104.1.1. München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 12
Bearbeitet von Wolfgang Augustyn
KdiH-Band 10
2. Hälfte 14. Jahrhundert (
Passau, St. Nikola (?).
Die Handschrift wurde 1588 von der Bäckerin Barbara Niederhofer dem Kloster geschenkt (Besitzvermerk, Ir): Iste liber testatus est monasterio Sancti Nicolai a Barbara Niderhoferin pistrice, putatur per Johannem Reming, Matheum freyling et Johannem Elgres, notarium publicum caesarium die Catherine anno etc. LXXXVIIIº. Wappenexlibris des Augustiner-Chorherrenstifts St. Nikola in Passau aus dem 18. Jahrhundert (Iv).
| 1ra–219vb |
Bearbeitung des Notker-Textes (vgl. Ps 1,1–134,2: Beatus vir qui non abiit in consilio impiorum et in via peccatorum non stetit et in kathedra pestilencie non sedit. Der man ist selig der niht gieng in den rat der argen. Als adam tet do er der konen rates volget wider got (1ra). Da zwei Lagen fehlen, bricht der Text ab: Et dedit terram eorum hereditatem. Hereditatem israel populo suo. Vnd er (219vb)
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Pergament, I + 219 + III Blätter (zwei Lagen fehlen am Ende; eingeklebte Fragmente auf den Vor- und Nachsatzblättern), 330 × 232 mm, Bastarda, eine Hand (Korrekturen eventuell von einer weiteren Hand, andere Hände auf den Fragmenten), zweispaltig, 30–36 Zeilen, deutsche Übersetzungen rot unterstrichen, zwei- bis vierzeilige rote Initialen am Beginn der Psalmen, teilweise mehrzeilige rote Psalmentituli, rote Textinitialen am Beginn der Psalmverse. Bestimmte Psalmen sind durch große Initialen mit Knospenfleuronné mit Fleuronnéstab und Büschelformen als Besatzornamenten hervorgehoben, einige davon (1ra zu Ps 1, 33vb zu Ps 26, 56va zu Ps 38, 82va zu Ps 52, 108vb zu Ps 68, 136va zu Ps 80, 161va zu Ps 97 und 189ra zu Ps 109) entsprechen der sogenannten liturgischen Achtteilung des Psalters.
bairisch, lateinisch.
Zwei neunzeilige historisierte Initialen (1ra, 189ra).
Beide Initialen eröffnen die jeweils linke Textspalte.
1ra: Die beiden Binnenfelder der Initiale B(eatus) zu Ps 1,1 zeigen jeweils Federzeichnungen zweier männlicher Büsten mit roten Wangen, wechselweise vor einem Hintergrund mit blauen oder roten Blattformen und stilisierten Ranken.
189ra: Die Initiale D zu Ps 109,1 zeigt im Binnenfeld die Dreifaltigkeit, dargestellt als zwei sitzende Männer auf einem Thron. Gottvater, durch dunkelgrüne Bart- und Haartracht als der ältere charakterisiert, hat die Linke in einer Sprechgebärde erhoben, zu seiner Rechten sitzt Christus mit hellem Haar und deutlich jüngeren Gesichtszügen und Kreuznimbus. Auch er hat die Hand zur Sprechgebärde erhoben. Von oben kommt, ebenfalls mit einem Kreuznimbus ausgezeichnet, die Geisttaube herab.
Zu Ps 1 werden – wie in der Tradition der Bebilderung des Psalters seit langem üblich –, vielleicht einst gegenüber einer größeren Darstellung Davids (?) die vier Mitverfasser des Psalters gezeigt: Asaph, Eman, Idithun und Esaph. Ps 109 wurde seit patristischer Zeit christologisch ausgelegt und auf die innertrinitarische Beziehung von Vater und Sohn bezogen, seit karolingischer Zeit bieten zahlreiche lateinische Psalterhandschriften deswegen an dieser Stelle ein Bild der Trinität (
Blau, Gelb, Grün, Rot.
Abb. 69: 189r. D-Initiale: Dreifaltigkeit.