeichnung des Hirsches, der sich mit dem Hinterlauf am geneigten Kopf kratzt, erweckt den Eindruck, der Zeichner habe für die einzelnen Motive Bildvorlagen benutzt.

42v dient als Titelbild für ›Die Lehre von den Zeichen des Hirsches‹, das verlorene Blatt 1 könnte ein ggf. ähnlich gestaltetes Titelbild für die ›Habichtslehre‹ getragen haben.

Farben:

Grün, Braun.

Literatur:

Kornrumpf/Völker (1968) S. 334–338. – Kurt Lindner: Die Lehre von den Zeichen des Hirsches. Berlin 1956 (Quellen und Studien zur Geschichte der Jagd III), S. 30-33, 105–130 und 134f. (Edition), Taf. V (42v); ders. (Hrsg.): Deutsche Jagdtraktate des 15. und 16. Jahrhunderts, Teil I. Berlin 1959 (Quellen und Studien zur Geschichte der Jagd V), S. 11–48, hier S. 19–24 (Edition ›Vogelfang und Hasensuche‹); Lindner (1964) S. 11–13, 99–135 (Edition ›Ältere deutsche Habichtslehre‹), 279–283, 291–323 (Abdruck von 8o Cod. ms. 354), Taf. XIII (1r), XIV (26r); Martina Giese: Zu den Anfängen der deutschsprachigen Fachliteratur über die Beizjagd. PBB 125 (2003), S. 494–523, hier S. 513; dies.: Arzneien für Beizvögel in der Handschrift München, Universitätsbibliothek, 8° Cod. ms. 354. ZfdA 138 (2009), S. 17–28 (S. 21–28 Edition Münchener Rezeptar II); Baudouin Van den Abeele: Texte et image dans les manuscrits de chasse médiévaux. Paris 2013, S. 124.

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Taf. Xa: München, Universitätsbibliothek, 8º Cod. ms. 354, 42v. Hirschjagd.

Taf. Xa.