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15.1.1. Klagenfurt, Kärntner Landesarchiv, Geschichtsverein Hs. 6/19

Bearbeitet von Ulrike Bodemann

KdiH-Band 2

Datierung:

Um 1200, nach Schneider (1987) möglicherweise auch frühes 13. Jahrhundert.

Lokalisierung:

Bayerisch-österreichischer Raum (wohl Kärnten/Steiermark).

Besitzgeschichte:

Spätestens seit dem 15. Jahrhundert im (ursprünglich Benediktiner-, später Jesuiten-)Kloster Millstatt (Besitzeintrag 1r vom Anfang des 17. Jahrhunderts); nach der Auflösung des Millstätter Jesuitenkollegs 1773 wohl zunächst nach Klagenfurt, dann aber in Privatbesitz gelangt (vermutlich des Handschriftensammlers Matthäus Kuppitsch, so Henkel [1982]) und 1845 durch Gottlieb Freiherr von Ankershofen für den Geschichtsverein für Kärnten erworben.

Inhalt:
1. 1r–84v ›Genesis‹
2. 84v–101r ›Physiologus‹
3. 102r–135r ›Exodus‹
4. 135v–142r ›Vom Rechte‹
5. 142r–154v ›Die Hochzeit‹
6. 154v–164v ›Millstätter Sündenklage‹
7. 164v–167v ›Paternoster‹
8. 167v ›Himmlisches Jerusalem‹, Fragment
I. Kodikologische Beschreibung:

Pergament, 167 Blätter (nach 167 fehlt ein Blatt, die Blätter sind im letzten Viertel der Handschrift – ab 128 – zunehmend stark beschädigt), 199 × 122 mm, einspaltig, Verse nicht abgesetzt, durch Reimpunkte getrennt, gotische Buchschrift, ein Schreiber, 23 (1r–16v), 26 (17r–120v) bzw. 25 (121r–167v) Zeilen, rote Bild- und Textüberschriften und ornamentierte Initialen, die (nach Smits [1972] S. 11) erst nach der Bildausstattung eingefügt wurden.

Schreibsprache:

südbairisch-österreichisch.

II. Bildausstattung:

119 lineare Federzeichnungen: 87 Zeichnungen und ein Bildfreiraum (29v) zu Text 1 (3r, 3v, 6r, 8r, 9r, 9v, 10r, 11r, 12r, 14v, 16v, 17r, 18r, 19r, 19v, 21r[2], 22r[2], 23r[2], 24r, 24v, 25v, 26r, 26v, 27r[2], 28r, 28v, 29r, 30r, 31v, 32r, 32v, 33r, 33v, 34r, 34v, 35r, 36r, 37v[2], 38r, 38v, 40v, 42v, 43v, 45r, 46r, 47r, 49r, 49v, 50r, 51r, 51v, 52r, 53v, 55r, 55v, 57r, 57v, 58v, 59v, 60v, 61r, 61v, 62v, 63r, 63v, 65v, 66v, 68r, 69v, 70v, 71v, 72r, 72v, 74r, 74v, 75v, 76r, 76v, 83r, 83v, 84r, 84v), 32 Zeichnungen zu Text 2 (84v, 85r, 85v[2], 87r, 88r[2], 88v, 89r[2], 89v, 90r, 90v, 91v[2], 92r, 92v, 93r, 93v, 94v, 95v, 96r, 96v, 97r, 97v, 98r, 98v[2], 99r, 99v, 100r, 100v). Drei oder vier Zeichner (I: 3r–40v, 84v–100v; II, eventuell zusammen mit I: 42v–72v [57r – oder 60v – bis 63v unter Umständen von einer weiteren Hand IV], 83r–84r; III: 74r–76v).

Format und Anordnung:

Rahmenlos in unterschiedlichen Formaten, über vier bis zehn Zeilen, die halbe bis ganze Schriftspiegelbreite einnehmend, dabei auch auf die Blattränder ausgreifend; in den laufenden Text eingefügt, der illustrierten Textstelle vorausgehend, gelegentlich zwei Bilder auf einer Seite.

Bildaufbau und -ausführung:

Im wesentlichen geschlossene Konturzeichnung in unterschiedlich sorgfältiger Ausführung, z. T. mit Verzeichnungen und Korrekturen. Personenbilder, deren szenische Aussagen durch dialogisches Gegenüberstehen von Figuren und Figurengruppen mit pointierter Gebärdensprache repräsentiert sind. Neben Dialogszenen treten als Bildstereotypen häufig Geburtsszenen und Totenklagen auf; gelegentlich Simultandarstellungen. Die Personen meist ohne Bodenstand, somit wie schwebend, wenig individualisiert, Höherstehende lediglich durch etwas reichere Kleidung, Gott und Engel dazu durch Nimben bzw. Flügel, profane Herrscher durch Kronen, Kirchenväter gelegentlich durch Bärte gekennzeichnet. Die Figuren sonst typisiert, bartlos, mit knie- oder knöchellangen, gegürteten Kleidern, Haartrachten kurz mit Nackenrolle oder in langen Wellen über die Schulter fallend. Hand I zeichnet sich durch besonders zierliche, dynamische Zeichnung von Figuren mit dünnen Gliedmaßen und Gewändern in reicher Parallelfältelung aus, Hand II ist grober, sparsamer bei der Binnenzeichnung, fügt mehr Requisiten bei, Hand III besonders eigenwillig mit auffallend feiner, dichter Strichzeichnung in brauner, nur ausnahmsweise roter Tinte, bildfüllender Figurenkomposition, schmalen Körpermodellierungen in fließender Haltung; Hand IV(?) mit variierter Gesichtszeichnung, weitgehender Beschränkung auf braune Tintenfarbe und ikonographischen Besonderheiten (Anreicherung mit Assistenzfiguren, Ortsangaben durch gewellte Bodenlinien und breite Architekturen).

Byzantinischen Einfluß weisen sowohl die Bildauswahl als auch ikonographische Details (Lagerstätten, Gebäude, Gewänder) und stilistische Elemente insbesondere der Initialornamentik auf.

Bildthemen:

(Bildthemenlisten: Eisler [1907] S. 50–53, Menhardt [1954] S. 291–329, Voss [1962] S. 197–199, Kracher [1967] S. 47–49): Darstellungen zur Erschaffung des Menschen, Geschichte Adams, Noahs, Abrahams, Isaaks und Jakobs, Josephs; die Geschichte Josephs dem Text entsprechend besonders dicht illustriert (33 Bilder; Bild 68r ›Joseph gibt sich den Brüdern zu erkennen‹ ist mit Bild 69v ›Rückkehr mit dem Goldbecher‹ vertauscht). Der Bildzyklus berücksichtigt nur die aus der Bibel selbst stammenden Themen, in der Genesis-Ikonographie singulär und als individuelle Bildschöpfung zu werten ist lediglich die Illustration zu Jakobs Tod (›Seelenschoß der drei Patriarchen‹ 83r), ungewöhnlich ist ferner als Bilddetail 8r (›Adam zwischen Baum der Erkenntnis und Baum des Lebens‹) die Beifügung der wohl symbolisch gemeinten zwei hängenden Körbe oder Kronen. Sporadisch sehr enge und von den meisten mittelalterlichen Darstellungen abweichende Übereinstimmungen von Bildern mit dem Text der ›Altdeutschen Genesis‹ deuten darauf, daß der Illustrator sich eng an den Text hielt (z. B. 14v die Vertreibung aus dem Paradies durch Gott selbst; 29r das Fehlen des eingreifenden Engels bei der Opferung Isaaks). Zum Teil auf byzantinische Vorbilder ist die Präsentation von Bildthemen zurückzuführen, die in der abendländischen Bibelikonographie wenig verbreitet sind (›Adam und Eva bei der Zeugung Kains‹ 17r, ›Rahel versteckt die Götzenbilder vor Laban‹ 43v, ›Joseph heiratet Asenat‹ 60v).

Farben:

Vornehmlich Braun, dazu Rot, Blau und Gelbbraun. Zu Text 2 siehe Stoffgruppe 126. Tierdichtung.

Literatur:

Menhardt (1927) S. 211. – Robert Eisler: Die illuminierten Handschriften in Kärnten. Beschreibendes Verzeichnis der illuminierten Handschriften in Österreich, hrsg. von Franz Wickhoff. Bd. 3, Leipzig 1907, S. 50–57, Taf. V a–k (61v. 62v. 63r. 63v. 65v. 66v. 68r. 69v. 70v. 71v). VI l–u (72r. 72v. 74r. 74v. 75v. 76r. 76v. 83r. 83v. 84r); Kärntnerische Buchkunst-Ausstellung. [Klagenfurt 1925], S. 12, Nr. 5; Kurt Weitzmann: Roll and Codex. A study on the origin and method of textillustration. Princeton 1947 (Studies in manuscript illumination 2), S. 140f., 188f., Abb. 124 (3v). 125 (35v); Menhardt (1954) Abb. 1 (3r). 4 (8r). 6 (21r). 8 (24r). 10 (47r). 12 (84v); Kurt Weitzmann: Observations on the Cotton Genesis fragments. In: Late Classical and Medieval Studies in Honor of Albert Mathias Friend, Jr. Hrsg. von Kurt Weitzmann u. a. Princeton 1955, S. 112–131, Abb. 13 (27r). 14 (29r); Rosalie B. Green: The Adam and Eve cycle in the Hortus Deliciarum. Ebd., S. 340–347, Abb. 4–13 (3v. 6r. 8r. 9r. 9v. 10r. 11r. 12r. 14v. 16v); F. P. Pickering: Zu den Bildern der altdeutschen Genesis. Die Ikonographie der trinitas creator. ZfdPh 75 (1956), S. 23–34. 83 (1964), S. 99–114; Voss (1962) Abb. 1–4. 6. 9–11. 14. 16. 18. 21. 25–27 (8r. 60v. 66v. 76r. 3r. 3v. 6r. 14v. 19r. 38r. 25v. 11r. 9r. 27r. 83r); Sünger (1964) Abb. 3 (3r). 5 (25v); Schade (1966) Fig. 1–6 (3r. 3v. 6r. 9v. 12r. 8r); Millstätter Genesis und Physiologus Handschrift. Vollständige Facsimileausgabe der Sammelhandschrift 6/19 des Geschichtsvereins für Kärnten im Kärntner Landesarchiv, Klagenfurt. Einführung und kodikologische Beschreibung von A. Kracher. Graz 1967 (Codices Selecti X), vollständige Schwarzweiß-Reproduktion, dazu 6r, 9v, 12r, 22r, 37r als Farbabbildung; Die frühmittelhochdeutsche Wiener Genesis. Kritische Ausgabe mit einem einleitenden Kommentar zur Überlieferung von Kathryn Smits. Berlin 1972 (Philol. Studien und Quellen 59); F. P. Pickering: Trinitas Creator: word and image. In: Pickering (1980) S. 46–58; Walter Cahn: Romanesque Bible Illumination. Ithaca/New York 1982, S. 89f., Abb. 56 (60v); Nikolaus Henkel: Eine verschollene Handschrift aus St. Paul. Zur Geschichte der ehemaligen Kuppitsch-Handschrift des ›Buchs der Rügen‹. In: Die mittelalterliche Literatur in Kärnten. Vorträge des Symposions in St. Georgen/Längsee vom 8. bis 13. 9. 1980. Unter Mitarbeit von Alexander Cella hrsg. von Peter Krämer. Wien 1981 (Wiener Arbeiten zur germanischen Altertumskunde und Philologie 16), S. 67–85, hier S. 77. 84 Anm. 65; Ute Schwab: Zwei Abrahamsszenen der frühmittelhochdeutschen Genesis. Ebd., S. 231–250, Abb. 1 (29r). 8 (27r); Otto Mazal: Von der »Wiener Genesis« zur »Millstätter Genesis«. Beobachtungen zur spätantiken und mittelalterlichen Bibelillustration. Biblos 33 (1984), S. 205–215; Karin Schneider: Gotische Schriften in deutscher Sprache. I. Vom späten 12. Jahrhundert bis um 1300. Wiesbaden 1987, S. 85–88, Abb. 37 (Textseite 42r).

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 108: 9v. Erschaffung Evas.

Abb. 108.