KdiH

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25.3.1. Einsiedeln, Stiftsbibliothek, Cod. 710 (322)

Bearbeitet von Ulrike Bodemann

KdiH-Band 3

Datierung:

Nach 1455 (um 1482/83? [Banz]/um 1490? [Konrad]).

Lokalisierung:

Konstanz.

Besitzgeschichte:

Geschrieben für Heinrich Ehinger (1438–1479, 1473 Oberbaumeister, 1478 Säckelmeister von Konstanz, 1479 Mitglied des Großen Konstanzer Rates) und die mit ihm 1455 verehelichte Margaretha von Kappel (1440[?]–nach 1483), vgl. das Allianzwappen *Iv. Vermutlich durch die Enkelin des Paares, Dorothea Ehinger, bei deren Eintritt 1503 in den Besitz des Dominikanerinnenklosters St. Peter in Konstanz gekommen (verstümmelter Eintrag auf dem Pergamentblatt *Ir Dis Buoch gehordt dem Got [...] S. Peter zu C [...] nz), und Eintrag IIr In das Closter St. Peter gehörig).

Inhalt: Die Texte 5–14 sind identisch mit den Texten 1–10 der Handschrift München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 831.
*IIra–*IVra Register
1. Ira–IIra ›Kreuztragende Minne‹
2. IIra–XXIra ›Christus und die minnende Seele‹
Handschrift E (Banz [1908/1977])
3. XXIra–XXIva ›Disput zwischen der minnenden Seele und unserem Herrn‹
4. XXIIv–CLXXXIVva Heinrich Seuse, ›Exemplar‹
Handschrift K (Bihlmeyer [1907/1961]); siehe auch unter Nr. 36.0.2.
5. CLXXXVra–CLXXXXVIIIrb ›Von einem christlichen Leben‹
6. CLXXXXVIIIrb–CCra ›Goldwaage der Stadt Jerusalem‹
7. CCra–CCIra Sechs Stücke zu einem christlichen Leben
8. CCIra–CCIIra ›Vom geistlichen Kloster‹
9. CCIIra–CCIIIvb ›Von der ewigen Weisheit Gemahelschaft‹ (aus Seuses ›Horologium sapientiae‹ II,7 deutsch)
10. CCIIIvb–CCVrb Vaterunser-Auslegung
11. CCVrb–CCVIrb ›Von der Siebenzahl‹
12. CCVIrb–CCVIIIra ›Tagzeiten vom Leiden Christi‹
13. CCVIIIra–CCIXrb ›Zehn Staffeln der Demut‹
Sonderfassung
14. CCIXrb–CCXXIra Traktat von Geduld
15. CCXXIra–CCXXIvb Von den sieben Staffeln der Demut
16. CCXXIvb–CCXXIIIra Von Gottesliebe
17. CCXXIIIra–CCXXIXva Vom anfangenden, zunehmenden und vollkommenen Leben (Es ist ain groß wunder vnder den luten die in aim anuang sind ... Maister egkhart ward gefraget wz ain mensche solte tun ...)
18. CCXXIXvb–CCXXXIIra Tagzeiten (Stundenbetrachtungen)
I. Kodikologische Beschreibung:

Papier (Blatt *I Pergament), *IV + 232 Blätter (ab dem fünften Blatt gezählt I–CCXXXII), dazu je drei neuere Vorsatzblätter vorn und hinten, 300–305 × 202–207 mm, Bastarda, ein Schreiber (nach Banz vielleicht identisch mit demjenigen des Einsiedelner Codex 283/1105 von 1482 [Deutsches Gebetbuch für Margaretha von Kappel]), zweispaltig, 36 Zeilen, abwechselnd rote und blaue Initialen und Lombarden, rote Überschriften, Unterstreichungen, Strichel.

Schreibsprache:

hochalemannisch-schwäbisch.

II. Bildausstattung:

*Iv Wappentafel; Text 1: ein Titelbild (Ir), Text 2: 21 mit Deckfarben kolorierte Federzeichnungen (IIra, IIIvb, Vrb, VIra, VIIra, VIIIrb, VIIIvb, IXva, Xva, XIva, XIIrb, XIIIra, XIIIvb, XIVvb, XVrb, XVIrb, XVIIra, XVIIvb, XVIIIrb, XVIIIvb, XXrb), Text 4: 15 mit Deckfarben kolorierte Federzeichnungen (XXIIv–CXXXr), Zierleiste als Zeilenfüller XXVIIvb, acht figürliche Initialen und zwei Zierinitialen (zu Text 4 siehe Nr. 36.0.2.), Text 5, 6, 17 und 18 je mit einer ornamentalen Eingangsinitiale (CLXXXVra, CLXXXXVIIIrb, CCXXIIIra, CCXXIXvb). Eine Hand, nach Banz identisch mit derjenigen der Wappentafel 6v in der Handschrift St. Gallen, Kantonsbibliothek (Vadiana), Cod. 343c–d (Historienbibel Ib, deren sonstige Bildausstattung aus der Werkstatt Diebold Laubers).

Format und Anordnung:

Wappentafel *Iv ganzseitig (205 × 134 mm), zu Text 1 Ir halbseitiges Eingangsbild (ca. 130 × 164 mm). Zu Text 2 IIra–XXrb spaltenbreite, ca. ein Viertel der Spaltenhöhe einnehmende Bilder (ca. 55–73 × 59–75 mm), ungerahmt, die oben und unten an den Bildraum angrenzenden Textzeilen oft überschneidend. Zwischen Bildbeischrift und Dialogreimpaaren eingefügt.

Bildaufbau und -ausführung, Bildthemen:

Umrißzeichnung und Faltenwürfe in Federzeichnung, modelliert wird ansonsten durch den meist deckenden Farbauftrag; Schattierungen ebenfalls durch Farbabtönung, nicht durch Schraffuren.

Wappentafel *Iv: Wappenschilde des Heinrich Ehinger (goldener, mit drei roten Rosen besetzter Schrägbalken in schwarzem Feld) und seiner Frau Margaretha von Kappel (drei zugespitze Längsfelder, die beiden äußeren golden mit schwarzer Pilgermuschel, das innere schwarz mit goldener Muschel), mit Helmzier, das Wappen Ehingers mit Blattgoldbekrönung; die Helme werden gehalten von einem in der Mitte zwischen den Wappen stehenden Engel in langem blauem Gewand mit Edelsteinbordüren an den Rändern und mit außen roten, innen weißen Flügeln; auf kupfergrünem Bodenstück, auf das mit feinem Pinsel Gräser sowie rot und weiß blühende Kräuter gezeichnet sind; Hintergrund violettrot mit halbkreisförmigen Strahlenornamenten in Pinselzeichnung. Graue, profilierte Kasteneinrahmung, innen Blattgoldleisten. Am linken und unteren Blattrand gerade Leisten mit Ausläufern in vegetabiler Deckfarbenmalerei und Fleuronnée, links Tierdrolerien als Kletterfiguren, unten in aus Ranken gebildeten Medaillons die Darstellungen von Hirsch mit Fliegen links und liegender Hinde rechts vor Landschaftshintergrund.

Text 1: Ir Christus mit bluttriefendem Haupt und Blattgoldnimbus mit rotem Kreuz, in grauem Gewand, ein reich gemasertes Kreuz auf dem Rücken, geht barfüßig der ebenfalls kreuztragenden Seele voraus; diese in mit weißem Pelz besetztem blauem Gewand mit rotem Edelsteingürtel, rote Schuhe, in das blonde, mit roten Bändern umwundene Haar sind Blumen eingeflochten; die Seele führt Christus an einem um dessen Bauch gewundenen Seil; am Kreuz der Seele klettert ein Teufel in Untiergestalt hoch. Auf grünem, unten gelapptem Bodenstück mit Steinen und Gräser- und Kräuterbesatz.

Text 2 (Bildbeschreibungen bei Banz [1908/1977] S. 226–242): Ungerahmte Zeichnungen, Hintergrund freibleibend. Die Seele stets links, Christus ihr rechts gegenüber, Blatt IIra ist die Seele durch ihre Körpergröße als Kind gekennzeichnet, ab Blatt XIIIra (Christus verschwindet hinter dem Vorhang) wird sie – singulär in der Überlieferung – als Nonne im Zisterzienserinnenhabit dargestellt. Die Szenen spielen in Innenräumen, meist auf Kachelböden, oder auf unterschiedlich reich mit Gräsern, Kräutern und Blumen bewachsenen Wiesenstücken; in der Darstellung des Kusses (XVIIra) stehen die Figuren in einem von Flechtzaun halbrund umgebenen Baumgarten mit Eichhörnchen, Eisvogel und zwei Hasen. Ohne perspektivische Ausrichtung. Die zur Handlung gehörenden Requisiten sind stets detailreich ausgearbeitet, z. B. das Bett IIra mit Kopfbaldachin, weißem Kissen mit Goldknöpfen und Quasten, gefältelter altrosa Decke, IIIrb mit Pfosten, karierten Kissen, grüner, innen roter Decke, Fußbank mit Kanne; unterschiedlich ausgestattete Thronsitze; die (weltliche) Kleidung der Seele variiert zwischen einfach fallenden gegürteten Kleidern und aufwendig gefältelten Gewändern mit prunkvollen Accessoires. Besonders höfische Akzente sind im Bild der Überreichung des Minnetranks (XIva) gesetzt: Die Seele in altrosa Kleid mit Gürtel, weißem Hermelinbesatz und Schlepprock, darunter Unterkleid in ocker-blauem Brokatmuster. Dazu edelsteinbesetzte Burgunderhaube und Schnabelschuhe.

Von Blatt VIra bis XXrb sind die Bilder mit den (nicht immer lesbaren) Kleinbuchstaben e bis v bezeichnet.

Text 5 mit Eingangsinitiale I aus Blattgold über fünf Zeilen, in rechteckiger, an den Rändern gebogter, oben blauer, unten altrosafarbener Camaieufläche, das I mündet oben und unten in kurze Blattranken, die sich am Seitenrand fortsetzen in üppiges Rankenfleuronnée, aus kurzen Federstricheln gebildet und auslaufend in Deckfarbenblüten. Text 6 mit Blattgoldinitiale I über vier Zeilen, in blau-grüner, an den Rändern gebogter Fläche; Text 17 mit roter E-Initiale über vier Zeilen, in den Zwickeln Blattgoldfüllung, in den Binnenfeldern oben schwarz, unten blau ornamentiert. Am Außenrand in Blattranken übergehend, die in Phantasieblüten und -früchte, Goldpollen und Fleuronnée auslaufen. Text 18 mit W-Initiale über vier Zeilen, der Buchstabe gebildet aus einem grünen und einem hellblauen, ornamentierten Bogen, der hellblaue setzt sich am oberen Blattrand in eine grün-rosa Akanthusranke fort. Der Rahmen ist ein leicht gebogtes Rechteck, rot mit gelber Pinselstrichornamentik, überall kurze Federstrichausläufer.

Farben:

kräftig-bunte Farbpalette, Deckweiß, Schwarz, Blattgold, Inkarnat Weißrosa mit rötlicher Wangenabtönung.

Literatur:

Literatur: Bihlmeyer (1907/1961) S. 5*f.; Banz (1908/1977) S. 6–14. 184–200. 232–242 und passim, Taf. I (*Iv). III (Ir). V (IIIvb). VI (Vrb, VIIra, VIIIvb, VIIIra, IXva). VII (XIva, XIIIvb, XVIIIrb, XVIIra, XXrb); Stammler: Epenhandschriften, in: Stammler (1962) S. 154; Hildegard Elisabeth Keller: Von dem toben und wüten, das wib und man mit ain ander hond. Szenen weltlicher und geistlicher Ehen in Christus und die minnende Seele. Jahrbuch der Oswald von Wolkenstein Gesellschaft 9 (1996/97) S. 341–359, Abb. 1 (Xva); Diess.: Von ehelicher Privation zu erotischer Privatheit. Zur Allegorese der Geschlechterbeziehung in Christus und die minnende Seele. In: Die Öffentlichkeit und das Private. Hrsg. von Gert Melville und Peter von Moos. Köln [u. a.] 1998 (Norm und Struktur 10) S. 461–498, Abb. 1 (VIra). 2 (Xva). 3 (XIIIvb). 4 (XVIrb); Reitinger (1997) Abb. 13 (XIIIvb); Konrad (1997) S. 320, KO 83 mit Abb. (*Iv). – Abschriften der Dichtungen ›Kreuztragende Minne‹ und ›Minnende Seele‹ mit Nachzeichnungen der Illustrationen durch P. Gall Morel liegen im Manuskript M. 128 der Stiftsbibliothek Einsiedeln vor.

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Taf. IXa: IIra. Nachtgebet der Seele.

Taf. IXb: XVrb. Christus bietet der Seele Geldmünzen an.

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Taf. IXa.
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Taf. Ixb.