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104.2.2. Warszawa (Warschau), Biblioteka Narodowa (Nationalbibliothek), Rps 8002 III (früher St. Florian, Stiftsbibliothek, Cod. III 206)

Bearbeitet von Wolfgang Augustyn

KdiH-Band 10

Datierung:

1398 –1399 und um 1404.

Lokalisierung:

Krakau.

Besitzgeschichte:

Die Handschrift wurde im Auftrag Königin Hedwigs von Anjou (1373–1399) begonnen (53vb Wappen der ungarischen Anjou). Das Monogramm aus den gekreuzten Buchstaben MM (3ra, 53va) wird entgegen der älteren Forschung nicht als Monogramm ›Mons Mariae‹ des Konvents in Kłodzko (Glatz) gedeutet, sondern als persönliches, unterschiedlich gelesenes Signet der Königin Hedwig von Anjou (1374–1399), die es wie eine Imprese auf verschiedenen, von ihr gestifteten Gegenständen anbringen ließ (Polen im Zeitalter der Jagiellonen [1986] S. 233; Hanamann [2008] S. 124f., 134–136). Der bei ihrem Tod 1399 unvollendete Psalter, die älteste erhaltene Übersetzung der Psalmen ins Polnische, wurde erst nach einer mehrjährigen Unterbrechung fertiggestellt. Der polnischen und tschechischen Archaismen wegen vermutete man, die Schreiber seien einem älteren polnischen oder tschechischen Text gefolgt. Angeblich kam der Psalter im frühen 15. Jahrhundert in das neugegründete Augustiner-Chorherrenstift in der Krakauer Vorstadt Kazimierz (Kaliszuk/Szyller [2012] S. 110), wo er bis 1556 verblieben und nach kurzer Zeit in Privatbesitz (Ir Bartłomiej Siess 1557, Heinrich Yegem) möglicherweise als Eigentum der polnischen Königin Katharina von Österreich (1533–1572) nach Österreich gelangt sein soll. Die Königin, die 1566 Polen verlassen hatte, lebte seit 1567 in Linz und wurde nach ihrem Tod im Augustiner-Chorherrenstift St. Florian bestattet. Die Handschrift, die 1564 einen neuen Einband erhalten hatte, ist 1637 erstmals im Katalog der Bibliothek von St. Florian verzeichnet (Kaliszuk/Szyller [2012] S. 122–124). 1931 wurde sie an die polnische Nationalbibliothek verkauft (Buchmayr [2022] S. 154–156).

Inhalt:
1. 1ra–231vb Psalter, lateinisch und Übersetzungen, deutsch und polnisch (Schöndorf [1967] S. 76–78; Schöndorf [1989] Sp. 887)
1ra–2ra Vorrede zur ›Enarratio in psalmos‹ (Duszo welbi, vsta cziscy. Und dy zele edil macht vnd den munt reyneget. Cor letificat, turrim alte locat in celo …; unvollständig, da zwei Blätter verloren), 3ra–231vb Ps 1–118,24
2. 231vb–236vb Athanasisches Glaubensbekenntnis, lateinisch und Übersetzungen, deutsch und polnisch
3. 236vb–288rb Ps 118,25–150, lateinisch und Übersetzungen, deutsch und polnisch
4. 288rb–296vb Cantica, lateinisch und Übersetzungen, deutsch und polnisch
288rb–289ra Canticum des Jesaja, 289rb–291ra Canticum des Hiskia, 291rb–293ra Canticum der Hanna, 293ra–296vb Canticum des Moses, Gebet des Habakuk
I. Kodikologische Beschreibung:

Pergament, 296 Blätter (zwei Blätter verloren, 1564 zwei Papierblätter hinzugefügt), 320 × 225 mm, Textura, drei Schreiber (I: 1r–188r bis Ps 101,18; II: 188r–205v Ps 101,19–106,2; III: 205v–296v), zweispaltig, 26–27 Zeilen, Lombarden, abwechselnd blau, rot, gold mit Fleuronné in verschiedenen Farben, teils mit waagrechten oder längeren senkrechten Ausläufern und mit Strichelungen, außerdem rechteckige ornamentale Zeilenfüller, längere rote Überschriften. Der Text ist an vielen Stellen stark berieben.

Schreibsprache:

lateinisch, polnisch, mitteldeutsch mit südschlesischer Färbung (Schöndorf [1967] S. 77).

II. Bildausstattung:

Acht größere und 142 kleinere Deckfarben-Initialen, teilweise mit üppigem, weit um den Schriftspiegel ausgreifendem Rankenwerk, oft mit figürlichen Motiven als kolorierte Federzeichnungen (z. B. 5r). Die großen Initialen heben die sog. Achtteilung hervor (3ra B zu Ps 1, 41ra D zu Ps 26, 67va D zu Ps 38, 93va D zu Ps 52, 119ra S zu Ps 68, 151va E zu Ps 80, 182rb C zu Ps 97, 215ra D zu Ps 109).

Format und Anordnung, Bildaufbau und -ausführung:

Die kleinen Initialen mit Figuren im meist blauen Binnengrund, der Rankenschmuck in reinen und aufgehellten, mit Weiß gemischten Farben ist häufig erweitert um figürliche Motive, während die großen Goldinitialen mit Ausnahme von 3ra und 41ra ornamental geschmückt sind. Ihr blauer Grund ist meistens mit weißen Ranken oder einem regelmäßigen, geometrischen Muster ausgefüllt.

Die Ausstattung des ersten Teils der Handschrift stammt von einem »laienhaften Miniaturmaler (vielleicht einer der in Krakau am Ende des 14. Jahrhunderts tätigen Astrologen)« (Polen im Zeitalter der Jagiellonen [1986] S. 233), der zweite Teil von einem von der böhmischen Buchmalerei geprägten Miniator, dessen Hauptwerk die 1415 entstandene sog. Hutter-Bibel ist (Kraków, Muzeum Narodowe, Ms 1197 V), oder von einem Künstler aus seinem Umkreis (Polen im Zeitalter der Jagiellonen [1986] S. 233 und 235f.).

Bildthemen:

siehe auch 104. Einleitung. 3ra David mit Harfe, 41ra König David zeigt zu Ps 26 auf sein Auge, die kleinen Initialen zeigen mehrmals Frauen oder den Beter des Psalms mit gefalteten Händen, im Rankenwerk sind zahlreiche figürliche und gegenständliche Motive, darunter Menschen, Tiere, mehrere Vögel, die man als astrologische Bildmotive, Anspielungen auf das Horoskop der Auftraggeberin, interpretierte (Polen im Zeitalter der Jagiellonen [1986] S. 233).

Farben:

Rot, Blau, Gold, Grün, Violett.

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 72: 41r. D-Initiale: König David zeigt auf sein Auge.

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Abb. 72.