KdiH

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51.19.2. Dresden, Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek, Mscr.Dresd.M.281

Bearbeitet von Ulrike Bodemann

KdiH-Band 6

Datierung:

Letztes Viertel 14. Jahrhundert (von Heusinger: zweite Hälfte 14. Jahrhundert, Lutze/Zimmermann: um 1370).

Lokalisierung:

Nürnberg, Klarissenkloster.

Besitzgeschichte:

Blatt [I]r oben Versalie B (Pultsignatur des Klarissenklosters).

Inhalt:

1r–247r

St.-Klara-Buch

Ruh (1983a) Sp. 1184

1r–136r

Leben der heiligen Klara nach Thomas von Celano

Williams-Krapp (1986): Klara von Assisi (7)

1r–4v Widmungsbrief Do daz alter der werlt sich naigen wart …

5r–v Bilder, 6r–99r Vita Ez waz ain wunderleichev frawe …

99r–100r Mirakelsammlung, Vorrede Dev zaichen der heiligen sint wunderlich …

100v–121r Mirakelsammlung Ain kint von pervs hiez Jacobinvs daz waz niht alain siech …

121r–124r Kanonisation Do avf Sand Peters stuel ze Rom saz …

124r–135r

Kanonisationsbulle Papst Alexanders IV.

135r–v

Lebensdaten der heiligen Klara

136r

Schlussgedicht

136v–150v

Leben der heiligen Agnes von Assisi

siehe oben Nr. 51.2.1.

150v–175r

Vier Briefe der heiligen Klara an Agnes von Böhmen

175r–176v

Fünfter Brief: Klaras ›Letzter Segen‹

177r–189v

›Gaude, Clara‹, deutsch

190v–247r

Klara-Traktat Der herre aller dinge der hat si lip gehabt

I. Kodikologische Beschreibung:

Pergament, 250 neuzeitlich gezählte Blätter (vor Initial- und Bildseiten nahezu regelmäßig, ca. 80-mal, ein leeres neues Schutzblatt eingelegt; Blatt 13 doppelt gezählt: 13a, 13b; 129 fehlt in Zählung), 160 × 110 mm, einspaltig, Textura, zwei Schreiber, I: 1r–189v, 17 Zeilen, Lombarden und Initialen über zwei bis sieben Zeilen in Deckfarbenmalerei, z. T. Figurenalphabet, mit Ranke oder Federwerk 1r (2), 6r (2), 8v, 31r, 31v, 36v, 46r, 51r, 56r, 86r, 90r, 137r, 140v, 141r, mehr als 70 farbig getuschte Initialen und Lombarden über zwei bis fünf Zeilen mit Federwerkausläufern, oft auch -randleisten; vielfach mit Federwerk verzierte Versalien, durchgängig im Hymnus 177r–189v, Schreiber II: 190v–247r, 17–18 Zeilen, 191r Federzeichnung mit Randleiste, ab 190v keine Ziermajuskeln mehr, nur noch selten Lombarden über zwei Zeilen mit einfachen Federwerkausläufern.

Schreibsprache:

nürnbergisch.

II. Bildausstattung:

Zwei historisierte Figureninitialen 11v, 14v; acht ganzseitige Deckfarbenminiaturen: 5r, 5v, 45r, 45v, 89r, 89v, 139v, 151v; wohl eine Hand.

Format und Anordnung:

Initialen über sechs Zeilen auf quadratischem Farbgrund; Miniaturen in Schriftspiegelgröße, ca. 95 × 65 mm, über bereits vorbereitete Linierung gemalt; einfache Feder- oder Pinselstricheinfassung, an den Ecken oft stilisierte Dreipassblüten. 5r, 5v, 45r, 45v mit oben angehefteten Seidentüchlein zum Schutz. Nicht in unmittelbarem Bezug zur zugehörigen Textstelle eingefügt, sondern kapiteleinleitend auf der Versoseite, bzw. als Bildpaar auf der Recto- und Versoseite des vorangehenden Blattes, wobei im letzteren Fall das Recto-Bild keinen notwendigen Textbezug hat. Die Bildtituli auf den äußeren Blattstegen entsprechen nicht den Kapitelüberschriften.

Bildaufbau und -ausführung:

Hochaufragende schlanke Figuren mit kleinen Köpfen füllen fast die gesamte Bildhöhe; Hintergrund farbig gefüllt, gelegentlich mit Rankenmuster, das sich den Umrissen der Figuren anpasst (5r, 151v). Weiche Konturen, flächige Kolorierung mit Höhungen in dunklerer Abtönung, Gewänder (Franziskus’ Kutte in Blaugrau, Klaras Habit in Blauviolett, ihr Mantel in Blau) werden mit nachgetragener Binnenzeichnung in an- und abschwellenden Linien sanft modelliert. Charakteristisch für die Physiognomien sind mandelförmige Augen mit starren Pupillen; zum Gebet erhobene Hände sind überproportional groß ausgeführt. – Lutze (Lutze/Zimmermann [1930/31]) sieht hier die Umsetzungen Nürnberger Vorlagen der Tafel- und Buchmalerei, die »in eine grobe, auf eine Gesamtwirkung abzielende Nachschrift verflüchtigt« erscheinen und in einem »Ritardando der Stilentwicklung« münden. Ein sehr naher Zusammenhang besteht zwischen den Miniaturen und Tafelbildern der wohl aus ein und derselben Werkstatt stammenden Nürnberger Altäre: motivisch wie stilistisch engstens verwandt sind die Tafeln des nur fragmentarisch erhaltenen Nürnberger Klara-Altars ( Lutze/Zimmermann S. 24 f., Taf. 33–39; vgl. auch Gothic and Renaissance Art in Nuremberg 1300–1550 [Ausst.Kat.] München 1986, S. 123, Nr. 8): Ortulana, vor dem Kruzifix betend (5v), ist einschließlich des Beginns des Spruchbandtextes Ne paveas mvlier geradezu eine Kopie des Altarbildes (Bamberg, Historisches Museum; Lutze/ Zimmermann Taf. 34); der Weinstock mit Vögeln (45r) kopiert die Rückseite des Mittelteils eines Maria-Magdalena-Altars derselben Werkstatt (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Lutze/Zimmermann Taf. 43). – Das programmatisch vorangestellte Franziskus-Porträt hingegen greift deutlich auf einen Darstellungstypus zurück, wie er in der Urkunde des Klarissenklosters von 1362 (Nürnberg, Stadtarchiv, Urkunden Nr. 1118, olim München, Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Reichsstadt München, Faszikel 154; Lutze/Zimmermann Taf. 2 und 4) vorliegt.

Bildthemen:

(Bildthemenverzeichnis siehe Bruck): Auf das Leben der heiligen Klara beziehen sich die beiden Initialen – 11v Franziskus und Klara in Wildmanninitiale, 14v Bischof und Klara in Wildmanninitiale (mit Beischrift: Daz ist als der pischof Sand Claren die palm von dem altar proht vnd irs gab in ir hant an dem palm tag) – sowie die Bildseiten 5r Sanctus Franciscus (stigmatisiert, mit Buch und Stab), 5v Hie wart Sand Clar gekvͤnd […] et irr mvter Ortulane do si vor dem crevcz pette (Ortulana, vor Altarkreuz kniend, mit Spruchband), 45r (ohne Beischrift, ungerahmt: Weinstock mit Vögeln), 45v Daz ist als vnsers herren leichnam mit Sand Claren rette avz der pvhsen (Altar mit Jesuskind-Halbfigur in Kelch, von oben ein Engel; davor Klara mit Mitschwester), 89r Daz ist als Sand Clar verschid vnd daz vnser herre vnd vnser frawe vnd die Ivnkfrawen von himelreich zv irm ende komen (Klara auf dem Totenbett umgeben von Christus, Maria, Mitschwestern, umarmt von Agnes), 89v Daz ist als si vnser herre vnd vnser frawe kronten in dem himelreiche (Klara klein zu Füßen der thronenden Christus und Maria kniend).

Eine weitere Bildseite leitet das Agnesleben ein: 136v (siehe Nr. 51.2.1.). – Ein letztes Bild 151v (zu den Briefen an Agnes von Böhmen) zeigt die Heilige als Lehrerin: Klara mit Spruchband, zwei kniend betende Schwestern unterweisend; ohne Beischrift, dafür hält Klara ein Spruchband mit dem Paarreim Meinev kind gehabt evch wol/Mein herre ist […?] trewen vol).

Farben:

Blau, Blaugrau, Weiß, Braun, Rot, Violett, Blauviolett, Grün, Hellgrün, Gelb, Schwarz, Silber (oxidiert), Blattgold.

Literatur:

Bruck (1906) S. 290, Nr. 106; Betty Kurth: Die Wiener Tafelmalerei in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts und ihre Ausstrahlungen nach Franken und Bayern. Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien N.S. 3 (1929), S. 25–55, hier S. 47, Abb. 49 (5r). 50 (151v); Lutze/Zimmermann (1930/1931) S. 14 f. 24 f., Taf. 6 (5v, 45v). 7 (89r, 89v); von Heusinger (1953) S. 82; von Heusinger (1959) S. 156; Ruh (1965) S. 57–65 (Text); Ruh (1983b); Bruins (1999) Abb. 19 (5v). 39 (45v). 47 (151v). 56 (89r). 64 (5r). 67 (89v).

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 51.58: 14v. Leben der heiligen Klara: D-Initiale mit: Bischof Guido von Assisi reicht Klara die Palme.

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Abb. 51.58.