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KdiH

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Die folgenden Zeichen haben eine besondere Bedeutung. Sie stehen ohne Leerzeichen beim Wort, auf das sie sich beziehen.
+Das Wort dahinter muss vorkommen.
-Das Wort dahinter darf nicht vorkommen.
~Das Wort dahinter sollte eher nicht vorkommen.
<Das Wort dahinter sollte vorkommen, aber nicht so dringend wie andere Wörter.
>Das Wort dahinter sollte vorkommen, und zwar dringender als andere Wörter.
*Platzhalterzeichen am Ende eines Wortes; steht für kein, ein oder mehrere Zeichen.
" "umgibt eine Folge von Wörtern; es wird dann nicht nach den Wörtern einzeln gesucht, sondern nach der Folge als ganzer.
( )bündelt Wörter zu einem Ganzen, um eins der obigen Präfixe darauf beziehen zu können.

11.3.1. München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 328

Bearbeitet von Ulrike Bodemann

KdiH-Band 1

Datierung:

2. Hälfte 15. Jahrhundert.

Lokalisierung:

Ostschwaben (Diözese Augsburg?, vgl. Eintrag der Augsburger Kirchweih 14r, 20r, 147r). – 95r–119v 1. Hälfte 16. Jahrhundert.

Besitzgeschichte:

174v familiengeschichtliche Einträge eines Vorbesitzers mit Nennung des Caspar Wintzrer und des Ritter Sigmundt Küngsfelder.

Astronomische Sammelhandschrift, deutsch; darin:

Inhalt:
1. 97ra–119va Konrad von Megenberg, ›Deutsche Sphaera‹
Edition: Brévart (1980), Handschrift b.
2. 122r–138r Lazarus Behaim, Vom Einfluß der Planeten und Tierkreiszeichen (= Schlußteil aus dem ›puech von der astronomien‹)
I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, I + 175 Blätter, 280 × 195 mm, zahlreiche Schreiber, als Hauptschreiber (1r–24v, 26r–61v, 120r–158v [außer 142r–v], 161r–162v, 173v) möglicherweise der Verfasser selbst: laßarus behem von Sulczbach practicus in quadriuuio (138r), ein- und zweispaltig, 31–33 Zeilen (96–116: 39–42 Zeilen), rote, im Bereich des Hauptschreibers auch blaue Initialen, rote Überschriften, Strichelung, manchmal Unterstreichungen, 97ra und 98ra einfache Fleuronnée-Initialen.

Schreibsprache:

ostschwäbisch.

II. Bildausstattung:

16 astronomische Zeichnungen und ganzseitige Sphära (96v) zu Text 1, schwarzbraune und rote Tinte, nur das Bild zur Erklärung der Hydrosphärenrundung mit figürlichen Elementen: Boot mit Mastbaum, an dessen Spitze und Fuß stilisierte Augen mit Visierungslinien zu einem dritten Auge (urfar). – Zu Text 2 in ihren Konturen vorgezeichnete, aber nicht ausgeführte Rundbilder, darin eingeklebt kolorierte Holzschnitte (122v, 124r, 125v, 127r, 128v, 130v, 132r [134r Vorzeichnung ohne eingeklebten Holzschnitt: Abb. des Drachen fehlt], 134v [2], 135r, 135v [2], 136r, 136v [2], 137r [2], 137v [2], ferner ein eingeklebter Holzschnitt 139r (Tierkreiszeichenmann). – In den übrigen Teilen der Handschrift zahlreiche astronomische Kreisfiguren, häufig mit drehbaren Scheiben in stellenweise kolorierter Federzeichnung, darunter 20r ein Astrolabium mit figürlichen kolorierten Federzeichnungen.

Format und Anordnung:

122v–132r Kreisrahmen (69 mm Dm), darin eingezeichnete innere Kreisrahmen (25–26 mm Dm), die eingeklebten Holzschnitte der Planeten sind den Körperkonturen folgend ausgeschnitten, ihre Häuser mit Kreisrahmen (19–21 mm Dm); 134r Kreisrahmen (52 mm Dm); 134v–137v Kreisrahmen (51 mm Dm), eingeklebte Holzschnitte der Tierkreiszeichen mit Kreisrahmen ausgeschnitten (39 mm Dm). Alle Vorzeichnungen mit schmaler doppelter Rahmung. – Astrolab 20r ganzseitiges Rundbild (210 mm Dm) mit zwei drehbaren Scheiben, am äußeren Blattrand beschnitten, am unteren Seitenrand Beischrift, in den Seitenecken Rundbilder der vier Winde (42 mm Dm) in schmaler doppelter Federrahmung. Die Planeten- und Tierkreiszeichenbilder stets zu Beginn des zugehörigen Textes wie Initialen links in den Schriftspiegel eingerückt.

Bildaufbau und -ausführung, Bildthemen:

122v–132r nackte Planetengötter mit Stern, dazu ihre Häuser. 122v Saturn: bärtig, mit Sichel und Krücke, dazu Steinbock, Wassermann; 124r Jupiter: gekrönt, mit erhobenem Schwert und abgeschlagenem Kopf, dazu Fische, Schütze; 125v Mars: behelmt, mit Lanze und Schild mit Flammenzier, dazu Steinbock, Krebs; 127r Sol: gekrönt, mit Schwert und Zepter, dazu Löwe; 128v Venus: in langem offenem Haar, mit Spiegel und Blume, dazu Stier, Waage; 130v Merkur: mit Beutel und verschlungenem Schlangenpaar, dazu Zwillinge, Jungfrau; 132r Luna: in langem offenem Haar, mit Horn und Fackel, dazu Krebs. 134v–137v Tierkreiszeichen, beginnend mit Widder. 135r Zwillinge: nackte Kinder sitzen sich auf einem Bodenstück gestikulierend gegenüber; 136r Jungfrau: junge Frau auf Bodenstück sitzend, mit faltenreichem, blau koloriertem Kleid und hochgebundenem Haar, eine Blume in der Rechten; 137r Schütze: auf einem Bein auf Bodenstück kniend, in engen Hosen und kurzem, seitlich geschlitztem und gegürtetem Überkleid, spannt den Bogen; 137v Wassermann: Haltung und Kleidung wie Schütze, schüttet aus einem Krug Wasser aus. Holzschnitte im Stil des Rundscheibenkalenders Johannes Blaubirers (1483); Schönfeldts Datierung auf das Jahr 1477 (S. 118f.) ist nicht nachzuvollziehen.

20r Astrolab: die obere Tagzeitenscheibe halbseitig in fächerförmige, weiß, oliv, grün, blau und rot kolorierte Segmente aufgeteilt, auf der anderen Halbseite runder Ausschnitt, flankiert von bräunlich lavierten Federzeichnungen eines Halbmond- und eines Sonnengesichtes. Sonne und Mond sind auf der darunterliegenden Scheibe auf gelb bzw. blau grundiertem Halbkreis mit der Feder als runde Gesichter, die bei Drehung der oberen Scheibe in deren Ausschnitt erscheinen, aufgezeichnet. Die vier Winde in den Zwickelmedaillons als blasende Gesichter im Halbprofil, leicht koloriert. Die Windgesichter, mehr noch die Gesichter von Sonne und Mond durch Strichelung und Deckweißhöhung plastisch und mimisch differenziert.

Literatur:

Schneider (1970) S. 335–342. – Saxl (1912) S. 169, Abb. 31 (124r); Behrendson (1926) S. 13; Schönfeldt (1962) S. 116–120; Brévart (1980) S. XIf.; Brévart (1980a) S. 191. 198–200.

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 188: 137v. Wassermann und Fische.

Abb. 188.