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KdiH

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49a.5.2. Kraków, Biblioteka Jagiellońska, Rkp. Przyb. 35/64

Bearbeitet von Pia Rudolph

KdiH-Band 6

Datierung:

1512/1513 begonnen (siehe Kalendereintragungen 1r–6v).

Lokalisierung:

Mittelbayern (Chojecka [1982] S. 9).

Besitzgeschichte:

1964 aus dem Antiquariat Heinrich Hinterberger, Wien erworben (Chojecka, S. 7f.). Hinterer Spiegel mit Bleistift: 15000–. Hinterer Spiegel: von verschiedenen (?) Händen die Jahreszahl 1600, die hebräische, griechische und lateinische Inschrift: IHS NASERENUS REX IUDEORUM.

›Bayerische Bild-Enzyklopädie‹

Soweit nicht anders vermerkt, handelt es sich um Bildseiten mit deutschen Beischriften (selten lateinisch: 29v, 30v, 32v–33r, 42r, 66v, 93v–94r)

Inhalt:
1. 1r–6v Immerwährender Kalender: Jenner hat ain vndt dreýskh tag
2. 7r–12v Das Schöpfungswerk
7r Chaos Ich bin der erst vndt der letz. Ich bin der anfang vndt das endt; 7v Die vier Elemente; 8r Erster Schöpfungstag, Erschaffung, Teilung von Licht, Benennung von Tag und Nacht; 8v–9r Erschaffung des Firmaments und Trennung des Wassers, das Meer; 9v Erschaffung der Gestirne; 10r Erschaffung der Tiere; 10v Erschaffung aller weiteren Tiere und des Menschen am segsten tag; 11r Erschaffung Evas; 11v–12r Fabelwesen; 12vItem das mér ist zehen mal grósser dan das gantz ertreich
3. 13r–17r Neun Weltwunder
13r Kirche zu Constantinopl; 13vtúern babilon; 14r Ein Bad erhitzt von ainer brinnenten khertzen; 14v Säule des clarelido; 15r Ein Haus aus Stein gehauen in der stat eradia; 15vein stat haist Schmigma; 16r Turm in Alexandria, der im Wasser auf iiii glesernen krepsn steht; 16v Kolosseum in Rom; 17r Drei Brücken übereinander In franckreich gelegen
4. 17v–20v Diverses
17v Die zehn ägyptischen Plagen; 18r Die 15 Zeichen des Jüngsten Gerichts; 18v Darstellung der Welt (? keine Beischrift, Seite eventuell unfertig), Parallele zu Erlangen MS.B 200, 57v (?); 19r–v Mondphasen und Zodiakalkreise mit Drehscheibe; 20r Die Hölle; 20v Schema ohne Beischrift (unfertig)
5. 21r–33v Astronomisch-astrologische, medizinische Schemata
Darunter: 23r Winde, Jahreszeiten, Temperamente; 25r Astrologische Tabelle zur Aufstellung des Horoskops nach einer Geburt; 26r Sonnen- und Mondzyklus; 26v Tabelle der Finsternisse für die Jahre 1519–1537; 27r Aderlassstellen; 27vein weib mit iren glideren vndt kranckhaiten; 28r Das menschliche Gehirn; 28vals vil pain oder aderen am mensch als vil sint tag Im Jar; 29r Chiromantie; 29v Alle Krankheiten und ihre Namen; 30r Schema ohne Beischrift (unfertig); 31r Merkmale, die Regen ankündigen (Beischriften im Schema fehlen, siehe Erlangen MS.B 200, 112v); 31vwie lang der mon scheint alle nacht. Stúnt vundt mynúten; 32rvmb wie vil mynúten vndt secunt der mon all tag hinter sich; 32v–33r Das ganze Firmament mit göttlicher Sphäre (Doppelseite); 33v Armillarsphäre ohne Beischrift (unfertig), Parallele zu Erlangen MS.B 200, 33v (?)
6. 34r–38v Zur Geometrie, Perspektive und Architektur (Musterbuch)
Geometrische Figuren, Jakobsstab, Gewölbeformen, Säulen, architektonische Elemente, Zirkel, Schraubstock, Labyrinth
7. 39r–41r Medizinisches
39r Wundenmann; 39v Chirurgische Instrumente; 40r Harnfarbenkreis; 40v–41r Zum Aderlass
8. 41v–42v Arithmetik
9. 43r–55v Wahrsagekunst, (Zahlen-)Mystisches, Instrumente, verschiedene Künste
43r–v Chiromantische Hand des Mannes, der Frau; 44r–v Physiognomik; 45r–46r Geomantie; 46vDie schwartz Khúnst mit dem spiegl; 47r Magischer Kreis; 47v–48r Namen der Feinde und Teufel mit ihren Legionen; 48v Die sieben schwarzen Künste; 49r Die sieben freien Künste; 49v Die sieben freien Handwerke; 50rAn was tag der weinachtag kúndt was dan das iar zu handln sey; 50v Sieben Erdoberflächen; Fünf von Gott vernichtete Städte; 51rWetter zu erkennen die bóß sint; 51v–52r Auslegungen; 52v Alchemistische Instrumente; 53r Musikinstrumente; 53v Gedächtniskunst; 54r Namen derer, die die gute und böse Kunst erfunden haben; 54v ›Vogelschau‹; 55r Die vier größten Wälder; 55v Instrumente der Gauklerei
10. 56r–62v Diverses
56r Gezinkte Spielkarten; 56vmit der rútem zú súechen prún schátz; 57rdie iii schúss zú lernen an dem kharfreitág …; 57vein weter zú machen mit Hilfe von schwarzer Magie; 58r Verschiedene Schlösser; 58vStentor ein kriechischer man hat ain stim gros …; 59rain aúfmercking zú bewáren ob ainer kranck sey oder nit …; 59v Die zwölf edelsten Tiere; 60r–61v Zum Wetter; 62r–v Zum Pferd
11. 63r–76v Tabellen und Schemata: Die Beziehung des Menschen zu seiner Umwelt
Kalendarische Tabellen, Astronomisch-Astrologisches, Geographisches, dazwischen: 72v architektonischer Grundriss
12. 77r–110r Rätsel, Rezepte, Ratgeber, Tricks, Orientierung
77r Rätsel; 77val die preger preier stabilier vnd grantnern …; 78r Schwarze Messe (?); 78v Blutschau; 79rmanigerlaý zeýt des Jares vndt der súnnen laúf vndt des mons laúf ….; 79vwas ain monat sei …; 80r–v Zeichen am Himmel; 81rzú erkennen einen besessen oder unsinigen …; 81v Jungfernbad; 82rDreýerlay wein zú machen mit farben …; 82v Bergbau; 83r Gegen die Pestilenz; 83v–84r Weltkarte (Doppelseite); 84v–85r Fechtkunst; 85v Rezept für ein etz wassers; 86r Eine Uhr zu machen, mit den zwölf Zeichen; 86v Wie man fischen soll; 87r Von Fässern; 87vmanigerlaý gschrifft zú schreiben …; 88r Werkzeuge; 88v Vier Temperamente; 89r Der gordische Knoten; 89v Mythos vom Minotaurus; 90rzu wissen in was zaichen die sún al stúnt ist …; 90v Einen Kalender zu machen; 91r Verschiedene Bäder; 91vetlich gschicht geschehen zú rom; 92r Figurenalphabet; 92vdie beklaidúng der franzósin …; 93rdúrch disn perg zú gen ist ain meil weg …; 93v–94r Verschiedene Zeichen; 94vmanigerlaý múnss vnd gelt regiert yetz in der welt; 95rein glit man das ist die leng prait grós ains menschen tailung …; 95vwelcher man ain póß weib hat der praúch wort kreit vndt stain …; 96r Ross im Stall; 96vaúf tailúng etlicher angesicht …; 97rneinerlaý ab nemmen machen den menschen alt vndt krank …; 97v–100v Verschiedene Instrumente, Werkzeuge, Labyrinthe; 101rein kranken zú erkhennen ob er sterb oder nit …; 100vdie vii alter des menschen …; 102r Astrologisches Instrument; 102v Männlicher Akt (unfertig?, siehe Erlangen MS.B 200, 64r–66r); 103r Leitern; 103v Schlachtenordnung; 104r–v Geometrische Figuren; 105r Winde (unfertig); 105v–106r Schema über eine Doppelseite; 106v Grabmal (unfertig); 107r Schema (unfertig); 107v leer; 108r–109r Musterbuch; 109vdie hógstn perg; 110raber aúftailng der angsicht
13. 110v–116v Pferdemundstücke (110v fúr stettige roß …)

Schwesterhandschrift zu Erlangen, MS.B 200 (49a.5.1.).

I. Kodikologische Beschreibung:

Papier (Blatt 19 Pergament), 116 Blätter, je ein Vorsatzblatt vorne und hinten, foliiert von späterer Hand, 300 × 220 mm, Bastarda (Beischriften und längere Textpassagen) und Textura (übergeordnete Texte), ein Schreiber, hinteres Vorsatzblatt: Eintrag des Schreibers: 1234567 amen korenplúem, darunter in gleicher bräunlicher Tinte: eine Ranke.

Schreibsprache:

mittelbairisch.

II. Bildausstattung:

Textierte Bildtafeln in kolorierter und getuschter Federzeichnung. Chojecka (1982, S. 13–15) unterscheidet fünf Maler: den Meister der Schöpfungsgeschichte (10v–11r, 19r, 14r, 95r), den Meister des Gesellenschießens (Monogrammist W[?]; 34ff., 39, 56r, 57, 58v, 77r, 86r), den Meister des Ehezwistes (95v und ein Detail auf 106v), den Meister der ›schwarzen Messe‹ (78r, 56v, 46v, 43r–44r), den Meister der Fechtkunstbilder (84v–85r). Wie bei der Schwesterhandschrift (49a.5.1.) müssen Händescheidungen und Vermutungen zum Herstellungsprozess bzw. zur Anzahl beteiligter Maler spekulativ bleiben.

Format und Anordnung, Bildaufbau und -ausführung:

Chojecka (1982, S. 13) bezeichnet die Handschrift als »auf den ersten Blick durchaus einheitlich«. Die Gestaltung liegt einer Grundkonzeption zugrunde, die derjenigen der Erlanger Handschrift (49a.5.1.) entspricht, so dass man davon ausgehen kann, dass es eine gemeinsame Vorlage gegeben hat. Die unfertigen Seiten der Handschrift (20v) weisen darauf hin, wie die Bildseite aufgebaut wurde. Zunächst wurden die kompletten Seiten, abgesehen von einem Rand, verschiedenfarbig grundiert. Nach dem Bildraum wurde das Grundgerüst der Binnendarstellungen festgelegt, die sich immer zentral innerhalb des Bildraums befinden und häufig mit dem Zirkel vorgezeichnete Rundbilder sind. Innerhalb der Rundbilder, Schemata, Tabellen finden sich Beischriften (Bastarda) in unterschiedlicher Farbe. Es existieren Goldapplikationen für Sterne und kleine, dekorative Punkte. Seiten unterschiedlichster Thematik weisen Naturselbstdrucke von Kräutern und Pflanzen auf ( Chojecka, S. 16–18). Im Vergleich ist die Erlanger Handschrift etwas reicher ausgeschmückt, enthält bewegliche Elemente und hat insgesamt einen größeren Umfang.

Der Text wurde immer zuletzt eingefügt, zum Teil bleibt das Zeilengerüst im Bildraum auch einfach leer (78r). In der Regel wurde oberhalb der Binnendarstellungen, oder auch ober- und unterhalb, ein Text angebracht – je nach Farbhintergrund des Bildraums mit verschiedenfarbiger Tinte. Manchmal umfängt der Text die Darstellungen im Rahmen des Rundbilds oder im Rahmen der Bildseite. Diese Textpassagen sind in Auszeichnungsschrift (Textura?) ausgeführt. Der Text ist Teil des Bildraums und beschreibt in aller Kürze das Dargestellte. Im Vergleich mit der Erlanger Handschrift sind diese Erläuterungen ausführlicher, da anders als dort auf einen separaten, die Bildtafeln ergänzenden Textteil verzichtet wurde.

Da die Vorlagen für die Bilder zumeist aus der Druckgraphik stammen, ist es nicht verwunderlich, wenn sich die Maler auch stilistisch an der Graphik orientierten. Speziell den Stil der Fechtbilder beschreibt Chojecka (1982, S. 14f.) als von der getönten Graphik inspiriert. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Beobachtung (Chojecka, S. 8), dass es sich bei der verwendeten Auszeichnungsschrift um eine »gerundete Fraktur« handeln könnte, die eigentlich aus dem Buchdruck stammt. Bekannt ist diese Type besonders durch das Gebetbuch Maximilians und den ›Theuerdank‹, beide in Augsburg bei Johann Schönsperger gedruckt. Sowohl die Vorlagen und die Ausführung der Bilder als auch die Schrift verweisen also auf den Druck.

In ihrer ikonographischen Übersicht gibt Chojecka diverse druckgraphische Vorlagen an, die jedoch eher grobe Vorbilder sein dürften (Chojecka, S. 19–103). Im Allgemeinen wurden die Holzschnitte nicht exakt kopiert, sondern variiert und häufig in Rundbilder eingefügt. Im Vergleich orientierte sich die Erlanger Handschrift sehr viel genauer an den graphischen Vorlagen. Hauptsächlich verweisen die Druckvorlagen auf eine Zusammenstellung an Büchern und Drucken, die um 1500 entstanden sind. Die Auswahl hatte demnach einen Bezug zu aktuellen Themen.

Identifizierbar sind v. a. folgende Vorlagen
– Johannes Regiomontanus, ›Kalender‹ ([Nürnberg: Hans Sporer, ca. 1474–1476]; Blockbuch (vgl. München, Staatsbibliothek, Xylogr. 45): für 1r–6v (immerwährende Kalender), weiterhin vergleichbar: 26v, 31v, 72r.
– Hartmann Schedel, ›Liber chronicarum‹ (Nürnberg: Anton Koberger für Sebald Schreyer und Sebastian Kammermeister, 1493; GW M40784): für 7r–12r (Schöpfung).
– Johannes Sacroboscos ›Sphaera mundi‹ und ›Opus sphaericum‹ (z. B. Leipzig: Konrad Kachelofen, [1489]; GW M14579): für astronomisch-astrologische Darstellungen und geometrische Elemente.
– Johannes Stabius, Horoskop für Kaiser Maximilian I. ›Horoscopion omni generaliter Congruens climati‹ (Nürnberg: Hieronymus Höltzel, 1512; Einblattdruck; New Hollstein 75 [2010] Nr. 128–130): für 76r.
– Johannes Stabius: ›Figura Labyrinthi‹ ([Nürnberg: Wolfgang Huber, ca. 1504]; VD16 S 8415): für 38v, 99v, 100r.
– Hieronymus Brunschwig, ›Buch der Cirurgia‹ (Erstdruck: Straßburg: Jonannes Grüninger, 1497 [GW 05593]), XIXr: für 39v (chirurgische Geräte), der Wundenmann 39r erinnert an das Titelblatt Ir.

Bildthemen:

ausführliche Übersicht bei Chojecka (1982, S. 19–103). Die Bilderhandschrift besteht aus einer Aneinanderreihung von Themen (siehe oben: Inhalt), die sich als ›enzyklopädisch‹ (Weltwunder, medizinisches und astronomisches Wissen), gemischt mit ›alltäglichem‹ Inhalt (Pferdemundstücke, Fechtbilder) beschreiben lassen. Für Chojecka (1982, 106) handelt es sich um den Versuch, die »Aura humanistischer Bildung« (Labyrinthe, Geschichte des Minotaurus) zu schaffen. Das Kreisschema als vereinheitlichende Grundstruktur der Handschrift verweist auf eine kosmische, göttliche Weltordnung, die traditionell mit Hilfe von Rundbildern veranschaulicht wurde. Behandelt werden u. a. die Vermessung von Gesichtern oder geometrischen Körpern, das Beherrschen der Jahres- und Tageszeiten, das Verstehen eines mathematisch-architektonischen Aufbaus sowie das Erkennen des kosmischen Einflusses auf den Menschen. Der Text weist mehrfach darauf hin, dass der Mensch dem Kosmos nicht ausgeliefert ist, sondern sein Handeln nach den erkannten Strukturen ausrichten und eventuell verändernd eingreifen kann (51r Wetter zu erkennen die bóß sint; 59r ain aúfmercking zú bewáren ob ainer kranck sey oder nit …; 62r wer ain gúet roß will erkennen …; 81r zú erkennen einen besessen oder unsinigen, um ihm helfen zu können).

Farben:

Weiß, Gelb, Rosa, Rot, Violett, Blau, Grün, Braun, Grau, Schwarz, selten Gold.

Literatur:

Ewa Chojecka: Bayerische Bild-Enzyklopädie. Das Weltbild eines wissenschaftlich-magischen Hausbuches aus dem frühen 16. Jahrhundert. Baden-Baden 1982 (Studien zur Deutschen Kunstgeschichte 358), mit zahlreichen Abb. S. 115–242.

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Taf. 49a.IIIb: Kraków, Biblioteka Jagiellońska, Rkp. Przyb. 35/64, 63v. Diagramm mit Rundbild: Mensch in vier Farben laviert, entsprechend seiner aus den vier Elementen hervorgegangenen Beschaffenheit.

Taf. 49a.IIIb.